Dechant P. Robert Bösner OSB, Maria Dreieichen
(Österreich)
Gott bleibt seiner Kirche treu
Kritisches zu Herbert Haags Thesen
über Eucharistie, Priestertum und Kirche
Als Dank an Bischof Dr. Kurt Koch , Basel
Diese Bemerkungen von
einem Pfarrer, der vor über 40 Jahren Theologie studiert hat, sind gedacht als
Reaktion auf einen ekklesiologischen Rundumschlag mit ungenügenden
sakramententheologi-schen Voraussetzungen durch Dr. Herbert Haag in einem Artikel der "Basler Zeitung" vom 4.
Januar 2000, der sich gegen seinen Bischof Dr. Kurt Koch wendet,
weil dieser in der Ausübung seines Lehramtes mit den Aussagen des Papstes
übereinstimmt. Im folgenden Artikel folgen auf Zitate aus dem Zeitungsartikel
jeweils eiige Bemerkungen.
1 ) "Wir wissen heute, daß
vom 1. bis 3. Jahrhundert der Vorsitz beim Herrenmahl nicht an eine Weihe
gebunden war, daß vielmehr von der Gemeinde beauftragte Männer und Frauen
dieser Feier vorstanden."
Was würde der Hl. Ignatius von
Antiochien zu dieser Behauptung sagen? Auf seinem Weg zum Martyrium
hat er, um das Jahr 107, einige Briefe
an kleinasiati-sche Christengemeinden geschrieben, die auf seinem Weg
lagen.
Da kann man z.B in seinem Brief an die Smyrnäer, 8,1 lesen:
„Jene Eucharisitefeier gelte als zuverlässig, die unter dem Bischof oder einem
von ihm Beauftragten stattfindet. Keiner soll ohne Bischof etwas, was die
Kirche betrifft, tun. Folgt alle dem Bischof, wie Jesus Christus es dem Vater
gegenüber tat, und dem Presbyterium wie den Aposteln; die Diakone aber achtet
wie Gottes Gebot."
Auch der bekannte evangelische Theologe
und Historiker Adolf v. Harnack (1851-1930) könnte mit Prof. Haag
in seiner Aussage über das Priestertum nicht
übereinstimmen. Denn aufgrund seines theologischen Grundansatzes als
protestantischer Theologe wunderte er sich als Historiker damals
schon, daß rund um das Jahr 100 schon
der monarchische Episkopat („Frühkatholizismus“) so allgemein verbreitet
war. Seinem evangelischen Vorverständnis
entsprechend hätte es ja eigentlich um
diese Zeit noch gar nicht eine
hierarchische Struktur des geistlichen Amtes
geben „dürfen“.
Und was hätte der gelehrte Hippolytus
(+ 235) gesagt, der ab dem Jahr 189 als einflußreicher Theologe in Rom wirkte.? Sein
theologisches Forschen ging in die Richtung, zu untersuchen, ob das Leben der
damaligen Kirche mit den apostolischen Anfängen übereinstimmt; (vgl. sein Werk:
"Traditio apostolica"), Wenn er zu seiner Zeit erfahren hätte, daß
jemand meinte, es könne jemand ohne Weihe die Heilige Eucharsitie feiern, d.h. ohne im
apostolischen Zusammenhang zu stehe, dann hätte er entschieden gesagt, daß man ohne diesen Weihezusammenhang
sicher nicht das Gleiche tun könne, was die Apostel und ihre Nachfolger
vollzogen.
2 ) " Die Eucharistie ist
keine Einsetzung Jesu, sie ist eine Einsetzung der Kirche. Diese hat es somit
in der Hand, die Voraussetzungen zu bestimmen, unter denen sie gefeiert werden
soll. Die Kirche
kann schon deswegen nicht als Sakrament verstanden werden, weil nach geltender
Theologie die Einsetzung durch Jesus zum Wesen des Sakramentes gehört. Jesus
aber hat keine Kirche eingesetzt."
Über diese Aussage (Jesus habe keine
Kirche gegründet) würde sich Alfred Loisy freuen, der bekannte
Modernist (1857-1930), der leider ohne Versöhnung mit der Kirche gestorben ist.
