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Diözesanbischof Dr. Kurt Krenn von St. Pölten

Predigt bei der Messe zum Annafest
in Blindenmarkt am 27.07.2001

Lieber Herr Pfarrer, lieber Herr Bürgermeister, liebe Vertreter des Pfarrgemeinderates, aber auch liebe Vertreter der politischen Gemeinde. Ich grüße sie alle herzlich, und heute grüße ich auch herzlich, besonders herzlich, unsere künftigen Mitbrüder, aus dem Orden der Servi Jesu et Mariae. Ich grüße alle, die hier sind und mit Blindenmarkt immer näher der Kirche und dem Glauben gekommen sind. Ich grüße euch alle herzlich.

Heute ist das Fest der Heiligen Mutter Anna. Ein Hochfest feiert ihr hier, denn diese Heilige ist eure besondere Heilige, eure Schutzpatronin, die Patronin der Pfarre und auch die der Kirche. Gerne habe ich eure Einladung angenommen, bei euch zu sein heute, mit euch zu feiern und mich mit euch auch zu freuen.

Gestern schon haben wir einen kleinen Besuch vorweggenommen und ich habe mich sehr gefreut auch da bei euch zu sein und zu sehen, wie ihr sagt das Kloster, dass ist mir ein neues Wort, aber es ist nichts schlechtes, wie das Kloster und die Pfarre und die Gemeinde immer mehr zusammen finden. Es war ein schönes Erlebnis, und ich meine auch, dass ist der richtige Weg.

Man kann es jeden Tag noch besser machen, ihr könnt, liebe Brüder und Schwestern, jeden Tag noch überzeugter Christen sein. Ihr könnt jeden Tag noch mehr Gutes tun. Aber wir dürfen auch an solchen Tagen ein wenig sagen, Danke, Gott, dass du uns diese Pfarre gibst, dass du uns diese Priester gibst, dass du uns diese Mitbürger gibst. Ich meine, hier stimmt vieles zusammen, was anderswo erst mühsam aufgebaut werden muss.

Ich erinnere mich in den 10 Jahren meines Wirkens, dass Blindenmarkt immer wieder einmal ein Objekt der Sorge war, es gab einige Dinge, die nicht hätten sein müssen, aber sie sind geschehen, aber ihr habt sie bewältigt.

Ich danke euch heute ganz besonders auch, für die Treue und die Liebe mit der ihr unsere Ordensgemeinschaft aufgenommen habt, mit soviel Liebe, mit soviel Treue und auch mit Wohlwollen. Und das verdient Dank, liebe Gläubige der Pfarre.

Denn es war manches nicht leicht und wir wissen auch, dass überall der Teufel herumgeht und so seine Spiele macht. Die Einen gegen die Anderen aufhetzt. Es ist der Teufel, der auch bei euch, wenn es geschieht, gegeneinander hetzt und der euch versucht, zum Hass, zum Neid, zur Verdächtigung des Anderen zu verführen. Denkt immer daran, die Verführung ist immer möglich.

Hier aber sage ich euch, ihr habt diese Prüfungen, der Zeit dieser Prüfungen der Jahre gut überstanden, meine lieben Brüder und Schwestern dieser Pfarre, und ich wünsche euch, dieses gute Einvernehmen, dass ich zum Beispiel auch gestern auf dem Sportplatz von Blindenmarkt festgestellt habe, dass dieses gute Einvernehmen zwischen Pfarre, zwischen Ordensgemeinschaft und Gemeinde, dass das gute Einvernehmen bleibt und wächst. Und man muss auf jedes Glück auch ein wenig achten. Schaut auf dieses Glück, dass ihr habt und gebt den Priestern, die hier sind, vorneweg eurem Pfarrer, gebt ihnen auch immer wieder Unterstützung, Dank und Treue. So bin ich heute gekommen nicht, um in einer schwierigen Pfarre zu reden, sondern eigentlich in einer Pfarre, die immer mehr nach oben wächst, immer Kirchenbesucher hat.

Natürlich muss ich euch erinnern, dass jeder, gut es sind noch nicht alle da, dass jeder am Sonntag zur Heiligen Messe, zur Eucharistiefeier kommen soll. An das will ich alle erinnern, aber ich kann es nur denen sagen, die hier sind. Auf der anderen Seite, seid ihr, meine Brüder und Schwestern, seid ihr die Aposteln, die Gläubigen, die hinausgehen, die einladen.

