Instruktion der Kongregation
für die Glaubenslehre
„Libertatis nuntius“
über einige Aspekte der „Theologie der Befreiung“
6. August 1984
Deutscher
Text gemäß: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls (hg. vom Sekretariat der Deutschen
Bischofskonferenz), Nr. 57, 2. verbesserte Auflage. Irrtum vorbehalten.
Texterkennung und HTML-Format: Andreas Wagner / Josef Spindelböck. Zuletzt bearbeitet
am 31.12.2008.
Der
lateinische Text findet sich in: AAS 76 (1984) 876–909.
Vorwort
Das Evangelium Jesu
Christi ist eine Botschaft der Freiheit und eine Kraft der Befreiung. Diese
grundlegende Wahrheit haben Theologen in den letzten Jahren zum Gegenstand der
Überlegung gemacht, verbunden mit einer neuen Aufmerksamkeit, die in sich
selbst reich an Hoffnungen ist.
Die Befreiung ist vor
allem und grundsätzlich eine Befreiung von der radikalen Knechtschaft der
Sünde. Ihr Ziel wie ihre Grenze ist die Freiheit der Kinder Gottes, ein
Geschenk der Gnade. Sie umschließt in logischer Konsequenz die Befreiung von
vielfältigen Versklavungen auf kulturellem, ökonomischem, sozialem und
politischem Gebiet, die letzten Endes alle von der Sünde herrühren und die
ebensosehr Hindernisse bilden, welche die Menschen daran hindern, ihrer Würde
entsprechend zu leben. Klar zu unterscheiden, was grundlegend ist und was zu
den Folgerungen gehört, ist demnach eine unerläßliche Bedingung für eine
theologische Reflexion über die Befreiung.
In der Tat,
angesichts der Dringlichkeit der Probleme sind manche versucht, den Akzent
einseitig auf die Befreiung von der Versklavung auf irdischem und weltlichem
Gebiet zu setzen, so daß es scheint, daß diese die Befreiung von der Sünde an
die zweite Stelle setzen und ihr hierdurch faktisch nicht mehr die erste
Bedeutung einräumen, die ihr zukommt. Daher ist die Art, wie sie die Probleme
darstellen, verworren und zweideutig. In der Absicht, die Ursachen der
Versklavung, die sie beseitigen wollen, genau zu erkennen, bedienen sich andere
ohne hinreichend kritische Vorsicht eines geistigen Instrumentariums, das nur
sehr schwer, vielleicht überhaupt nicht, von ideologischen Vorstellungen
gereinigt werden kann, die mit dem christlichen Glauben und den daraus
folgenden ethischen Forderungen unvereinbar sind.
Die Kongregation für
die Glaubenslehre beabsichtigt nicht, das weite Thema der christlichen Freiheit
und der Befreiung vollständig zu behandeln. Sie nimmt sich vor, dies in einem
späteren Dokument zu tun, das – in positiver Ausrichtung – alle Reichtümer ins
rechte Licht stellt, sowohl in der Lehre als auch in der Praxis.
Die vorliegende
Instruktion hat ein sehr präzises und begrenztes Ziel: Sie will die
Aufmerksamkeit der Hirten, Theologen und aller Gläubigen auf die Abweichungen
und die Gefahren der Abweichung lenken, die den Glauben und das christliche
Leben zerstören, wie sie gewisse Formen der Theologie der Befreiung enthalten,
die in ungenügend kritischer Weise ihre Zuflucht zu Konzepten nehmen, die von
verschiedenen Strömungen des marxistischen Denkens gespeist sind.
Diese Warnung darf in
keiner Weise als eine Verurteilung all derer ausgelegt werden, die hochherzig
und im authentischen Geist des Evangeliums auf die „vorrangige Option für die
Armen“ antworten wollen. Sie darf in keiner Weise denen zum Vorwand dienen, die
sich angesichts der tragischen und drängenden Probleme des Elends und der
Ungerechtigkeit hinter einer Haltung der Neutralität und der Indifferenz
verschanzen. Im Gegenteil, sie ist von der Gewißheit bestimmt, daß die tiefgreifenden
ideologischen Abweichungen, die sie anzeigt, unabdingbar dazu führen, die Sache
der Armen zu verraten. Mehr denn je ist es erforderlich, daß die zahlreichen
Christen, die in ihrem Glauben erleuchtet und dazu entschlossen sind, ein
christliches Leben ohne Abstriche zu führen, sich aus Liebe zu ihren enterbten,
unterdrückten und verfolgten Brüdern im Kampf für Gerechtigkeit, Freiheit und
Menschenwürde einsetzen. Mehr denn je will die Kirche die Mißbräuche, die
Ungerechtigkeiten und die Verstöße gegen die Freiheit verurteilen, wo immer sie
begegnen und wer immer sie anzettelt, und mit den ihr eigenen Mitteln kämpfen,
um die Menschenrechte, insbesondere in der Person der Armen, zu verteidigen und
zu fördern.
I. Eine Sehnsucht
1. Die mächtige und
gleichsam unwiderstehliche Sehnsucht der Völker nach Befreiung stellt eines der wichtigsten Zeichen der Zeit dar; die die Kirche ergründen und im Licht des
Evangeliums auslegen soll.[1]
Dieses bedeutende Phänomen unserer Epoche hat eine universale Tragweite; es
zeigt sich aber unter den Völkern in verschiedenen Formen und Graden. Diese
Sehnsucht kommt bei den Völkern, die die Last des Elends kennen, und unter den
entrechteten Schichten besonders stark zum Ausdruck.
2. Diese Sehnsucht
drückt eine echte, wenn auch dunkle Wahrnehmung der Würde des Menschen aus, der
„nach dem Bild und Gleichnis Gottes“ (Gen
1, 27) geschaffen ist, jener Würde, die durch vielfältige, oft gehäufte
Unterdrückungen kultureller, politischen rassischer, sozialer und ökonomischer
Art geschändet und mißachtet wird.
3. Die Berufung zur
Gotteskindschaft aufdeckend, hat das Evangelium in den Herzen der Menschen die
Forderung und den positiven Willen nach einem brüderlichen, gerechten und
friedlichen Leben eingestiftet, in dem jeder die Achtung und die Bedingungen
seiner geistlichen und materiellen Entfaltung finden kann. Dieser Anspruch ist
ohne Zweifel die Quelle jener Sehnsucht, von der wir sprechen.
4. Daher ist der
Mensch nicht mehr bereit, die erdrückende Not mit ihren Folgen, Tod,
Krankheiten und Entwürdigungen, passiv hinzunehmen. Er erlebt diese Not als
eine unerträgliche Verletzung seiner angestammten Würde. Verschiedene Faktoren,
darunter der „Sauerteig“ des Evangeliums, haben zum Erwachen des Bewußtseins
der Unterdrückten beigetragen.
5. Selbst die noch
analphabetischen Bevölkerungsgruppen wissen heute, daß die Menschheit, dank der
bewundernswerten Entwicklung der Wissenschaften und der Technik, auch bei
beständigem Bevölkerungswachstum in der Lage sein wird, jedem menschlichen
Wesen das Minimum an Gütern zu sichern, die die Würde der Person erfordert.
6. Der Skandal der
himmelschreienden Ungleichheiten zwischen Reichen und Armen – ob es sich um die
Ungleichheiten zwischen reichen und armen Ländern oder um die Ungleichheiten
unter den sozialen Schichten desselben Nationalgebietes handelt – wird nicht
länger geduldet. Auf der einen Seite hat man einen bislang noch nie dagewesenen
Überfluß erreicht, der die Verschwendung fördert; auf der anderen Seite lebt
man noch in einem Zustand der Not, die durch das Fehlen der lebensnotwendigsten
Güter gekennzeichnet ist, so daß die Opfer der Unterernährung zahllos geworden
sind.