Sein berühmt gewordener Ausspruch : "Jesus wollte das Gottesreich künden,
gekommen aber ist die Kirche!" (die, nach seiner Lehre mit dem
Gottesreich gar nichts zu tun hat.)
Auch als Alttestamentler mit historischer Bildung wirtd
Prof.Haag nicht gut leugnen
können, daß Jesus den Zwölferkreis der Apostel eingesetzt hat.
Im Hohenpiesterlichen Gebet beim
Letzten Abendmahl hat Jesus gemäß dem
Johannes-Evangelium gebetet: „Ich bitte nicht nur für diese hier (sc. Apostel),
sondern für alle, die auf ihr Wort hin an mich glauben." (Joh 17,20).
Zeitlich vor dem
Johannesevagelium spricht das Matthäusevangelium (Mt 16,18) von der Jüngergemeinde
der Apostel, die durch Jesus zum Glauben an ihn gekommen ist. Später ist
die frühchristliche Gemeinde jene
„Kirche“ Jesu (hebräisch: qahal), die durch
das Wort der Apostel auf dem Felsen Petri aufgebaut ist. Sie ist jene
Kirche, die Er sich selbst ( "meine
Kirche") "immer wieder auf diesen Felsen auferbauen wird". Das
ist – nach den Worten des Mt-Evangelium -
auch der letzte Grund, warum die Mächte des Todes die Kirche Jesu nicht
überwältigen werden können!
Die Apostel haben nach der Auferstehung
Jesu immer wieder Gemeinden gegründet.
"So predigten sie in Stadt und Land und setzten ihre Erstlinge nach vorhergegangener
Prüfung im Geiste zu Bischöfen und Diakonen für die künftigen Gläubigen
ein." ( siehe Brief des Clemens Romanus, Kap 42,4, um das Jahr 96).
Die Apostel können – wenn die Aussage Haags und Loisys stimmen sollte - eigentlich damals von Jesus keine Aufgabe bekommen haben. Dementsprechend wären dann folgerichtig nach dem bekannten Wort des Hl. Paulus (Eph 1,20) die Apostel
eigentlich ein heilsgeschichtlich „leeres"
Fundament, auf dem Christus eigentlich nichts
hätte aufbauen können (vgl. Eph 2, 1-8) Sie, die Zwölf, würden wegen der
glaubensfremden Aussage dieser „modernen“ Theologen wahrscheinlich ganz
ausdrücklich dem Wort ihres Mitapostels
Paulus zustimmen, wenn er an andere Gemeinden schreibt:
"Es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur
e i n i g e Leute, die euch
verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen. Wer euch aber ein
anderes Evangelium verkündigt, als wir (Anm. d. Zitators: Apostel) verkündigt haben, der sei verflucht ! Auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel
vom Himmel." (Gal 1,7-8). Und er wiederholt das Wort vom Anathem noch
einmal in V. 9.
3 ) (So wie sich
die Stimmberechtigten der Schweiz vor kurzem eine neue Verfassung gegeben
haben), "so kann sich auch die katholische Kirche eine neue Verfassung
geben. Sie muß es, wenn sie überleben will. Die gegenwärtige hierarchische
Verfassung mag früher einmal gut gewesen sein. Heute ist sie anachronistisch.
Vor allem aber läuft sie dem Evangelium zuwider!"
"Wer euch (Apostel) hört, der hört
mich ..." (vgl. Mt 10,40; Lk 10,16; Joh 13,20). Das ist eine bleibende
Vorgabe der Kirche und somit ihre Grundverfassung! Diese hat sich die Kirche n i c h t selbst gegeben, wie Haag offenbar - ohne tiefere Kenntnis des
Geheimnisses der Kirche - meint, sondern J e s u s selbst !
Die Evangelien drücken dies eindeutig
aus. Sie geben das wider, was die Apostel gepredigt und getan haben, und zwar
schon zu einer Zeit, da ihre Predigt noch nicht niedergeschrieben wurde. Es
waren die Apostel (und ihre Mitarbeiter), die die Gemeinden gegründet habe. Bei
dieser Gründungstätigkeit konnten sie sich darauf berufen, daß der Herr ihnen,
„die Er sich selbst erwählt hatte" (Apg 1,2b) noch "v o r seiner
(Anm: endgültigen) Aufnahme in den Himmel
Anweisungen durch den Heiligen Geist gegeben hat" (Apg 1,2c).
"Vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen, und hat vom Reich Gottes
gesprochen" (Apg 1,3c).
Diese kurzen Hinweise zeigen, daß die
innere Struktur der sich entwickelnden Kirche den Aposteln vom gekreuzigten und
auferstandenen Jesus vorgegeben wurde. Die Kirche mit ihrem - dem Stiftungswillen Jesu
entsprechenden - späteren inneren Ordnung
ist kein "Zufallsprodukt" von Entwicklungen. Immer wieder war
es die Frage der geweihten Hirten, ob
die zeitgenössische Kirche mit den
Anfängen, die Christus gesetzt hat, in Übereinstimmung wäre. Immer wieder ist
es das Selbstbekenntnis und die Berufung der Kirche, dass sie jene
geisterfüllte apostolische Gemeinschaft ist, wie sie in den Anfängen von Jesus
und seinen Apsosteln selbst gegründet worden. war.
4 ) "Was kann eine
Gottesdienstgemeinde daran hindern, gemeinsam den Einsetzungsbericht zu
sprechen und dann das geweihte Brot zu empfangen ?"
Was sie daran hindern könnte, ist ihr
katholisches, gläbiges Selbstverständnis. Selbst in der evangelischen Kirche
wird das Abendmahl von einem bestellten "Gottesdienstleiter"
vollzogen und zur Austeilung dargeboten!
Wie sich ein der Sakramententheologie
Unkundiger das so vorstellt! So als ob
die bloße Rezitation eines heiligen Textes (Passage der Hl. Schrift mit den
Ereignissen vom Letzten Abendmahl) durch eine Gruppe von gläubigen Christen das
Brot am Altar zum "Leib Christi" wandeln könnte!!
Wer "macht" denn überhaupt
etwas bei der Heiligen Liturgie? Jesus, der Hohepriester, durch seine Apostel
(und die von ihnen geweihten Mitarbeiter), oder sind es die getaufte Menschen,
die gerne nach ihren Wünschen etwasd tun wollen und deswegen die Apostel äusserlich kopieren?
Wenn jene "Gemeinde", von der
Haag spricht, eine (Gottersdienst-) Gemeinde im
katholischen Sinn wäre, dann hat sie einen durch bischöfliche
Handauflegung geweihten Pfarrer, der vom Bischof als Hirte, Priester und
Gemeindeleiter eingesetzt ist. Dieser Priesterr ist ja dann auch mit dem
heiligen Geist (spiritus presbyterii) „ausgerüstet", um die heiligste
Eucharistie zu feiern und und die dabei konsekrierten Opfergaben auszuteilen.
Er hat auch jenen Geist des Hirtenamtes
bekommen, durch den er seine Gemeinde in Einheit mit dem Bischof der Ortskirche
und dem Papst in Rom erhält.
Aber selbst bei ihnen, den Presbytern,
"macht" nicht das "bloße Rezitieren" eines Schrifttextes
(Einsetzungs“bericht“) aus dem vorbereiteten Brot und Wein den heiligen Leib
und das Blut Christi. Vielmehr sind es
die in ihrem gedenkenden Danksagen an den himmlischen Vater (anamnesis) von den
Aposteln ermächtigte Presbyter! Will sagen jene, die durch die
bischöfliche (apostolische) Handauflegung zum geisterfüllten Presbyterium
Dazugehörige, die ermächtigt sind, das zu tun, was die Apostel vollzogen haben und was vor dem Vater im Himmel auch
geistmächtig anerkannt ist. Somit ist es der Hohepriester Jesus Christus
selbst, der durch seinen geweihten Priesterr handelt, wenn er "in seinem Namen" spricht:
"Das ist m e i n (d.h. Jesu ) Leib, m e i n Blut."
Erst wenn ein geweihter
Apostelmitarbeiter (Mitarbeiter des Bischofs im heiligen Priesteramt) an der
Stelle Jesu mit Brot und Wein das Gleiche vollzieht, was Jesus beim Letzten
Abendmahl tat, und er dabei bekennt, daß er damit das tut, was die ganze Kirche
(immer schon) tut, dann erst haben die Glieder der Kirche die Gewähr, daß sie
das Gleiche erhalten, was Jesus beim Letzten Abendmahl den Aposteln gereicht
hat: nämlich sich selbst.
