Dr. theol. habil.
Josef Spindelböck
„Liebe und
Verantwortung“ – Ehe und Familie bei Karol Wojtyła
Vortrag auf „Radio Maria Österreich“ (19.
Juni 2007, 20.30 – 21.30 Uhr)
Die Förderung der christlichen
Berufung in Ehe und Familie war ein zentrales Anliegen von Papst Johannes Paul
II. (sein Pontifikat dauerte vom 16.10.1978 bis zum 02.04.2005). Bereits als
Professor für Ethik, als Jugend- und Studentenseelsorger und als Bischof setzte
sich Karol Wojtyła für jene Menschen ein, die sich auf das Ehesakrament
vorbereiteten oder in Ehe und Familie lebten. Insbesondere war ihm die
katechetische und seelsorgliche Verkündigung und Vermittlung der Lehre der
Kirche zu diesem Thema ein wichtiges Anliegen.
Deutsche Neuausgabe von „Liebe und
Verantwortung“
Der unmittelbare
Anlass zu dieser Sendung ist die vor kurzem erfolgte Publikation der deutschen
Neuausgabe der ethischen Studie „Liebe und Verantwortung“ von Karol Wojtyła (Johannes
Paul II.). Das Werk war in deutscher Sprache lange Zeit im Buchhandel nicht
mehr erhältlich.[1]
Mit dieser Neuausgabe, welche eine Neuübersetzung auf der Grundlage des
polnischen Textes mit Berücksichtigung der bisherigen deutschen Fassung sowie
der englischen Fassung darstellt, soll das wichtige ethische Werk Karol
Wojtyłas über den Sinngehalt der ehelichen Liebe einem breiten Leserkreis
erneut zugänglich gemacht werden.[2]
Der St. Pöltner
Bischof DDr. Klaus Küng, zugleich als „Familienbischof“ im Rahmen der
Österreichischen Bischofskonferenz in besonderer Weise für die Belange von Ehe
und Familie zuständig, schreibt im Vorwort:
„In ihren Grundzügen sind die Argumente des Verfassers auch fünfzig
Jahre nach dem ersten Erscheinen weiterhin gültig und können zur vertieften,
erfahrungsbezogenen Reflexion über das Thema von Liebe und Verantwortung im
Horizont des christlichen Glaubens anregen. Nach seiner Erwählung zum Papst hat
er bezüglich Ehe und Familie eine reichhaltige Verkündigung entfaltet. Unter
seinem Pontifikat sind mehrere, für die universale Kirche wichtige lehramtliche
Dokumente über Ehe und Familie entstanden, unzählige Male hat Johannes Paul II.
über dieses Thema gepredigt. Die Begründungen, die er verwendete, waren vor
allem naturrechtlicher und personalistischer Art. Seine Reflexionen in Liebe
und Verantwortung erleichtern das Verständnis seiner päpstlichen, lehramtlichen
Dokumente, ja sie vermitteln einen hermeneutischen Schlüssel zur Lehre Papst
Johannes Pauls II. Sie können auch eine Hilfe sein, um manche Missverständnisse
zu überwinden, die sich nach der Veröffentlichung der Enzyklika Humanae vitae
unter jenen, die den Inhalt dieses päpstlichen Lehrschreibens ablehnen,
verbreitet und verfestigt haben.“
Entstehung der polnischen
Ausgabe von „Liebe und Verantwortung“
Blicken wir zurück
auf Ursprung und Entstehen der polnischen Originalausgabe von „Liebe und
Verantwortung“:
Karol Wojtyła
wurde nach der Eroberung und Besetzung Polens durch die Nationalsozialisten und
während der militärischen und politischen Präsenz der sog. russischen
„Befreier“ am 1. November 1946 von Kardinal Adam Stefan Sapieha zum Priester
geweiht. Er erwarb am 3. Juli 1947 in Rom das Lizenziat der Theologie, im Juni
1948 das Doktorat der Philosophie. Er war nach seiner Rückkehr nach Polen dann
sowohl seelsorglich als auch wissenschaftlich tätig. Als Studentenseelsorger
betreute er viele junge Paare und Familien und lernte darum – wie er schreibt:
durch „indirekte Erfahrung“, d.h. durch das Gespräch mit den Betroffenen, durch
ihre seelsorgliche Begleitung und Beratung – die Lebenssituation jener Menschen
kennen, die sich entweder auf die Ehe vorbereiteten oder schon in ehelicher Gemeinschaft
verbunden waren. An der Katholischen Universität Lublin, wohin er als
Ethikprofessor berufen wurde, hielt er 1957-1959 spezielle Vorlesungen zu
diesem Thema, woraus dann die polnische Erstausgabe von „Liebe und
Verantwortung“ entstand, welche 1960 veröffentlicht wurde.[3] Karol
Wojtyła war damals bereits seit zwei Jahren Weihbischof von Krakau.