7. Das Fehlen der
Gerechtigkeit und des Sinnes für Solidarität im internationalen Austausch
gereicht den industrialisierten Ländern zum Vorteil, wodurch der Abstand
zwischen Reichen und Armen ständig wächst. Daher stammen das Gefühl der
Frustration bei den Völkern der Dritten Welt sowie der gegen die industrialisierten
Länder gerichtete Vorwurf der Ausbeutung und des ökonomischen Kolonialismus.
8. Die Erinnerung an
die Untaten und die verhängnisvollen Folgen eines gewissen Kolonialismus
vertieft dabei oft die Wunden und Verletzungen.
9. Auf der Linie des Zweiten
Vatikanischen Konzils haben der Apostolische Stuhl ebenso wie die
Bischofskonferenzen unermüdlich den Skandal gebrandmarkt, den das gigantische
Wettrüsten darstellt, das, neben der Bedrohung des Friedens, enorme Summen
verschlingt, von denen ein Teil schon genügen würde, um die allernotwendigsten
Bedürfnisse jener Bevölkerungen zu stillen, denen es am Notwendigen mangelt.
II. Ausdrucksformen dieser Sehnsucht
1. Die Sehnsucht nach
Gerechtigkeit und effektiver Anerkennung der Würde jedes menschlichen Wesens
erfordert, wie jede tiefe Sehnsucht, daß sie geklärt und geleitet wird.
2. Die theoretischen
und praktischen Ausdrucksformen
dieser Sehnsucht bedürfen der Prüfung. Denn zahlreiche politische und soziale Bewegungen
geben sich als die authentischen Sprecher der Sehnsucht der Armen aus und
halten sich für befugt, notfalls unter Zuhilfenahme von gewalttätigen Mitteln,
die radikalen Veränderungen zu bewirken, die der Unterdrückung und der Not des
Volkes ein Ende bereiten werden.
3. So wird die
Sehnsucht nach der Gerechtigkeit oft von Ideologien in Beschlag genommen, die
deren Sinn verdunkeln oder pervertieren, indem sie dem Kampf der Völker für
ihre Befreiung Ziele setzen, die dem wahren Ziel des menschlichen Lebens
entgegengesetzt sind, und Wege der Aktion vertreten, die den systematischen
Rückgriff auf die Gewalt einschließen und einer die Personen achtenden Ethik
entgegenstehen.
4. Die Deutung der Zeichen der Zeit im Licht des
Evangeliums erfordert daher, daß man einerseits den Sinn der tiefen Sehnsucht
der Völker nach Gerechtigkeit ergründet, daß man aber auch anderseits mit
kritischer Unterscheidung die Ausdrucksformen theoretischer und praktischer Art
prüft, die man dieser Sehnsucht gibt.
III. Die Befreiung als christliches Thema
1. Die Sehnsucht nach
Befreiung kann, in sich betrachtet, im Herzen und im Geist der Christen nur ein
starkes und brüderliches Echo finden.
2. Im Einklang mit
dieser Sehnsucht ist jene theologische und pastorale Bewegung entstanden, die
unter dem Namen „Befreiungstheologie“ bekannt ist, zuerst in den Ländern
Lateinamerikas, die vom religiösen und kulturellen Erbe des Christentums
geprägt sind, dann auch in anderen Gegenden der Dritten Welt wie auch in
bestimmten Gebieten der industrialisierten Länder.
3. Der Ausdruck
„Befreiungstheologie“ bezeichnet zunächst eine besondere, das Engagement für
die Gerechtigkeit weckende Betroffenheit zugunsten der Armen und der Opfer der
Unterdrückung. Von diesem Ansatz aus kann man verschiedene, oft miteinander
unvereinbare Weisen unterscheiden, die Bedeutung der christlichen Armut
aufzufassen sowie die Art des Einsatzes für die Gerechtigkeit, die sie
verlangt. Wie jede Ideenbewegung nehmen auch die „Befreiungstheologien“
unterschiedliche theologische Positionen ein; ihre lehrmäßigen Grenzen sind
nicht genau abgesteckt.
4. Die Sehnsucht nach
Befreiung entspricht, wie der
Ausdruck es selber nahelegt, einem Grundthema des Alten und Neuen Testaments.
So ist auch der Ausdruck „Befreiungstheologie“ für sich genommen ein
vollgültiger Ausdruck: Er bezeichnet dann eine theologische Reflexion, die sich
mit dem biblischen Thema der Befreiung, der Freiheit und ihren drängenden
praktischen Konsequenzen befaßt. Das Zusammentreffen der Sehnsucht nach
Befreiung mit den Befreiungstheologien ist daher nicht zufällig. Die Bedeutung
dieses Zusammentreffens kann nur im Licht der Eigenart der
Offenbarungsbotschaft korrekt verstanden werden, welche das Lehramt der Kirche
authentisch auslegt.[2]
IV. Biblische Grundlagen
1. Eine recht
verstandene Befreiungstheologie stellt eine Aufforderung an die Theologen dar,
gewisse wesentliche biblische Themen zu vertiefen, in der Auseinandersetzung
mit den schweren und dringlichen Fragen, die die zeitgenössische Sehnsucht nach
Befreiung und die Befreiungsbewegungen, die ihr mehr oder weniger getreu
entsprechen, an die Kirche stellen. Unmöglich kann man die Situationen
dramatischer Not vergessen, die den Theologen diese Herausforderung stellt.
2. Die radikale
Erfahrung der christlichen Freiheit[3]
bildet hier den ersten Bezugspunkt. Christus, unser Befreier; hat uns von der
Sünde befreit wie auch von der Knechtschaft des Gesetzes und des Fleisches, die
die Situation des sündigen Menschen kennzeichnet. Frei werden wir also durch
das neue Leben der Gnade, die Frucht der Rechtfertigung. Das bedeutet, daß die
tiefste Knechtschaft die Knechtschaft der Sünde ist. Die anderen Formen der
Knechtschaft wurzeln letztlich in der Knechtschaft der Sünde. Deshalb darf die
Freiheit im Vollsinn ihrer christlichen Bedeutung, die durch das Leben im
Heiligen Geist gekennzeichnet ist, nicht mit der Freizügigkeit gegenüber den
Begierden des Fleisches verwechselt werden. Sie ist neues Leben in der Liebe.
3. Die
„Befreiungstheologien“ berufen sich weitgehend auf den Bericht des Exodus er bildet das grundlegende
Heilsereignis des Alten Testaments: die Befreiung aus der Fremdherrschaft und
der Sklaverei. Man muß die besondere Bedeutung dieses Ereignisses im Blick
behalten, die ihm von seinem Ziel her zukommt; denn diese Befreiung ist auf die
Gründung des Volkes Gottes und auf den am Berg Sinai gefeierten Bundesschluß
hingeordnet.[4] Deshalb
kann die Befreiung des Exodus nicht auf eine Befreiung zurückgeführt werden,
die hauptsächlich und ausschließlich politischer Natur wäre. Es ist im übrigen
bezeichnend, daß der Begriff der Befreiung
in der Hl. Schrift manchmal durch den ihm sehr nahestehenden Begriff der
Erlösung ersetzt wird.