Und macht es so, wenn ihr Menschen seht, die vielleicht lange Zeit nicht mehr die Eucharistie gefeiert haben, lange Zeit abseits stehen, macht es so wie Jesus sagt : Ladet sie ein wie zum Hochzeitsmahl, geht hinaus in die Straßen und redet sie an. Und so sage ich euch auch heute, seid Missionare, seid Apostel und redet von Gott. Ladet sie ein und das ist genau die Erfüllung dessen, was Jesus uns lehrt: Dass wir auf der einen Seite treu sind, aber auch, dass wir auf der anderen Seite wahrhaftig an die anderen denken, die Gott berufen hat, die oft nur einen kleinen Stoß brauchen, oft nur ein gutes Wort brauchen. Und so seid Apostel, die das gute Wort finden, und ihr wisst genau in einem Ort, wie in eurigem, ist das gute Wort, das entscheidende Wort, und jeder der mit dem anderen vielleicht im Konflikt geraten ist - oder wer hat nicht einmal eine zu lockere Zunge - alle sollt ihr das erste gute Wort wieder sagen. Ihr sollt nicht warten, bis der andere, der Nachbar oder der Ehegatte oder die Kinder, bis sie wieder gut mich euch sind.

Geht hin und sagt ihnen das gute Wort. Gebt ihn diese Überzeugung, dass wir gut sein können. So wir können auch Nachbarn Glaubensgefährten sein, alle miteinander in der Liebe Gottes. Dass zu sagen ist heute sicher das Gebot der Stunde, das Gebot der Festtagsstunde.

Die Heilige Mutter Anna, wir haben nirgendwo in der Heiligen Schrift, den Namen dieser Frau ganz exakt oder ganz sicher. Diese Heilige Mutter Anna, sie ist die Mutter der Muttergottes. Diese Heilige Mutter Anna, ist die Großmutter Jesu Christi. Eigentlich uns gar nicht so vertraut. Wir reden nur von der Mutter Gottes, aber es gibt auch die Großmutter Gottes. Die Großmutter Gottes, die Heilige Anna, hat ganz sicher auch durch ihre Mutterschaft, dadurch dass sie die Gottesmutter zur Welt brachte, mitgewirkt an der Erlösung. So ist die Mutter Anna nicht nur eine Heilige, die die Menschen sehr gern verehren und seit langem verehren, sondern sie steht auch ganz unverzichtbar in dieser Reihe der Frauen von denen Jesus Christus, der Erlöser sein Leben herleitet. Lasst euch sagen, auch Jesus hat eine Großmutter.

Wenn ich das Wort sage, dass hier vielleicht ein bisschen verwundert, da möchte ich auch dazusagen, und einmal das Wort reden, für die die bei uns nicht nur Mütter, sondern auch Großmütter sind. Und eine Mutter kommt fast immer im Leben zu dieser Würde der Großmutter. Und das sei die Erinnerung, dass diese Heilige Anna eine Heilige ist, eine Heilige der Familie. Heute möchte ich einmal denen sagen, die vielleicht oft vergessen, die große Leistung der Großmütter zu würdigen, ich möchte ihnen sagen, heute ist Gleichsam der "Großmuttertag". Und es mögen alle ihren Großmüttern einmal Dank sagen. Die Großmütter leisten heute ganz sicher viel mehr an Wichtigem, an familiärer Zuarbeit und sie machen viel mehr als vielleicht früher. Sie werden viel mehr gebraucht als früher, und so sage ich den Großmüttern, den Frauen heute, die Großmütter sind, ich sage euch, tut eure Aufgabe gern. Zieht euch nicht zurück, irgendwo hin, weil ihr schon ein bisschen älter seid. Weil ihr ja schon eure Pension verdient habt. Nein, Jesus sagt, wenn ihr etwas gutes getan habt, dann geht nicht her und setzt euch zur Ruhe, nein. Dann sagt besser, wir sind nicht nutzige Knechte, wir haben unsere Pflicht getan. So können wir aus den Großmüttern auch sagen, und dass ist der richtige Geist der Liebe. Der Geist der Liebe, der alles glaubt, der alles trägt, der alles erduldet, ja, das ist die große Liebe, dass ist auch die Liebe der Frauen, aber auch derer die schon in die nächste, in die Würde der nächsten Generation gegangen sind.