Karol Wojtyła
selber informiert in der Einleitung zur polnischen Erstausgabe über die
Entstehung des Buches und antwortet zugleich auf einen Einwand, den man so
formulieren könnte: „Was kann uns schon ein Priester zu Ehe und Familie sagen?
Er ist doch selber nicht verheiratet. Ihm fehlt die Erfahrung!“ Dazu Karol
Wojtyła:
„Manchmal hört man, dass sich nur jene, die selber ein eheliches Leben
führen, zum Thema der Ehe äußern könnten, und nur die, die sie erfahren hätten,
könnten sich zur Liebe von Mann und Frau zu Wort melden. In dieser Sichtweise
müssen alle Aussagen über derartige Angelegenheiten auf persönlicher Erfahrung
gegründet sein, sodass Priester und andere Personen, die ein zölibatäres Leben
führen, zu Fragen der Liebe und der Ehe nichts zu sagen haben können. Dennoch
sprechen und schreiben sie oft über derartige Dinge. Das Fehlen einer
persönlichen Erfahrung ist für sie kein Hindernis, denn sie besitzen einen
großen Anteil an Erfahrung aus zweiter Hand, welche sich aus ihrer pastoralen
Arbeit ableitet. In ihrer pastoralen Arbeit begegnen sie nämlich diesen
bestimmten Problemen so oft und in einer solchen Vielfalt von Umständen und
Situationen, dass dadurch ein unterscheidbarer Typus von Erfahrung geschaffen
wird, welcher gewiss weniger unmittelbar ist und natürlich ‚fremd’, aber zur
selben Zeit sehr viel umfassender. Eben diese reiche Fülle an Tatsachenmaterial
über das Thema regt die allgemeine Reflexion darüber an und ebenso das Bemühen,
all das, was bekannt ist, in eine Zusammenschau zu bringen.“[4]
Ziel und Anliegen von „Liebe
und Verantwortung“
Karol Wojtyła
geht es darum, auf philosophische Weise die Lebenserfahrung der Menschen
darzustellen und zu analysieren, um daraus die richtigen Schlussfolgerungen für
das menschliche Verhalten in Ehe und Familie abzuleiten. Die Lehre der Kirche
wird dabei vorausgesetzt, so wie sie in der Heiligen Schrift und in der
apostolischen Tradition enthalten ist. Zugleich geht es aber um eine tiefere
Begründung dieser Lehre, um zu zeigen, dass Gottes Weisungen für den Menschen
eine wirkliche Hilfe sind, ein Weg zum Glück und zum ewigen Heil.
So schreibt Karol
Wojtyła:
„Das vorliegende Buch entstand vor allem aus der Notwendigkeit, die
Normen der katholischen Sexualmoral auf eine feste Grundlage zu stellen: auf
eine Basis, die so endgültig wie möglich ist und die sich auf die elementarsten
und unumstrittensten sittlichen Wahrheiten und die grundlegendsten Werte und
Güter stützt. Ein solches Gut ist die Person, und die sittliche Wahrheit, die
am engsten mit der Welt der Personen verbunden ist, ist das ‚Gebot der Liebe’,
denn die Liebe ist ein Gut, das der Welt der Personen zu Eigen ist. Und daher
steht der grundlegendste Weg, die Sexualethik in den Blick zu nehmen, im
Zusammenhang von ‚Liebe und Verantwortung’; aus diesem Grund trägt das ganze
Buch diesen Titel.“[5]
Im letzten geht es
im Werk „Liebe und Verantwortung“ also um nichts anderes als um das Aufzeigen
dessen, wie sehr das Gebot Gottes: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst“ der menschlichen Berufung entspricht, gerade auch im Bereich von Ehe
und Familie. Dabei ist es Karol Wojtyła klar bewusst, dass nicht alles,
was man landläufig als „Liebe“ bezeichnet, diesen Namen auch wirklich verdient.
Er möchte aufzeigen, dass jeder Mensch sich selbst und auch seinen Nächsten als
Person achten muss. Dies schließt jede Instrumentalisierung aus: Denn diese
macht den Menschen zu einem bloßen Mittel; so wird die menschliche Person
entwürdigt und als bloßes Objekt, als Gegenstand angesehen.[6] In
einer Liebe, welche diesen Namen wirklich verdient, geht es aber um eine
personale Begegnung und Gemeinschaft. Diese bejaht den anderen um seiner selbst
willen.