4. Das
Stiftungsereignis des Exodus wird nie aus der Erinnerung Israels schwinden. Auf
dieses Ereignis bezog man sich, als nach der Zerstörung Jerusalems und dem
babylonischen Exil die Hoffnung auf eine neue Befreiung und darüber hinaus die
Erwartung einer endgültigen Befreiung auflebten. In dieser Erfahrung wird Gott
als der Befreier anerkannt. Er wird mit seinem Volk einen Neuen Bund schließen,
der durch die Gabe seines Geistes und durch die Bekehrung der Herzen
gekennzeichnet ist.[5]
5. Die vielfältigen
Ängste und Nöte, die der Mensch erlebt, der dem Gott des Bundes treu bleibt,
sind das Thema mehrerer Psalmen: Klagen, Hilferufe, Danksagungen erwähnen das
religiöse Heil und die Befreiung. In diesem Kontext wird Not nicht einfach mit
einer sozialen Notsituation identifiziert noch mit der Not, die der politisch
Unterdrückte erleidet. Sie umfaßt auch die Gegnerschaft der Feinde, die
Ungerechtigkeit, den Tod, die Schuld. Die Psalmen verweisen uns auf eine
wesentliche religiöse Erfahrung: Von Gott allein werden Heil und Heilung
erwartet. Gott, nicht der Mensch, hat die Macht, die Notsituationen zu wenden.
So leben die „Armen des Herrn“ in einer völligen Abhängigkeit, die auf die
liebende Vorsehung Gottes vertraut.[6]
Überdies hat der Herr während der ganzen Wüstenwanderung ständig für die
Befreiung und die geistliche Reinigung seines Volkes gesorgt.
6. Im Alten Testament
erinnern die Propheten seit Amos mit besonderer Eindringlichkeit unablässig an
die Forderungen der Gerechtigkeit und Solidarität und verurteilen die Reichen
äußerst scharf die den Armen unterdrücken. Sie verteidigen die Witwen und Waisen.
Sie drohen den Mächtigen: Die Anhäufung von Unrecht kann nur zu schrecklichen
Bestrafungen führen. Denn die Treue zum Bund läßt sich nicht ohne das Tun der
Gerechtigkeit denken. Gerechtigkeit gegenüber Gott und Gerechtigkeit gegenüber
den Menschen sind untrennbar Gott ist der Verteidiger und der Befreier der
Armen.
7. Solche Forderungen
finden sich auch im Neuen Testament. Sie werden dort sogar radikalisiert, wie
die Rede über die Seligpreisungen
zeigt. Die Bekehrung und die Erneuerung müssen im Tiefsten des Herzens
vollzogen werden.
8. Das Gebot der
brüderlichen Liebe, das bereits im Alten Testament angekündigt wurde, stellt in
seiner Ausweitung auf alle Menschen die oberste Regel des sozialen Lebens dar.[7]
Der Anerkennung eines jeden Menschen als des
Nächsten dürfen sich weder Diskriminierungen noch Grenzen entgegenstellen.[8]
9. Die Armut um des
Reiches Gottes willen wird hochgeschätzt. Wir werden angeleitet, in der Gestalt
des Armen das Bild und die geheimnisvolle Gegenwart des Sohnes Gottes zu
erkennen, der aus Liebe zu uns arm wurde.[9]
Das ist die Grundlage jener unausschöpfbaren Worte Jesu über das Gericht in Mt 25, 31-46. Unser Herr ist mit
aller Not solidarisch; alle Not ist von seiner Gegenwart gezeichnet.
10. Gleichzeitig
werden die bereits im Alten Testament ausgesprochenen Forderungen der
Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit vertieft, so sehr daß sie im Neuen
Testament eine neue Bedeutung erhalten. Die Leidenden und Verfolgten werden mit
Christus identifiziert.[10]
Die Vollkommenheit, die Jesus von seinen Jüngern fordert (Mt 5, 18), besteht in der Pflicht, barmherzig zu sein, „wie euer
Vater barmherzig ist“ (Lk 6, 36).
11. Im Lichte der
christlichen Berufung zur brüderlichen Liebe und zur Barmherzigkeit werden die
Reichen streng an ihre Pflicht erinnert.[11]
Angesichts der Unordnungen in der Kirche von Korinth unterstreicht der heilige
Paulus nachdrücklich die Verbindung, die zwischen der Teilnahme am Sakrament
der Liebe und dem Teilen mit dem notleidenden Bruder besteht.[12]
12. Die Offenbarung
des Neuen Testaments lehrt uns, daß die Sünde das tiefste Übel ist, das den
Menschen im Herzen seiner Persönlichkeit trifft. Die erste Befreiung,
Bezugspunkt aller anderen Befreiungen, ist die von der Sünde.
13. Das Neue Testament
verlangt wohl deshalb als Vorbedingung zum Eintritt in diese Freiheit nicht
zuerst eine Änderung der politischen und sozialen Situation, weil es dadurch
den radikalen Charakter des Loskaufes anzeigen will, den Christus gewirkt hat
und der jedem Menschen angeboten ist, ob er politisch frei oder Sklave ist.
Dennoch zeigt der Philemonbrief, daß
die neue Freiheit, die die Gnade Christi bringt, notwendigerweise Auswirkungen
auf der sozialen Ebene haben muß.
14. Man darf folglich
den Bereich der Sünde, deren erste Wirkung es ist, die Beziehung zwischen
Mensch und Gott in Unordnung zu bringen, nicht auf das beschränken, was man
„die soziale Sünde“ nennt. In Wirklichkeit vermag nur, eine richtige Lehre von
der Sünde die Schwere ihrer sozialen Auswirkungen zu zeigen.
15. Man darf auch
nicht das Böse vorrangig und allein in den ökonomischen, sozialen und
politischen „Strukturen“ orten, als hätten alle anderen Übel ihre Ursache und
Quelle in diesen Strukturen, so daß die Schaffung eines „neuen Menschen“ von der
Errichtung anderer ökomonischer und sozio-politischer Strukturen abhinge.
Gewiß, es gibt unrechte Strukturen, die auch wieder Unrecht hervorbringen und
die zu ändern man den Mut haben muß. Die Früchte des menschlichen Tuns, die
Strukturen, gute oder böse, sind eher Folgen als Ursachen. Die Wurzel des Bösen
liegt in den freien und verantwortlichen Personen, die durch die Gnade Jesu
Christi bekehrt werden sollen, um als neue Geschöpfe zu leben und zu handeln,
in der Liebe zum Nächsten, im wirksamen Streben nach Gerechtigkeit, in der
Selbstbeherrschung und in der Übung der Tugenden.[13]
Wenn man im Namen einer radikalen Revolution der sozialen Beziehungen, die der
erste Imperativ wäre, das Streben nach persönlicher Vollkommenheit kritisiert,
so läuft man Gefahr, den Sinn für die Person und ihre Transzendenz zu verlieren
und die Ethik und ihr Fundament, nämlich den absoluten Charakter der
Unterscheidung von Gut und Böse, zu zerstören, Da im übrigen die Liebe für die
echte Vollkommenheit grundlegend ist, kann sie nicht ohne Öffnung auf den
anderen hin und ohne den Geist des Dienens verstanden werden.
V. Die Stimme des Lehramtes
1. Das Lehramt der
Kirche hat häufig und immer wieder die Aktualität und die Dringlichkeit der in
der Offenbarung enthaltenen Imperative in Erinnerung gerufen, um der
Herausforderung zu antworten, die Unterdrückung und Hunger an unsere Zeit
richten. Das Lehramt ist dabei von der Sorge geleitet, das christliche Gewissen
für den Sinn für Gerechtigkeit, für soziale Verantwortung und Solidarität mit
den Armen und Unterdrückten zu wecken.
2. Beschränken wir
uns hier darauf, einige dieser Stellungnahmen zu erwähnen: die neueren
päpstlichen Rundschreiben Mater et
Magistra, Pacem in terris, Populorum progressio, Evangelii nuntiandi. Wir
erwähnen ebenso den Brief an Kardinal Roy Octogesima
adveniens.
3. Das Zweite
Vatikanische Konzil hat seinerseits die Fragen der Gerechtigkeit und der
Freiheit in seiner Pastoralkonstitution Gaudium
et spes angesprochen.