Wenn gläubige Christen durch
Prof. Haag dazu a u f g e f o r d e r t w e r d e n, n i c h
t warten zu brauchen, bis sie die vom zuständigen gerweihten
Priester konsekrierten Gaben des
Heiligen Leibes und Blutes Christi bekommen sondern sie in Protest und
Ablehnung (!!) des durch einen Bischof in das geisterfüllte Kollegium
hineingeweihten Presbyters sich selbst
zu "sättigen" bereit sind,und zwar durch das Kopieren der liturgischen Gesten,
des Priesters, dann haben sie in
Prof. Haag einen
s c h l e c h t e n R a t g e b
e r !
Denn sein Rat führt dazu, daß
die Christen eine von Gott n i c h t gewollte Speise
als "göttliche Speise" (theion deipnon) ansehen und empfangen. Durch
diesen schmeichelnden, aber schlechten Rat verhungern und verdursten sie
eher, als wenn sie auf die göttliche Speise warten und sich darauf
vorbereiten. Sie können diese Speise in der Zwischenzeit in
"geistlicher Kommunion" (d.h. in gläubiger und liebevoller Sehnsucht)
empfangen.
Im übrigen ist zu befürchten, dass -
wenn dann einmal ein geweihtrer Priester bei ihnen ist, - der geweiht ist. - den sie aber nicht mögen und deshalb es vielleicht
ablehnen, von ihm die Heilige Kommunion zu erbitten und zu empfangen, weil sie
es nicht für notwendig empfinden, ihn zu bitten, dann wären sie durch ein
solches angeratenes Verständnis
(sich selbst "Priester"
genug zu sein) vom wahren sakramentalen Leib und Blut Christi getrennt, aber im
Laufe der Zeit auch vom mystischen Leib des Herrn, seiner Kirche..
5 ) "Die Bischöfe und
Theologen mögen sich doch den Kopf zerbrechen, ob diese (oben erwähnte
Kopie einer Meßfeier als) Feier 'gültig' sei. Was heißt hier überhaupt
'gültig'? Jesus lädt
alle seine Jünger und Jüngerinnen zum Mahl, die Amtskirche aber entscheidet,
wann und für wen diese Einladung 'gültig' sei."
Mit trickreicher Sophistik lassen sich
Glaubensfragen nicht klären!
Entweder will der Verfasser mit den
obigen Worten sagen:
Jesus lädt alle ein
zum Mahl in der Weise,
dass sie alle (ohne Priester) eine Mahlfeier halten können (und meinen, dabei „ konsekrieren“ zu
können) und dass diese „heiligen“ Gaben
dann der heilige Leib Christi wäre, den sie an alle (Teilnehmer) austeilen könnten,
oder Prof Haag will sagen:
Jesus lädt alle ein zum Mahl, das
heißt, Jesus lädt sie ein an einer Mahlfeier teilzunehmen,
die einer seiner geweihter Priester hält, um die Gabe des Herrn
dann vom feiernden geweihten Priester zu
empfangen.