Die eheliche Liebe
ist hingeordnet auf eine „Gemeinschaft von Personen“ (communio personarum).
Dabei geht es um Wohlgefallen, Begehren, Wohlwollen, Gegenseitigkeit, Sympathie
und Freundschaft sowie um eine Integration all dessen in der gegenseitigen
Hingabe der Personen in einer wahrhaft „bräutlichen Liebe“. All dies wird im
Werk „Liebe und Verantwortung“ einer umfassenden Analyse unterzogen. Das
Hauptanliegen ist es also, die personalistische Dimension der ehelichen Liebe
klar herauszustellen und von ihr her alles Übrige zu begründen.
Reifestufen und wesentliche Elemente der
bräutlichen Liebe
(gemäß Kapitel II von „Liebe und Verantwortung“)
Liebe als Wohlgefallen
Die Liebe von Mann
und Frau hat fürs erste und grundlegend etwas mit gegenseitiger Anziehung zu tun,
mit einem Bewusstsein von der Attraktivität des anderen. Das ist biologisch so
grundgelegt und soll natürlich auch affektiv und vor allem personal vertieft
werden.
Die „Liebe als
Wohlgefallen“ öffnet gleichsam die Tür, um von der Ebene sinnlicher Wahrnehmung
zu einer ganzheitlichen Sicht der menschlichen Person vorzustoßen.
Zusammenfassend stellt Karol Wojtyła hier fest:
„Das Wohlgefallen, auf welches sich diese Liebe stützt, kann seinen
Ursprung nicht nur in einer Reaktion auf die sichtbare und sinnenfällige
Schönheit haben, sondern soll auch und vor allem in einer vollen und tiefen
Anerkennung der Schönheit der Person bestehen.“[7]
Liebe als Begehren
Die begehrende
Liebe erstrebt den anderen als Ziel, da der Mitmensch als Gut wahrgenommen
wird. Ein bloß sinnliches Begehren richtet sich nur auf die Sexualität des
Partners und übersieht die Person. Über den Unterschied einer „Liebe des
Begehrens“ zum sinnlichen Begehren als solchen schreibt Karol Wojtyła:
„Das Objekt der Liebe des Begehrens ist ein Gut für das Subjekt – die
Frau ist dies für den Mann, der Mann für die Frau. Daher wird die Liebe als
Verlangen nach der Person und nicht als bloß sinnliches Begehren, als concupiscentia,
erlebt. Das Begehren geht zwar Hand in Hand mit diesem Verlangen, aber wird
gleichsam von ihm überschattet. Das liebende Subjekt ist sich seiner Gegenwart
bewusst und weiß, dass es gleichsam zu seiner Verfügung steht. Aber indem es
sich darum bemüht, diese Liebe zu vervollkommnen, wird es darauf Acht geben,
dass das Begehren nicht vorherrscht und nicht alles Übrige überwältigt, was die
Liebe umfasst. Denn auch jene, welche sich dessen intellektuell nicht bewusst
sind, vermögen zu spüren, dass das Begehren die Liebe zwischen Mann und Frau
entstellen und ein vorherrschendes Begehren ihnen diese Liebe rauben würde.“[8]
Liebe als Wohlwollen
Ein weiterer
wesentlicher Schritt in der Liebe zwischen Mann und Frau führt über das
Begehren hinaus, hin zur Liebe des Wohlwollens. Dazu heißt es in „Liebe und
Verantwortung“:
„Denn die Liebe des Begehrens schöpft das Wesen der Liebe zwischen den
Personen nicht aus. Es genügt nicht, eine Person als Gut für sich selbst zu
begehren; man muss auch und vor allem nach dem Gut für jene Person verlangen.
Diese kompromisslos altruistische Ausrichtung des Willens und der
Gefühlsempfindungen wird in der Sprache des heiligen Thomas von Aquin amor
benevolentiae (Liebe des Wohlwollens) oder kurz benevolentia
genannt, was (wenn auch nicht mit absoluter Genauigkeit) unserem Begriff des
Wohlwollens entspricht. Die Liebe einer Person zu einer anderen Person muss
wohlwollend sein, oder sie wird nicht wahr sein. Vielmehr wird sie überhaupt
nicht Liebe sein, sondern nur Egoismus.“[9]
Liebe in Gegenseitigkeit
Die
Wechselseitigkeit der Zuwendung und Hingabe ist ein wesentliches Moment der
bräutlichen und ehelichen Liebe. Im Hinblick auf diese Gegenseitigkeit im
Erstreben eines gemeinsamen Gutes sind jedoch Unterscheidungen nötig:
„Nach der Auffassung des Aristoteles gibt es verschiedene Arten der
Gegenseitigkeit, und die Beschaffenheit des Gutes, auf welchem die
Gegenseitigkeit und daher die Freundschaft gründen, bestimmt ihre Qualität in
jedem einzelnen Fall. Wenn es sich um ein wirkliches Gut handelt (d.h. um ein
sittlich ehrenwertes Gut), dann ist die Gegenseitigkeit etwas Tiefes, Reifes
und nahezu Unzerstörbares. Wenn andererseits die Gegenseitigkeit nur durch das
Eigeninteresse, die Nützlichkeit (d.h. durch ein utilitaristisches Gut) oder
die Lust hervorgerufen wird, dann ist sie oberflächlich und unbeständig. Auch
wenn die Gegenseitigkeit immer etwas ‚zwischen’ zwei Personen ist, so hängt sie
in entscheidendem Maß doch davon ab, was die beiden Personen dazu beitragen.