4. Der Heilige Vater
hat wiederholt diese Themen behandelt, besonders in den Enzykliken Redemptor hominis, Dives in misericordia
und Laborem exercens. Die zahlreichen
Stellungnahmen, die die Lehre von den Menschenrechten in Erinnerung rufen,
behandeln direkt die Probleme der Befreiung der menschlichen Person aus den
verschiedenen Arten von Unterdrückung, deren Opfer sie ist. Besondere Erwähnung
verdient dabei die Rede vor der XXXVI. Vollversammlung der Vereinten Nationen
in New York am 2. Oktober 1979.[14]
Am 28. Januar desselben Jahres hatte Johannes Paul II. bei der Eröffnung der
dritten Konferenz des CELAM in Puebla darauf hingewiesen, daß die volle
Wahrheit über den Menschen die Grundlage einer echten Befreiung darstellt.[15]
Dieser Text ist ein direktes Bezugsdokument zur Befreiungstheologie.
5. Zweimal, in den
Jahren 1971 und 1974, hat die Bischofsynode Themen behandelt, die direkt die
christliche Auffassung von der Befreiung betreffen: das Thema der Gerechtigkeit
in der Welt und das Thema der Beziehung zwischen der Befreiung der
Unterdrückten und der umfassenden Befreiung oder dem Heil des Menschen. Die
Arbeiten der Synoden von 1971 und 1974 haben Papst Paul VI. bewogen, in dem
Apostolischen Lehrschreiben Evangelii
nuntiandi die Beziehungen zwischen der Evangelisation und der Befreiung
oder Förderung des Menschen genauer zu bestimmen.[16]
6. Die Sorge der
Kirche um die Befreiung und Förderung des Menschen zeigt sich auch in der
Errichtung der Päpstlichen Kommission Iustitia
et Pax.
7. Zahlreiche
Episkopate haben in Übereinstimmung mit dem Heiligen Stuhl ihrerseits die
Dringlichkeit und die Wege einer authentischen menschlichen Befreiung
angesprochen. In diesem Zusammenhang verdienen die Dokumente der Konferenzen
des CELAM in Medellin (1968) und in Puebla (1979) besondere Erwähnung. Paul VI.
war bei der Eröffnung von Medellin, Johannes Paul II. bei der von Puebla
anwesend. Beide haben dabei das Thema der Bekehrung und der Befreiung
angesprochen.
8. Paul VI. hatte die
Besonderheit der Botschaft des Evangeliums betont, die mit ihrem göttlichen
Ursprung zusammenhängt.[17]
In seiner Ansprache in, Puebla hat Johannes Paul II. dies aufgegriffen und die
drei Pfeiler genannt, auf denen jede echte Befreiungstheologie aufruhen soll: die Wahrheit über Jesus Christus, die Wahrheit
über die Kirche, die Wahrheit über den Menschen.[18]
VI. Eine Neuinterpretation des Christentums
1. Wie könnte man die
unermeßliche Summe an uneigennütziger Mühe vergessen, die Christen, Hirten,
Priester Ordensleute oder Laien, darauf verwenden, aus Liebe zu ihren in
unmenschlichen Situationen lebenden Brüdern Hilfe und Linderung in den
zahllosen Nöten zu bringen, die das Elend verursacht? Unter ihnen gibt es
manche, die danach trachten, wirksame Mittel zu finden, die es möglich machen
würden, einer unerträglichen Situation möglichst schnell ein Ende zu bereiten.
2. Es besteht
freilich die Gefahr, daß der Eifer und das Mitgefühl, die alle Hirten im Herzen
tragen sollen, irregeleitet und Unternehmungen zugeführt werden, die für den
Menschen und seine Würde ebenso verderblich sind wie das Elend, das man
bekämpft, wenn man sich gewissen Versuchungen gegenüber nicht genügend wachsam
zeigt.
3. Das beängstigende
Gefühl der Dringlichkeit der Probleme darf nicht dazu verleiten, das
Wesentliche aus dem Blick zu verlieren und die Antwort Jesu zu dem Versucher
gab: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus
Gottes Mund kommt“ (Mt 4, 4; vgl. Dtn 8, 3). So sind manche versucht
angesichts der Dringlichkeit, das Brot zu teilen, die Evangelisierung
einzuklammern und auf später zu verschieben: zuerst das Brot, später das Wort.
Es ist ein tödlicher Irrtum die beiden zu trennen oder einander
entgegenzusetzen. Im übrigen drängt ihr christliches Gespür sich ganz spontan
dazu, beides zugleich zu tun.[19]
4. Manchen scheint
sogar der notwendige Kampf für Gerechtigkeit und menschliche Freiheit, beide in
ihrem ökonomischen und politischen Sinn verstanden, das Wesentliche und das
Ganze des Heils darzustellen.
5. Die Situierung der
verschiedenen Befreiungstheologien bestimmt sich einerseits nach ihrer
Beziehung zur vorrangigen Option für die Armen, wie sie, nach Medellin, die
Konferenz von Puebla klar und ohne Zweifel bekräftigt hat,[20]
andererseits hinsichtlich der Versuchung, das Evangelium vom Heil auf ein
irdisches Evangelium zu reduzieren.
6. Wir rufen ins
Gedächtnis, daß die vorrangige Option für die Armen, wie sie in Puebla
festgehalten ist, eine doppelte ist: für die Armen und für die Jugendlichen.[21]
Es ist bezeichnend, daß die Option für die Jugendlichen allgemein völlig in
Vergessenheit geraten ist.
7. Wir haben weiter
oben gesagt (vgl. IV., 4), daß es eine authentische „Theologie der Befreiung“
gibt, die im recht verstandenen Wort Gottes verwurzelt ist.
8. Von einem
beschreibenden Standpunkt aus gesehen muß man von den Befreiungstheologien
sprechen; denn dieser Begriff umfaßt nicht nur verschiedene, sondern häufig
auch miteinander unvereinbare theologische Positionen.
9. In diesem Dokument
wird nur von solchen Ausformungen dieser Gedankenrichtung die Rede sein, die
unter dem Namen „Befreiungstheologie“ eine Deutung des Glaubensinhaltes und der
christlichen Existenz vorlegen, die in Wirklichkeit ganz neu ist und
schwerwiegend vom Glauben der Kirche ab- weicht, mehr noch, die dessen
praktische Leugnung bedeutet.
10. Unkritische
Anleihen bei der marxistischen Ideologie und der Rückgriff auf die Thesen einer
vom Rationalismus geprägten biblischen Hermeneutik sind die Wurzeln dieser
neuen Deutung, die daran ist, das zu verderben, was das anfängliche großherzige
Engagement für die Armen an Echtem besaß.
VII. Die marxistische Analyse
1. Die Ungeduld und
der Wille zur Effizienz haben manche Christen, die an allen anderen Methoden verzweifelten,
dazu geführt, sich dem zuzuwenden, was sie „marxistische Analyse“ nennen.
2. Ihre Überlegung
ist folgende: Eine unerträgliche und explosive Situation erfordert ein wirksames Handeln, das nicht mehr
zuwarten kann. Ein wirksames Handeln setzt eine wissenschaftliche Analyse der strukturellen Ursachen des Elends
voraus. Nun hat aber der Marxismus die Instrumente einer solchen Analyse
entwickelt. Es genügt also, diese auf die Situation der Dritten Welt und
besonders Lateinamerikas anzuwenden.
3. Daß die
wissenschaftliche Kenntnis der Situation und der möglichen Wege sozialer
Umgestaltung die Voraussetzung eines Handelns ist, das fähig ist, die
gesteckten Ziele zu erreichen, ist selbstverständlich. Darin liegt ein
Kennzeichen der Ernsthaftigkeit des Engagements.