Bei der zweiten Variante heißt
"gültig beim Mahl sein", sich zu fragen, ob ich erlaubterweise den
Leib Christi von einem geweihten
Priester empfangen kann, der die hl. Eucharistie feiert: E es ist
das eine Frage, die den Gewissensbereich
(das "forum internum") betrifft (bin ich im Stande der Gnade?); aber
sie betrifft auch den äusseren Rechtsbereich ("forum externum")
insofern sich jemand Rechenschaft gibt, ob
die Feier in Übereinstimmung mit
der kirchlichen Lehre und Sakramentenodnung ist;
bei der ersten Variante will
"gültig" soviel heissen wie "gültig die Mahlfeier vollziehen",
so daß die Teilnehmer an jener – von Prof. Haag angeratenen –Mahlfeier (ohne Priester) in gleicher Weise d a s erhalten sollten, was Jesus durch
(s-)eine Eucharistiefeier seinen Jüngern geben wollte. Alle früheren Generationen von Christen habe ja immer
geglaubt, dass sie bei einer von einem geweihten Priester gefeierten Hl. Messe das
empfangen, was die Apostel selbst beim Letzten Abendmal ausgeteilt
bekommen haben, als Jesus sagte::"Nehmt und eßt!" Niemand aber kann etwas, was Jesus den Aposteln angeordnet hat,
nämlich „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ willkürlich ungeschehen machen
und behaupten: „Wir alle können es
eigenmächtig in gleicher Weise tun, wie es Jesus nur den Aposteln aufgetragen hat; wir brauchen
keine Apostel (-nachfolger)!“
Durch alle Zeiten der Kirche gehörte es immer zum apostolischen Hirtenamt
dazu, diese und ähnliche Fragen des Glaubens und der Sakramentenordnung
verbindlich zu beantworten und zu klären, damit
niemand in der Gemeinschaft der
Gläubigen durch Wortspielereien sich verwirren lasse. Daß die Frage nach der
Verläßlichkeit und Echtheit
der eucharistischen Gaben für die (große) Gemeinschaft der Gläubigen "ein
Verrat am Evangelium sei", das ist wohl ziemlich abwegig und im
höchsten Maße glaubenszerstörend. Der
Apostel Paulus sagt im Korintherbrief (1 Kor 11,23): „Ich habe vom Herrn
empfangen, was ich euch dann selbst überliefert habe. Er hat nicht eigenmächtig,
sondern in Glaubenseinheit mit Jesus und den anderen Aposteln das
eucharisitsiche Geheimnis den Korinthern ausgelegt und gehütet.
Eine ähnlich trickreiche Täuschung und
suggestive Negativbewertung vollzieht der Verfasser auch in einem anderen
Bereich:
6 ) "Da (der Priester) in
einem Seelsorgeverband (aus mehreren Gemeinden) nicht allgegenwärtig sein kann,
reduzieren sich die Eucharistiefeiern auf ein Minimum. In einem aus fünf
Pfarreien bestehenden aargauischen Seelsorgeverband fand am letzten Osterfest
in einer Kirche eine Eucharistiefeier statt."
Es ist offenbar dem Verfasser
entgangen, daß es seit einigen Jahren durch ein Schreiben der
Gottesdienstkongregation direkt angeregt wurde, sich zu überlegen, ob man nicht
anstelle mehrerer kleiner österlicher Gottesdienste mit wenig Assistenz in einer größeren Kirche eines Gebietes eine
e n t f a l t e t e Liturgie feiern sollte, bei der
alle Dienste und Riten hinreichend und deutlich vollzogen werden können. Das
Jahr über wird man diese Regelung nicht anwenden können, aber gerade zu Ostern
ist es direkt angebracht. Die verwirrende Argumentation ist gewollt; denn im
Text des Verfassers heißt es gleich weiter:
7 ) "Statt für
wirksame A b h i l f e zu sorgen, vertrösten unsere
Bischöfe (und auch sein zuständiger Bischof Dr. Koch) auf bessere
Zeiten ... Die nächstliegende E r l e i c h t e r u n g, der
Verzicht auf den Pflichtzölibat, wird nicht genannt, denn das darf ein Bischof
nicht sagen."
Christus hat die freiwillige
Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen eingeführt und dazu ermutigt; „Es gibt
Menschen , die um des Himmelreiches willen ehelos sind! Wer es fassen kann, der
fasse es! “ (Mt 19,12). Die Kirche hat mit der späteren Zölibatsgesetzgebung
diese „Neuheit des Christentumes“ im Laufe ihrer Geschichte aufgegriffen und
weitergeführt.
Soll man in der Zeit eines offenbaren
sittlichen Verfalles durch das Aufgeben dieser "kostbaren Gabe"
diesen mangelhaften Zustand der Gesellschaft gleichsam sanktionieren und den
sittlichen Verfall als normative Vorgabe billigen?
Der Verfasser des Artikels sollte auch zwischen Abschaffen und Erleichterung besser unterscheiden, denn
sonst macht Prof. Haag deutlich, daß für ihn "der steile Weg und die enge
Pforte, die zum Himmelreich führt" und von welcher Jesus gekündet hat,
dass dies die „neue Welt Gottes“
ist, nicht verbindlich ist und
somit – nach seiner Ansicht -
folgerichtig auch nicht für die Kirche.