Liebe Großmütter, wir danken euch heute, am Festtag der Heiligen Mutter Anna. Wir danken euch heute in Gottes Namen. Wir danken euch auch im Namen eurer Familien, denen ihr Leben und Fortkommen geschenkt und gesichert habt. Liebe Großmütter, heute sei euer Ehrentag. Und jede Großmutter, sie möge wissen, nicht die Ehren sind wichtig, sondern vor allem das Wohlgefallen Gottes. Und heute sage ich euch noch einmal, liebe Großmütter, es gibt viele die sagen, ja Gesundheit ist das wichtigste, ich sage euch Gesundheit ist das zweitwichtigste. Denn, dass Wichtigste ist nicht, dass wir eben vielleicht ganz besonders beweglich und fröhlich sind, nein, das Wichtigste ist, dass wir Gottes Willen tun. Und dass wir in der Stunde unseres Todes einmal sagen dürfen: Gott du hast mir die Gnade gegeben, ich konnte deinen Willen erfüllen. Ja, und warum beten wir denn nicht um die Gesundheit im Vater unser, was immer so wichtig gilt. Ich bin auch gerne gesund, ihr auch, aber das wichtigste ist nicht die Gesundheit, das ist das zweitwichtigste. Wichtig ist den Willen Gottes zu erkennen und zu erfüllen. Und so beten wir ja auch jeden Tag darum, dass wir Gottes Willen erfüllen können. Dass wir alle Ereignisse unseres Lebens nicht in irgend einer Weise sehen, sondern immer in der Frage: Dein Wille geschehe.

Und das wünsche ich euch allen, meine lieben Frauen, liebe Mütter, liebe Kinder, liebe Familien, dass ist heute ein wahres Familienfest. Die Heilige Mutter Anna ist eine Heilige der Familie. Eine Heilige der Familie, die Großmutter Jesu Christi. Und es gibt vieles, was wir immer wider nur im Lichte Jesu Christi erkennen können.

Hätte die Heilige Anna nicht Maria zur Welt gebracht, hätte Maria nicht Christus zur Welt gebracht, dann wäre alles ohne großen Sinn. Aber durch Christus hat alles Licht und Glanz und Sinn bekommen. Und Christus wartet auf dich, lieber Bruder, liebe Schwester, dass du licht und hell wirst. Und der Heilige Vater sagt uns ja oft, dass Christus der Sohn Mariens, dessen Großmutter Anna ist, dass Christus das Geheimnis eines jeden Menschen erhellt, wie wenn man mit einem Licht irgendwo hineinleuchtet.

Und das wünsche ich uns allen, liebe Brüder und Schwestern, dass Christus der Erlöser, um ihn geht es, auch Maria und Anna, sie sind eigentlich nur gewissermaßen die Wegbegleiter zur Erlösung durch Jesus Christus. Sie sind notwendig, sie sind dabei, aber einer ist der Herr. Einer ist der Erlöser, einer ist der Mittler aller Gnaden, einer ist der Sohn Gottes: JESUS CHRISTUS. Lernt über die Mütter Jesu, Anna und Maria, Christus verstehen, und Christus erleuchte euch.

Ich wünsche euch heute einen schönen Festtag und schon wieder, wie viele schon bemerkt haben, habt ihr Glück mit dem schönen Wetter. Es ist euch wahrhaftig vergönnt. Feiert und schließt euch wieder zusammen zu einer neuen Gemeinschaft, aber wisset eine Gemeinschaft ist nicht ein Club von Egoisten, Gemeinschaft ist auch nicht ein Interessentenverband, Gemeinschaft ist mehr. Es ist die Liebe zueinander, in Christus Jesus. Das ist die wahre Gemeinschaft und wollten wir Christus ausschließen und wollten wir von Gott nicht reden, unsere Gemeinschaft wäre nichts anderes als Egoismus, das kann es nicht sein, das soll es nicht sein.

Ich danke alle denen, die dieses Fest gestalten, ich danke euch, dass ihr mich eingeladen habt. Ich komme immer wieder, ich werde auch in Zukunft immer wieder einmal bei euch vorbeischauen. Ich kann mir keine Vorwürfe machen, zu wenig oft bei euch gewesen zu sein. Aber bleiben wir verbunden in Christus, im Glauben, bleiben wir verbunden auch in den Zielen der Kirche. Die Kirche braucht euch alle. Und der Bischof ist nichts anderes, als der, der das immer wieder sagen muss, und der euch immer wieder zusammenführen muss. Und ich glaube, ich habe unter euch viele gute, liebe und wertvolle Menschen gefunden. Gott segne euch, und so beten wir heute auch zur Heiligen Mutter Anna, zur Heiligen Gottesmutter Maria und zu ihrem Sohn Jesus Christus. Erfüllt seinen Willen. Jesus sagt ja auch : "Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen." Das sind die Seligen, zu denen möget ihr alle gehören, die Gottes Wort hören und es befolgen. Maria steht ganz vorne, Anna ist auch in dieser erwählten Gemeinschaft und ihr alle solltet zu ihr gehören, zur Gemeinschaft der Heiligen. Amen.

Pfarre Blindenmarkt


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Texte von Bischof Krenn werden im Internet auf hippolytus.net mit freundlicher Erlaubnis von Dr. Kurt Krenn publiziert. Verantwortlich: DI Michael Dinhobl und Dr. Josef Spindelb÷ck. Die HTML-Fassung dieses Dokuments wurde erstellt am 27.09.2001.

 

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