4. Der Begriff
„wissenschaftlich“ gibt freilich eine fast mythische Faszination aus, und doch
ist nicht alles auch wirklich wissenschaftlich, was dieses Etikett trägt.
Deshalb muß der Verwendung einer Methode des Zugangs zur Wirklichkeit eine
kritische Prüfung erkenntnistheoretischer Art vorausgehen. Diese vorgängige
kritische Prüfung fehlt bei manchen „Befreiungstheologien“.
5. In den Sozial- und
Humanwissenschaften ist es wichtig, auf die Vielfalt der Methoden und
Gesichtspunkte zu achten, von denen jede nur einen Aspekt einer Wirklichkeit
hervorhebt, die wegen ihrer Komplexität keine einheitliche und univoke
Erklärung zuläßt.
6. Im Falle des
Marxismus, wie man ihn in der Befreiungstheologie zu gebrauchen beansprucht,
drängt sich eine vorgängige Kritik um so mehr auf als das Denken von Marx eine
Weltanschauung darstellt, in der zahlreiche Daten der Beobachtung und der
beschreibenden Analyse in eine philosophisch-ideologische Struktur integriert
sind, die bestimmt, welche Bedeutung und relative Wichtigkeit man diesen Daten
zumißt. Die ideologischen Apriori werden bei der Lektüre der sozialen
Wirklichkeit vorausgesetzt. So wird es unmöglich, die heterogenen Elemente
auseinanderzuhalten, die dieses erkenntnistheoretisch hybride Gemisch bilden.
Man glaubt, nur das aufzugreifen, was sich als Analyse darbietet, und wird
dabei verleitet, gleichzeitig die Ideologie anzunehmen. Deshalb geschieht es
nicht selten, daß unter dem, was viele „Befreiungstheologen“ marxistischen
Autoren entleihen, die ideologischen Aspekte überwiegen.
7. Die Warnung Pauls
VI. hat bis heute ihre volle Gültigkeit bewahrt: Im Marxismus, so wie er
konkret gelebt wird, kann man verschiedene Aspekte und Fragen unterscheiden,
die sich der Reflexion und dem Handeln der Christen stellen. „Es wäre freilich
illusorisch und gefährlich, darüber zu vergessen, daß sie durch ein inneres
Band untereinander radikal verbunden sind; die Elemente der marxistischen
Analyse zu übernehmen, ohne deren Bezug zur Ideologie zu erkennen; in die
Praxis des Klassenkampfes und dessen marxistische Interpretation einzutreten,
und dabei zu übersehen, zu welchem Typus von totalitärer Gesellschaft dieser
Prozeß führt.“[22]
8. Es stimmt zwar;
daß sich marxistisches Denken von Anfang an, in deutlicherer Weise aber in den
letzten Jahren in verschiedener Weise ausgeformt hat, so daß mehrere Strömungen
entstanden sind, die sich beträchtlich voneinander unterscheiden. In dem Maße
jedoch, wie solche Strömungen wirklich marxistisch bleiben, folgen sie
weiterhin einigen Grundthesen, die mit der christlichen Auffassung vom Menschen
und der Gesellschaft nicht zu vereinbaren sind. In diesem Rahmen sind gewisse
Sprachformeln keineswegs neutral, sondern bewahren jene Bedeutung, die sie in
der ursprünglichen marxistischen Doktrin erhalten haben. So verhält es sich zum
Beispiel mit dem Aus- druck „Klassenkampf“. Dieser bleibt durchdrungen von der
Interpretation, die ihm Marx gegeben hat; er sollte deshalb nicht für
gleichbedeutend dem empirisch verstandenen Ausdruck „zugespitzter Sozialkonflikt“
gehalten werden. Wer ähnliche Formeln benutzt und dabei behauptet, nur gewisse
Elemente der marxistischen Analyse beizubehalten, während er letztere als
Ganzes zurückweise, schafft im Denken seiner Leser zumindest eine tiefe
Zweideutigkeit.
9. Wir rufen in
Erinnerung, daß der Atheismus und die Negation der menschlichen Person, ihrer
Freiheit und ihrer Rechte, sich im Zentrum der marxistischen Konzeption
befinden. Diese enthalten auch die Irrtümer, die die Wahrheiten des Glaubens
über die ewige Bestimmung der Person direkt bedrohen. Mehr noch, wer eine
solche Analyse in die Theologie integrieren will, bei der die Kriterien der
Interpretation von dieser atheistischen Konzeption abhängen, verstrickt sich in
schlimme Widersprüche. Das Verkennen der geistigen Natur der Person führt dazu,
diese völlig dem Kollektiv unterzuordnen und ebenso die Prinzipien eines
sozialen und politischen Lebens zu leugnen, die mit der Menschenwürde
übereinstimmen.
10. Die kritische
Prüfung der analytischen Methoden, die man anderen Disziplinen entlehnt, ist
für den Theologen besonders dringlich. Das Glaubenslicht vermittelt der
Theologie ihre Prinzipien. Wenn daher der Theologe philosophische oder
humanwissenschaftliche Ergebnisse gebraucht, so hat dieser Gebrauch „instrumentalen“
Wert und muß Gegenstand einer kritischen Prüfung theologischer Art sein. Anders
gesagt, das letzte und entscheidende Wahrheitskriterium kann letztlich nur
selber ein theologisches Kriterium sein. Die Gültigkeit oder der Grad an
Gültigkeit dessen, was die anderen Disziplinen, im übrigen oft mehr mutmaßend,
als Wahrheiten über den Menschen, seine Geschichte und sein Ziel vorlegen, muß
im Licht des Glaubens geprüft werden, im Licht dessen, was der Glaube uns über
die Wahrheit des Menschen und den letzten Sinn seines Weges lehrt.
11. Die Anwendung von
der marxistischen Denkströmung entliehenen Interpretationsschemata auf die
ökonomische, soziale und politische Wirklichkeit von heute kann auf den ersten
Blick eine gewisse Wahrscheinlichkeit bieten, in dem Maße, als die Situation
gewisser Länder einige Analogien mit den Situationen aufweist, die Marx in der
Mitte des letzten Jahrhunderts beschrieben und interpretiert hat. Auf Grund
dieser Analogien nimmt man Vereinfachungen von die von wesentlichen spezifischen
Faktoren absehen und dadurch eine wirklich genaue Analyse der Ursachen des
Elends verhindern und die Verwirrungen andauern lassen.
12. Die Anhäufung des
Großteils der Reichtümer durch eine Besitzeroligarchie ohne soziales Gewissen,
das fast völlige Fehlen oder die Mängel des Rechtsstaats, die
Militärdiktaturen, die die elementaren Menschenrechte mißachten, die Korruption
bestimmter Machthaber, die zügellosen Praktiken des ausländischen Kapitals
bilden in manchen Gegenden Lateinamerikas Faktoren, die ein gewaltiges Gefühl
des Aufbegehrens bei denen hervorrufen, die sich als die ohmnächtigen Opfer
eines neuen technologischen, finanziellen, monetären oder ökonomischen
Kolonialismus betrachten. Das Bewußtwerden der Ungerechtigkeiten ist von einem Pathos begleitet, das seine Sprache oft
dem Marxismus entlehnt, die mißbräuchlich als eine „wissenschaftliche“ Sprache
hingestellt wird.