8 ) "Wenn sich über
Jahrhunderte hinweg die Auffassungen über Wesen und Zahl der Sakramente
gewandelt haben, dann können sie sich ja auch heute wieder wandeln! Könnte
nicht - im Sinne des (heiligen) Augustinus - die
Verkündigung des Wortes wieder als Sakrament verstanden werden ?"
Hier wird auch wieder schematisch und
verwirrend argumentiert. Ja, es haben sich manche Auffassungen geändert! Aber gerade
deswegen wurde (mit höchster Lehrautorität) auf einem Konzil (von Trient)
klärend entschieden, was durch die Jahrhunderte gleich geblieben ist und sich
nicht verändert hat. Und nach einer
solchen definitiven Entscheidung kann man sich dann aber nicht so
verhalten wie vorher, als es diese Entscheidung noch nicht gab.
Ist zum Beispiel das, was vor ca. 400
Jahren (Konzil von Trient) als "Glaube der Kirche" hingestellt wurde
(z.B. Anzahl der Sakramente der Kirche), vierhundert Jahre später nicht mehr
"Glaube der Kirche", sondern etwas, was man beliebig wieder ändern
kann?
9 ) "Seit Jahren fordern
Theologen, die dieser Kirche kritisch gegenüber stehen, ihr gleichzeitig aber
verantwortungsbewußt verbunden sind, daß sie sich eine neue
Verfassung gebe. Trotz erheblichen Priestermangels fehlt der Wille zur
Reform. Noch immer geht die Treue zum Dogma vor. Katholische Kirche: Verhungern
einem Dogma zuliebe !"
Wenn man der Kirche mit der Änderung
der apostolischen Glaubensvorgabe gleichsam ein künstliches „Plastik-Fundament“
verleihen will, müßten die Menschen wahrscheinlich früher „verhungern", als wenn man sich (in
Treue zum Stiftungswillen Jesu) um gläubige, im apostolischen Zusammenhang
geweihte Priester bemüht, die befähigt sind, der Gemeinde der Gläubigen das
weiterreichen zu können, was Jesus den Aposteln beim Letzten Abendmahl gereicht
hat. Das ist der tiefste Grund, weswegen die Kirche diese Art von Berufungen fördert. Dieses geisterfüll tes Amt
jedoch - den Schwierigkeiten zuliebe - in seiner Grundstruktur zu ändern, kann
nur Ersatzlösungen bringen!. Wer läßt eigentlich wen verhungern ?
10 ) "Erst im dritten
Jahrhundert kam die Vorstellung auf, es bedürfte für die Mahlfeier einer Weihe.
Der s o entstandene Priesterstand läßt sich nicht auf Jesus zurückführen.
Er wurde von der Kirche geschaffen. Sie bestimmte die Bedingungen für die
Funktionen des Priesters."
Wenn diese (in protestantischer
Unkenntnis der Kirchengeschichte begründeten) Aussagen stimmten, dann "handelt
es sich also keinesfalls um ein unaufgebbares Dogma, wonach für die
'gültige' Eucharistiefeier ein Priester nötig ist."
Es ist schade, daß Prof.Haag die
Glaubensverkündigung der Bischöfe (auch die des eigenen Bischofs Koch
von Basel) nur als eine "theologische Darstellung" anerkennt und nicht
als die Glaubenswahrheit der Kirche. Und auch,
daß jene Theologen, die im Sinne der Kirche lehren, als "den
Bischöfen ‘unterwürfige’ Theologen" benannt werden. Glücklicherweise gibt
es aber m e h r
Theologen, die das Lehramt der Bischöfe unterstützen, als jene, die
glaubensfremd die Kirche "basisorientiert" zerstören.