Daher ist es wichtig, dass jede der Personen die Gegenseitigkeit bei der Liebe
nicht als etwas Über-Personales betrachtet, sondern als etwas ganz und gar
Personales.“[10]
Und weiter heißt
es:
„Denn die Liebe kann nur als eine Einheit Bestand haben, in der ein
reifes ‚Wir’ einen klaren Ausdruck findet; sie wird nicht bestehen als eine
Kombination von zwei Egoismen, als deren Folge die zwei ‚Ich’ klar sichtbar
sind. Die Struktur der Liebe ist jene einer interpersonalen Gemeinschaft.“[11]
Sympathie und Freundschaft
Die eheliche Liebe
kann nicht allein auf der Sympathie gründen, welche ein sehr starkes
emotionales Gepräge hat. Sie muss die Person des anderen bejahen. Dazu Karol
Wojtyła:
„Wie festgestellt wurde, besteht die Freundschaft in einem vollen
Einsatz des Willens gegenüber einer anderen Person im Hinblick auf das Gut
jener Person. Es besteht daher die Notwendigkeit, dass die Sympathie zur
Freundschaft heranreift, und dieser Vorgang verlangt normalerweise Zeit und
Überlegung. Solange sie innerhalb der Grenzen der Sympathie verbleibt, beruht
die Haltung gegenüber der anderen Person und ihrem Wert auf Emotion: Hier ist
es nötig, den Wert der Emotion mit der objektiven Erkenntnis vom Wert jener
Person und einer diesbezüglichen Überzeugung zu ergänzen.“[12]
Bräutliche Liebe als Hochform der Liebe
zwischen Mann und Frau
Erst wenn die sog.
„bräutliche Liebe“ als Liebe innerster personaler Hingabe zwischen Mann und
Frau gegeben ist, sind die beiden fähig, den Bund der Ehe miteinander
einzugehen:
„Die bräutliche Liebe unterscheidet sich von allen Aspekten oder Formen
der Liebe, welche bis jetzt analysiert wurden. Ihr entscheidendes Merkmal ist
die Hingabe der eigenen Person an die andere. Das Wesen der bräutlichen Liebe
ist die Selbsthingabe, die Übergabe des eigenen ‚Ichs’. Das ist etwas anderes
als Wohlgefallen, Begehren und sogar Wohlwollen, und es bedeutet mehr. Dies
alles sind Wege, auf denen eine Person von sich aus dem anderen entgegen geht,
aber keiner von ihnen kann sie in ihrem Bestreben für das Gut des anderen so
weit führen, wie das die bräutliche Liebe tut. ‚Sich selbst an den anderen
hinzugeben’ ist mehr als bloß ‚zu wollen, was gut ist’ für den anderen – auch
wenn als Resultat dessen ein anderes ‚Ich’ so wird, als wäre es mein eigenes,
wie es in der Freundschaft geschieht. Die bräutliche Liebe ist etwas davon
Unterschiedenes und bedeutet mehr als all jene Formen der Liebe, die wir bis
jetzt analysiert haben, sowohl was das individuelle Subjekt betrifft, d.h. die
Person, die liebt, als auch soweit es die interpersonale Vereinigung angeht,
welche die Liebe schafft. Wenn die bräutliche Liebe in diese interpersonale
Beziehung eingeht, ergibt sich noch mehr als bloße Freundschaft: Zwei Menschen
geben sich selbst einander hin.“[13]
Mit diesen
Ausführungen wurde eine kurze Darstellung dessen gegeben, was in Kapitel II von
„Liebe und Verantwortung“ im Abschnitt über „Die metaphysische Analyse der
Liebe“ zum Ausdruck kommt.[14] Was
uns Karol Wojtyła in „Liebe und Verantwortung“ zu sagen hat, ist aber noch
umfassender und tiefer. Es kann an dieser Stelle nur die Einladung zur
selbständigen Lektüre dieses wichtigen Werkes ausgesprochen werden. Hier zum
Abschluss die Kapitelübersicht: (1) Die Person und der sexuelle Trieb; (2) Die
Person und die Liebe; (3) Die Person und die Keuschheit; (4) Die Gerechtigkeit
gegenüber dem Schöpfer; (5) Sexualwissenschaft und Ethik.