13. Die erste
Bedingung einer Analyse ist die völlige Bereitschaft, sich von der zu
beschreibenden Wirklichkeit belehren zu lassen ohne vorgefaßte Ideen. Ein
kritisches Bewußtsein muß mit dem Gebrauch der Arbeitshypothesen Hand in Hand
gehen, die man übernimmt. Man muß wissen, daß diese einem Teilgesichtspunkt
entsprechen, was unweigerlich zur Folge hat, daß gewisse Aspekte der
Wirklichkeit hervorgehoben, andere im Dunkel gelassen werden. Diese
Begrenztheit, die sich aus der Natur der Sozialwissenschaften ergibt, wird von
denen übersehen die statt Hypothesen zu gebrauchen, die als solche erkannt
werden, eine umfassende Weltanschauung übernehmen, wie sie das Denken von Marx
darstellt.
VIII. Untergrabung des Sinnes für Wahrheit und die Gewalt
1. Diese
Gesamtkonzeption besticht in ihrer Logik und treibt die „TheoIogien der
Befreiung“ an, eine Summe von Positionen zu übernehmen, die mit dem
christlichen Menschenbild unvereinbar sind. Der ideologische, dem Marxismus
entlehnte Kern, auf den man sich bezieht, übt in der Tat die Funktion eines bestimmenden Prinzips aus. Diese Rolle
wird ihm aufgrund der Qualifikation als wissenschaftlich,
das heißt als notwendig wahr zugesprochen. In diesem Kern kann man verschiedene
Komponenten unterscheiden.
2. In der Logik des
marxistischen Denkens ist die „Analyse“ nicht von der Praxis und von der
Geschichtsauffassung, die mit ihr verbunden ist, zu trennen. So ist die Analyse
ein Instrument der Kritik, und die Kritik ist ihrerseits nur ein Moment des
revolutionären Kampfes. Der Kampf ist der der Klasse des Proletariats, die mit
einer geschichtlichen Sendung betraut ist.
3. Deshalb kann nur
derjenige, der an diesem Kampf teilnimmt,
eine korrekte Analyse durchführen.
4. Das richtige
Bewußtsein ist daher das parteiliche
Bewußtsein. Man sieht, daß hier die Auffassung von der Wahrheit auf dem Spiel steht. Sie wird vollständig umgekehrt:
Wahrheit gibt es nur, so wird behauptet, in der und durch die parteiliche Praxis.
5. Die Praxis und die Wahrheit, die sich aus
ihr ergibt, sind parteiliche Praxis und Wahrheit, da die Grundstruktur der
Geschichte vom Klassenkampf
gekennzeichnet ist. Es besteht daher eine objektive Notwendigkeit, in den
Klassenkampf einzutreten (der das dialektische Gegenteil der
Ausbeutungsbeziehung ist, die man anprangert). Die Wahrheit ist
Klassenwahrheit; Wahrheit gibt es nur im Kampf der revolutionären Klasse.
6. Das Grundgesetz der
Geschichte, der Klassenkampf, beinhaltet, daß die Gesellschaft auf der Gewalt
aufbaut. Der Gewalt, die die Herrschaftsbeziehung der Reichen über die Armen
darstellt, antwortet die revolutionäre Gegengewalt, durch die diese Beziehung
umgestürzt werden wird.
7. Der Klassenkampf
wird als ein objektives, notwendiges Gesetz dargestellt. Indem man in diesen
Prozeß auf seiten der Unterdrückten eintritt, „tut“ man die Wahrheit, handelt
man „wissenschaftlich“. Folglich geht diese Auffassung von der Wahrheit mit der
Behauptung der Notwendigkeit von Gewalt Hand in Hand und damit mit dem
politischen Amoralismus. In diesen Perspektiven verliert die Bezugnahme auf
ethische Forderungen nach radikalen und mutigen strukturellen und
institutionellen Reformen jeden Sinn.
8. Das Grundgesetz
des Klassenkampfes hat den Charakter des Umfassenden und Universalen. Es
spiegelt sich in allen Lebensbereichen, den religiösen, ethischen, kulturellen
und institutionellen. Keiner dieser Bereiche ist diesem Gesetz gegenüber
autonom. In allen diesen Bereichen ist dieses Gesetz das bestimmende Element.
9. Durch die
Abhängigkeit dieser These vom marxistischen Ursprung wird besonders das Wesen
der Ethik radikal in Frage gestellt. De facto wird das transzendente Prinzip
der Unterscheidung von Gut und Böse, das Grundprinzip der Moral, in der Sicht
des Klassenkampfes implizit geleugnet.
IX. Die „theologische“ Übersetzung dieses Kerns
1. Die in Frage
stehenden Positionen finden sich mitunter wörtlich in gewissen Schriften der
„Befreiungstheologen“. Bei anderen erscheinen sie von ihren Prämissen logisch
abgeleitet. Zudem sind sie bei bestimmten liturgischen Praktiken vorausgesetzt,
wie zum Beispiel die „Eucharistie“ in eine Feier des Klassenkampfes umgeformt
wird, auch wenn es denjenigen, die daran teilnehmen, nicht voll bewußt ist. Es
handelt sich also um ein wirkliches System, wenn auch manche zögern, der Logik
bis auf den Grund zu folgen. Dieses so beschaffene System ist eine Perversion
der christlichen Botschaft, wie Gott sie seiner Kirche anvertraut hat, Diese
Botschaft wird also in ihrer Ganzheit bei den „Befreiungstheologien“ in Frage
gestellt.
2. Die
„Befreiungstheologien“ übernehmen nicht die Tatsache
der gesellschaftlichen Schichtungen und die mit ihnen verbundenen
Ungerechtigkeiten, sondern die Theorie
des Klassenkampfes als strukturelles Grundgesetz der Geschichte. Man zieht
dabei die Schlußfolgerung, daß der so verstandene Klassenkampf selbst die
Kirche spaltet und daß man die kirchliche Wirklichkeit von ihm her beurteilen
muß. Man behauptet auch, es hieße unredlicherweise eine trügerische Illusion
aufrechterhalten zu beanspruchen, daß die Liebe in ihrer Universalität das
besiegen könnte, was doch das erste Strukturgesetz der kapitalistischen
Gesellschaft darstellt.
3. In dieser Sicht
ist der Klassenkampf der Motor der Geschichte. Dadurch wird die Geschichte zu
einem Zentralbegriff. Man sagt, Gott sei Geschichte geworden. Man fügt hinzu,
es gebe nur eine Geschichte, in der nicht mehr zwischen Heils- und
Profangeschichte unterschieden werden darf. Die Unterscheidung aufrechterhalten
hieße, in einen „Dualismus“ zu fallen. Dergleichen Aussagen zeugen von einem
historizistischen Immanentismus. Dadurch ist man bestrebt, das Reich Gottes und
sein Werden mit der menschlichen Befreiungsbewegung zu identifizieren und aus
der Geschichte das Subjekt ihrer eigenen Entwicklung als Prozeß der
Selbsterlösung des Menschen durch den Klassenkampf zu machen. Diese
Identifizierung steht zum Glauben der Kirche in Widerspruch, wie ihn das Zweite
Vatikanische Konzil in Erinnerung gerufen hat.[23]
4. In dieser Richtung
gehen manche so weit, Gott selbst mit der Geschichte zu identifizieren und den
Glauben als „Treue zur Geschichte“ zu definieren, womit eine Treue gemeint ist,
die in der politischen Praxis engagiert ist, wie sie der Vorstellung von der
Entwicklung der Menschheit entspricht, die als ein rein zeitlicher Messianismus
aufgefaßt wird.
5. Folglich erhalten
Glaube, Hoffnung und Liebe einen neuen Inhalt: Sie bedeuten „Treue zur
Geschichte „Vertrauen in die Zukunft“ und „Entscheidung für die Armen“. Das
heißt, sie werden in ihrer theologischen Wirklichkeit geleugnet.
6. Eine radikale
Politisierung der Glaubensaussagen und der theologischen Urteile ist die
unvermeidliche Folge dieser neuen Auffassung. Es geht nicht mehr nur darum, die
Aufmerksamkeit auf die politischen Folgen und Auswirkungen der
Glaubenswahrheiten zu lenken, die in ihrem transzendenten Wert geachtet werden.