Leider muß man sagen, daß Herbert Haag
nicht nur g e g e n seinen Bischof, den er als Einzelperson und nicht als zum
Bischofs-Kollegium gehörig achtet, agitiert, sondern auch gegen die
"Römische Instruktion zu einigen Fragen der Mitarbeit der Laien am Dienst
der Priester" vom 15. August 1997, die der Papst ausdrücklich
gebilligt hat. Freilich steht da drinnen, daß Lehren, wie sie Haag verbreitet,
als "schwerer Mißbrauch" zu werten sind. (z..B.. "Wenn Laien
gleichsam den Vorsitz bei der Eucharistiefeier übernehmen und dem Priester nur
das Minimum belassen, um deren Gültigkeit (!) zu garantieren." Prof. Haag
geht ja leider noch viel weiter mit seiner einseitigen Darstellung!
Inmitten von vielerlei Aufgaben gerade
in der weihnachtlichen Zeit wollte Gefertigter die Thesen Haags nicht
unwidersprochen lassen und wenigstens einen Diskussionsbeitrag zu den
grundlegend irrigen Behauptungen bieten, die Dr. Herbert Haag mit seinem
Artikel in der Basler Allgemeinen Zeitung zugleich anschneidet und unterhöhlt.
Mißtrauen säen in der kirchlichen Gemeinschaft und noch dazu durch einen Priester, das soll nicht
unwidersprochen getan werden können!
Maria Dreieichen, 17. 5.
2006:
Als ein Mit-Priester des heute
schon verstorbenen Herrn Professor H. Haag , fühlte ich mich mit dieser
kritischen Stellungnahme als jemand, der – an und für sich wie jeder andere
Priester auch (!) - in die
Hirtenaufgabe der Bischöfe
Hineingeweihter, und darüber hinaus erinnere ich mich damit an die Aufgabe, die uns Christen allen mit dem Petruswort übergeben ist:
"Gebt Rechenschaft von der Hoffnung, die euch beseelt!"
Herr, gib allen
Verstorbenen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen. Herr lass sie
ruhen in Frieden ! Amen.
P.Robert
Bösner OSB
A-3744 Maria Dreieichen
Tel. +43 (2982)8253 Fax. Dw-18
e-mail: pfr-madreieichen@utanet.at
KATHPRESS/Schweiz/Kirchen/Bischöfe/Haag/
Schweizer Bischöfe warnen vor Thesen des Theologen Herbert Haag
Sie werfen dem emeritierten Alttestamentler "unhaltbare"
Aussagen zu Priestertum, Eucharistie und Wesen der Kirche sowie
"Aufforderung zu kirchenspaltenden Verhaltensweisen" vor - Warnung an
Gläubige, aber keine kirchenrechtlichen Konsequenzen
Bern, 13.1.00 (KAP) Die Schweizer Bischöfe haben dem Theologen Herbert Haag das
Vertrauen entzogen und die Gläubigen vor seinen Aussagen gewarnt. Haag
verbreite "kirchlich und wissenschaftlich unhaltbare Thesen" und rufe
zu "kirchenspaltenden Verhaltensweisen auf", heißt es in einer
Erklärung der Bischofskonferenz. Haag, der 85 Jahre alt ist und als
emeritierter Professor für Altes Testament in Luzern lebt, behauptet unter anderem,
für die Feier der Eucharistie sei ein Priester nicht nötig und die
hierarchische Struktur der Kirche laufe dem Geist des Evangeliums zuwider.
Die Erklärung der Bischöfe zieht keine kirchenrechtlichen Konsequenten nach
sich, erklärte der Sprecher der Bischofskonferenz, Nicolas Betticher, auf
Anfrage. Der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Amedee Grab,
verstehe die Erklärung vielmehr als Brief an die Gläubigen, die sich durch die
Aussagen von Haag verunsichert fühlten.
In verschiedenen Artikeln habe Haag seine "äußerst problematischen
Thesen" wiederholt, die er bereits in seinem Buch "Worauf es ankommt.
Wollte Jesus eine Zwei-Stände-Kirche?" veröffentlicht habe, so die
Erklärung der Bischöfe. Er behaupte, um die Eucharistie zu feiern, sei kein
Priester nötig, und das Priestertum sei eine Erfindung der Kirche. Des weiteren
stelle er die hierarchische Struktur in Frage und fordere, die ganze Verfassung
der Kirche müsse revidiert werden, denn die Kirche habe sich diese selbst gegeben.
Auch die Eucharistie sei bloß eine "Einsetzung der Kirche".