Zum Abschluss möchte
ich noch einen Wunsch formulieren, den wir in unser Gebet hinein nehmen können:
Möge es vielen gelingen und letztlich von Gott geschenkt werden, dass sie die
menschliche Liebe und insbesondere die ehelich-familiäre Liebe im größeren
Zusammenhang des göttlichen Gebotes der Liebe sehen und soweit möglich mit
Gottes Gnade verwirklichen, um Erfüllung und Heil zu finden!
[1] Die
deutsche Ausgabe war 1979 erstmals und 1981 in einer weiteren Auflage im Kösel-Verlag
erschienen und wurde anschließend – trotz wiederholter Nachfrage interessierter
Leser – nicht wieder aufgelegt: Karol Wojtyła, Liebe und Verantwortung. Eine ethische Studie, München 1979, 19812
(Kösel). Englische Fassung: Karol Wojtyła (Pope John Paul II), Love and Responsibility. Translated by H.T. Willetts,
Reprinted San Francisco 1993, 1994 (Ignatius Press); die englische Fassung
erschien erstmals
[2] Karol Wojtyła (Johannes Paul II.), Liebe und Verantwortung. Eine ethische Studie. Auf der Grundlage des polnischen Textes neu übersetzt und herausgegeben von Josef Spindelböck, gebunden, 420 Seiten, Verlag St. Josef 2007, EUR 15,80, ISBN 978-3-901853-14-2, Bestellung: http://verlag.stjosef.at (Verlag St. Josef, 3107 Kleinhain 6, Tel. 02742 360088) oder über jede Buchhandlung. Im Folgenden zitiert mit LV. – Der Schritt zur Neuübersetzung war ein zweifacher: Zuerst wurde aufgrund der englischen Übersetzung ein völlig neuer deutscher Text erstellt. Die Notwendigkeit der nochmaligen Überarbeitung dieser Zwischenversion auf der Grundlage des polnischen Textes wurde bald erkannt und mit technischer Hilfe (Alamax Translator 3.0 Polnisch – Deutsch) durchgeführt, wobei klar ist, dass „maschinelle Übersetzungen“ nur Rohmaterial liefern können, das einer weiteren philologischen Analyse und geschulter Interpretation sowie einer endgültigen präzisen begrifflichen und grammatisch-stilistischen Ausformulierung bedarf. Der Übersetzer hofft, mit der vorliegenden deutschen Neufassung den Sinngehalt der polnischen Fassung richtig, ja vielleicht noch besser als bisher verfügbar wiedergegeben zu haben. Das polnische Original trägt den Titel: Karol Wojtyła, Miłość i odpowiedzialność. Studium etyczne (Towarzystwo Naukowe Katolickiego Uniwersytetu Lubelskiego), Lublin 1960, Krakau 1962, London 1965, Lublin 1979, 1982, 1986, 2001. Die polnische Version des Textes findet sich online sowohl unter http://www.jp2w.pl/index.html?id=30108&lang_id=PL als auch unter http://www.nonpossumus.pl/biblioteka/karol_wojtyla/milosc_i_odpowiedzialnosc/ .
[3] Vgl.
zum persönlichen und ideengeschichtlichen Hintergrund des Werkes: George
Weigel, Witness to Hope. A
Biography of Pope John Paul II,
[4]
[5] LV, 21.
[6] Die
Bezugnahme auf Immanuel Kants Lehre vom Kategorischen Imperativ ist
unübersehbar. Karol Wojtyła überwindet jedoch eine bloße „Pflichtethik“
durch die metaphysische Analyse der Liebe als verantwortliche gegenseitige
Hingabe und Gemeinschaft der Personen. Kant formulierte so (Grundlegung zur
Metaphysik der Sitten, B 52 und B 66 f): Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst,
dass sie ein allgemeines Gesetz werde! … Handle so, dass du die Menschheit –
sowohl in deiner Person als auch in der Person eines jeden anderen – jederzeit
zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel gebrauchst!
[7]
[8]
[9]
[10]
[11]
[12] LV, 137.
[13] LV, 142 f.
[14] Vgl. LV, 109-149.