Vielmehr wird jede Aussage des Glaubens und der Theologie einem politischen
Kriterium unterzogen, das seinerseits wieder von der Theorie des Klassenkampfes
als des Motors der Geschichte abhängt.
7. Daher wird der
Einsatz im Klassenkampf als eine Forderung der Liebe hingestellt. Man prangert
es als eine demobilisierende und der Liebe zu den Armen entgegengesetzte
Haltung an, wenn man schon jetzt jeden Menschen lieben will, zu welcher Klasse
er auch gehöre, und wenn man ihm auf den Wegen des gewaltlosen Dialogs und der
Überzeugung begegnen möchte. Wenn man auch sagt, er solle nicht Gegenstand des
Hasses sein, so behauptet man doch, daß er aufgrund seiner objektiven
Zugehörigkeit zur Welt der Reichen zuerst ein zu bekämpfender Klassenfeind sei.
Daher wird die Universalität der Nächstenliebe und der Brüderlichkeit zu einem
eschatologischen Prinzip, das erst für den „neuen Menschen“ gelten wird, der
aus der siegreichen Revolution hervorgehen wird.
8. Bezüglich der
Kirche besteht die Tendenz, in ihr nur eine innergeschichtliche Wirklichkeit zu
sehen, die auch nur den Gesetzen gehorcht, die angeblich die geschichtliche
Entwicklung in ihrer Immanenz lenken. Diese Reduktion entleert die Kirche von
ihrer eigenen Wirklichkeit, die Gabe der Gnade Gottes und Geheimnis des
Glaubens ist. Gleicherweise bestreitet man, daß die Teilnahme am gleichen
eucharistischen Tisch für Christen, die ansonsten entgegengesetzten Klassen
angehören, noch einen Sinn habe.
9. In ihrer positiven
Bedeutung bezeichnet die Kirche der Armen
die Bevorzugung – ohne Ausschließlichkeit – der Armen in allen Formen des
menschlichen Elends, weil sie die Bevorzugten Gottes sind. Der Ausdruck
bezeichnet zudem, daß in unserer Zeit der Kirche als Gemeinschaft und als
Institution sowie ihren Gliedern die Forderungen der evangelischen Armut bewußt
werden.
10. Die
„Befreiungstheologien“ haben zwar das Verdienst, die große Texte der Propheten
und des Evangeliums über die Verteidigung der Armen wieder aufgewertet zu
haben, doch verwechseln sie darüber hinaus in verderblicher Weise den Armen der Schrift mit dem Proletariat von Marx. Dadurch wird der christliche Sinn der Armut pervertiert
und der Kampf für die Rechte der Armen verwandelt sich in eine
Klassenauseinandersetzung im ideologischen Sinn des Klassenkampfes. Die Kirche der Armen bezeichnet dann eine
KIassenkirche, die sich der Notwendigkeit des revolutionären Kampfes als Etappe
zur Befreiung bewußt geworden ist und die diese Befreiung in ihrer Liturgie
feiert.
11. Eine analoge
Bemerkung muß bezüglich des Ausdrucks Volkskirche
gemacht werden. Vom pastoralen Standpunkt aus kann man darunter die vorrangigen
Adressaten der Evangelisierung verstehen, diejenigen, denen sich wegen ihrer
Lebensbedingungen die pastorale Liebe der Kirche besonders zuwendet. Man kann
von der Kirche auch als vom „Volk Gottes“ sprechen, d. h. vom Volk des Neuen
Bundes, den Christus geschlossen hat.[24]
12. Die
„Befreiungstheologien“ von denen wir hier sprechen, verstehen aber unter Volkskirche eine Klassenkirche, die
Kirche des unterdrückten Volkes, das es „bewußt zu machen“ gilt für den
organisierten Befreiungskampf. Das so verstandene Volk wird für manche sogar
zum Glaubensgegenstand.
13. Ausgehend von
einer solchen Auffassung von der Volkskirche wird eine Kritik der
Kirchenstrukturen entwickelt. Es geht nicht mehr nur um eine brüderliche
Zurechtweisung derjenigen Hirten der Kirche, deren Verhalten nicht den
evangelischen Geist des Dienens widerspiegelt und sich an überholte
Autoritätszeichen klammert, die den Armen ein Ärgernis sind. Es handelt sich
vielmehr um eine Infragestellung der sakramentalen
und hierarchischen Struktur der Kirche, wie der Herr selbst sie gewollt
hat. Man verurteilt die Hierarchie und das Lehramt als eindeutige Vertreter der
herrschenden Klasse, die man notwendigerweise bekämpfen muß. Theologisch läuft
diese Position darauf hinaus, daß gesagt wird, das Volk sei die Quelle der
Ämter, es könne sich deshalb selber die Amtsträger seiner Wahl geben,
entsprechend den Bedürfnissen seiner historischen, revolutionären Sendung.
X. Eine neue Hermeneutik
1. Die parteiliche Auffassung
von der Wahrheit, die sich in der revolutionären Klassenpraxis kundtut, erhärtet diese Position. Die Theologen, die die
Thesen der „Befreiungstheologie“ nicht teilen, die Hierarchie und vor allem das
römische Lehramt werden a priori
diskreditiert, da sie zur Unterdrückerklasse gehören; Argumente und Lehren
brauchen daher erst gar nicht für sich geprüft werden, da sie nur
Klasseninteressen widerspiegeln. Dadurch wird deren Rede für prinzipiell falsch
erklärt.
2. Hier zeigt sich
der umfassende und totalisierende Charakter der „Befreiungstheologie“. Diese
muß folglich nicht in dieser oder jener ihrer Aussagen kritisiert werden,
sondern auf der Ebene des Klassenstandpunktes, den sie a priori einnimmt und der in ihr als ein bestimmendes
hermeneutisches Prinzip wirkt.
3. Aufgrund dieses
Klassenvorverständnisses wird es äußerst schwierig, um nicht zu sagen
unmöglich, von manchen „Befreiungstheologen“ einen echten Dialog zu erreichen,
in dem der Gesprächspartner gehört und seine Argumente objektiv und aufmerksam
diskutiert werden. Denn diese Theologen gehen, mehr oder weniger bewuß von der
Voraussetzung aus, daß der Standpunkt der unterdrückten und revolutionären
Klasse, der der ihre sei, den einzigen Standpunkt der Wahrheit ausmache. Die
theologischen Wahrheitskriterien werden dadurch relativiert und den Forderungen
des Klassenkampfes untergeordnet. In dieser Perspektive ersetzt man die Orthodoxie als die rechte Glaubensregel
durch die Idee der Orthopraxie als
Wahrheitskriterium. In dieser Hinsicht darf die praktische Ausrichtung, die
auch der herkömmlichen Theologie eigen ist, und zwar mit dem gleichen Recht wie
die spekulative Ausrichtung, mit einem bevorzugten Primat, wie er in einer
bestimmten Form von Praxis vorkommt,
nicht verwechselt werden. Letztere ist in der Tat eine revolutionäre Praxis, die zum obersten Kriterium der
theologischen Wahrheit erhoben wird. Eine gesunde theologische Methodologie
berücksichtigt ohne Zweifel die Praxis der Kirche und findet dort eine ihrer
Grundlagen, aber nur deshalb, weil sie aus dem Glauben hervorkommt und sein
gelebter Ausdruck ist.
4. Die Soziallehre
der Kirche wird verächtlich verworfen. Sie gehe, so sagt man, von der Illusion
eines möglichen Kompromisses aus, die für die Mittelklassen typisch sei, die
ohne historische Bestimmung sind.