Lehre des II. Vaticanums
geleugnet
Auf Grund dieser "kirchlich und wissenschaftlich unhaltbaren Thesen"
rufe er die Pfarren zum Handeln im Sinne der "Selbsthilfe" auf,
bdeauern die Schweizer Bischöfe. Haag habe geschrieben: "Was kann eine
Gottesdienstgemeinde daran hindern, gemeinsam den Einsetzungsbericht zu
sprechen und dann das geweihte Brot zu empfangen?" Dieser Aufruf komme
einer "Aufforderung zu kirchenspaltenden Verhaltensweisen" gleich.
Nach der Lehre der Kirche sei der geweihte Priester für den Vorsitz bei der
Eucharistiefeier unersetzbar, weil er "Kraft der Weihe nicht im eigenen
Namen, sondern im Auftrag Jesu Christi handelt". Nur so könne die
Eucharistie Gewähr der Einheit der Kirche sein. Dies sei nicht eine
"Konstruktion" der Bischöfe und der "ihnen unterwürfigen
Theologen", wie Haag unterstelle. "Dies ist vielmehr die
Glaubensüberzeugung der Kirche, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil vertieft
worden ist. Mit großem Bedauern müssen wir deshalb feststellen, dass Prof. Haag
nicht nur die Leser und Leserinnen völlig falsch informiert, sondern vor allem
die vom Zweiten Vatikanischen Konzil bestätigte Lehre unserer Kirche öffentlich
leugnet."
Ein Theologe, der die Grundlagen des katholischen Kirchenverständnisses für
falsch erkläre, könne in dieser Frage nicht mehr als "wissenschaftlich
seriöser katholischer Theologe" angesehen werden. Die Schweizer Bischöfe
sehen sich daher gezwungen, Haag das Vertrauen zu entziehen, das er selbst leichtfertig
verspielt habe. Sie sähen sich zu diesem Schritt auch deshalb genötigt, weil
sich Haag weiterhin jedem Gespräch mit dem Basler Bischof Kurt Koch verweigere,
der für ihn zuständig ist. Koch habe bereits 1997 in der Öffentlichkeit die
Thesen Haags mit Entschiedenheit zurückgewiesen. Die Bischöfe wollten es heute
nicht verantworten, unwidersprochen zuzusehen, wie das Volk Gottes
"desinformiert und in einer äußerst gefährlichen Weise indoktriniert
wird".
Konsens in der Weltkirche notwendig
Wie auch Haag seien die Bischöfe vom großen Priestermangel in den Schweizer
Diözesen tief betroffen, so die Erklärung weiter. Sie nähmen ihre Verantwortung
wahr, Auswege aus dieser pastoralen Notsituation zu finden. Die von Haag
geforderten Maßnahmen seien indes kein Weg für die Zukunft, "sondern
verhängnisvolle Irrwege", halten die Bischöfe fest. Sie weisen deshalb
auch den Vorwurf zurück, dass "wir uns hinter dem mangelnden Konsens der
Weltkirche verschanzen". Wer zum Zweiten Vatikanischen Konzil treu stehe, der
wisse, dass man bei dieser für die Zukunft der Kirche entscheidenden Frage nur
im Konsens mit der Universalkirche handeln könne.
Haag war von 1948 bis 1960 in Luzern und anschließend bis zur Emeritierung 1980
in Tübingen Professor für Altes Testament. Bekannt wurde er durch umfangreiche
bibelwissenschaftliche Untersuchungen zur Frage des Bösen sowie durch seine
kritische Haltung zur Erbsündenlehre und durch Publikationen zur Frage der
Existenz des Teufels. Wegen dieser Fragen sowie seiner Kritik an der
kirchlichen Sexualmoral und am römischen "Zentralismus" geriet er
mehrmals in Konflikt mit dem Vatikan. Anlässlich seines 70. Geburtstages
stiftete der Theologe den Herbert-Haag-Preis "Für Freiheit in der
Kirche", der mit 10.000 Schweizer Franken dotiert ist und erstmals 1985
vergeben wurde. Mit ihm werden Personen und Institutionen ausgezeichnet, die
"durch freie Meinungsäußerung und mutiges Handeln" in der
Christenheit hervorgetreten seien.