5. Die neue Hermeneutik die in den
„Befreiungstheologien“ vertreten wird, führt zu einer im wesentlichen politischen „relecture“ der Schrift. So
wird dem Ereignis des Exodus eine
vorrangige Bedeutung zugemessen, insofern er Befreiung aus der politischen
Knechtschaft ist. Auch das Magnifikat
wird politisch gelesen. Der Fehler besteht hier nicht darin, daß man für eine
politische Dimension der biblischen Berichte aufmerksam ist, sondern darin, daß
aus ihr die wichtigste und ausschließliche Dimension gemacht wird, was zu einer
verkürzten Lektüre der Schrift führt.
6. Ebenso stellt man
sich in die Perspektive eines zeitlichen Messianismus, der eine der radikalsten
Ausdrucksformen der Säkularisierung des Reiches Gottes und seines Verschwindens
in der Immanenz der menschlichen Geschichte darstellt.
7. Indem man auf
diese Weise die politische Dimension privilegiert, gelangt man dazu, die
radikale Neuheit des Neuen Testaments zu leugnen und vor allem die Person
unseres Herrn Jesus Christus zu verkennen, der wahrer Gott , und wahrer Mensch
ist, sowie den spezifischen Charakter der Befreiung, die er uns gebracht hat
und die zuerst Befreiung von der Sünde ist, der Quelle aller Übel.
8. Anderseits
entfernt man sich eben dadurch von der Tradition, daß man die autorisierte
Auslegung durch das Lehramt ablehnt, indem man sie als eine klassenbedingte
Auslegung verurteilt. Dadurch beraubt man sich eines wesentlichen theologischen
Auslegungskriteriums und in dem dadurch entstandenen Leerraum greift man zu den
radikalsten Thesen der rationalistischen Exegese. So übernimmt man unkritisch
den Gegensatz zwischen dem „Jesus der
Geschichte“ und dem „Christus des
Glaubens“.
9. Gewiß hält man am
Buchstaben der Glaubensformeln fest, besonders an der von Chalkedon, doch gibt
man ihnen eine neue Bedeutung, die eine Verneinung des kirchlichen Glaubens
ist. Einerseits verwirft man die von der Tradition getragene christologische
Lehre im Namen des Klassenkriteriums; anderseits beansprucht man, dem „Jesus
der Geschichte“ von der revolutionären Erfahrung des Befreiungskampfes der
Armen her zu begegnen.
10. Man gibt vor;
eine analoge Erfahrung zu der zu erleben, die Jesus gemacht haben soll. Die
Erfahrung der Armen, die für ihre Befreiung kämpfen, die die Erfahrung Jesu gewesen
sein soll, offenbare einzig und allein die Erkenntnis des wahren Gottes und
seines Reiches.
11. Es ist klar, daß
hier der Glaube an das fleischgewordene Wort, das für alle Menschen gestorben
und auferstanden ist und das Gott „zum Herrn und Christus gemacht hat“,[25]
geleugnet wird. Man ersetzt es durch eine Jesusgestalt, die eine Art Symbol
darstellt, das in sich die Forderungen des Kampfes der Unterdrückten
zusammenfaßt.
12. So gibt man dem
Tod Christi eine ausschließlich politische Deutung. Dadurch leugnet man seine
Heilsbedeutung und die ganze Heilsökonomie der Erlösung.
13. Die neue
Interpretation betrifft daher das Ganze des christlichen Mysteriums.
14. Ganz allgemein
betrachtet bewirkt sie eine Art Umkehr der Symbole. Anstatt zum Beispiel mit dem
hl. Paulus im Exodus ein Bild für die Taufe zu sehen,[26]
ist man geneigt, aus dieser ein Symbol der politischen Befreiung des Volkes zu
machen,
15. Da dasselbe
hermeneutische Kriterium auch auf das kirchliche Leben und die hierarchische
Verfassung der Kirche angewandt wird, werden die Beziehungen zwischen der
Hierarchie und der „Basis“ Herrschaftsbeziehungen, die dem Gesetz des
Klassenkampfes gehorchen. Die Sakramentalität, die die Wurzel der kirchlichen
Ämter ist und die aus der Kirche eine geistliche Wirklichkeit macht, die nicht
auf eine rein soziologische Analyse beschränkt werden kann, wird einfach
übergangen.
16. Die Umkehrung der
Symbole kann man auch im Bereich der Sakramente beobachten. Die Eucharistie wird
nicht mehr in ihrer Wahrheit als sakramentale Gegenwart des Opfers der
Versöhnung und als die Gabe von Leib und Blut Christi verstanden. Sie wird zur
Feier des Volkes in seinem Kampf. Daher wird die Einheit der Kirche radikal
geleugnet, Die Einheit, die Versöhnung, die Gemeinschaft in der Liebe werden
nicht mehr als eine Gabe verstanden, die wir von Christus empfangen.[27]
Die Einheit wird von der historischen Klasse der Armen durch ihren Kampf
aufgerichtet werden. Der Klassenkampf ist der Weg dieser Einheit. Die
Eucharistie wird so zur Klasseneucharistie. Gleichzeitig wird die siegreiche
Kraft der Liebe Gottes geleugnet, die wir empfangen.
XI. Orientierungen
1. Die Warnung vor
den schweren Abweichungen, die in manchen „Befreiungstheologien“ enthalten sind,
darf keinesfalls als eine auch nur indirekte Gutheißung derer verstanden
werden, die zur Fortdauer des Elends der Völker. beitragen, die davon
profitieren, die sich daran beteiligen oder die dieses Elend unberührt läßt.
Die Kirche, die dem Evangelium von der Barmherzigkeit und der Liebe zum
Menschen folgt, hört den Ruf nach Gerechtigkeit[28]
und möchte mit allen ihren Kräften darauf antworten.
2. Mit Mut und
Wagnis, mit Klarsicht und Klugheit, mit Eifer und Seelenstärke, mit einer bis
zum Opfer gehenden Liebe zu den Armen sollen die Hirten – und viele tun es
bereits – es als eine vorrangige Aufgabe betrachten, auf diesen Ruf zu
antworten.
3. Alle, Priester,
Ordensleute und Laien, die diesen Ruf nach Gerechtigkeit hören und für die
Evangelisierung und die Förderung des Menschen arbeiten wollen, werden es in
Gemeinschaft mit ihrem Bischof und mit der Kirche tun, jeder entsprechend
seiner spezifischen kirchlichen Berufung.
4. Im Bewußtsein des
kirchlichen Charakters ihrer Berufung werden die, Theologen loyal und im Geist
des Dialogs mit dem Lehramt der Kirche zusammenarbeiten. Sie werden im Lehramt
ein Geschenk Christi an seine Kirche erkennen[29]
und sein Wort und seine Weisung mit kindlichem Respekt entgegennehmen.
5. Die Anforderungen
einer echten menschlichen Förderung und Befreiung kann man nur von dem in
seiner Ganzheit gesehenen Auftrag Evangelisierung her verstehen. Die
unerläßlichen Pfeiler dieser Befreiung sind die
Wahrheit über die Kirche und die Wahrheit über Jesus Christus, den Erlöser, die
Wahrheit über die Kirche und die Wahrheit über den Menschen und seine
Würde.[30]
Die Kirche, die auf der ganzen Welt. Kirche der Armen sein will, ist
entschlossen, den wichtigen Kampf für die Wahrheit und für die Gerechtigkeit zu
fuhren, und dies im Licht der Seligpreisungen, vorab der Seligpreisung der vor
Gott Armen. Sie wendet sich an jeden Menschen und aus diesem Grunde an alle
Menschen. Sie ist „die universale Kirche, die Kirche der Menschwerdung. Sie ist
keine Kirche einer Klasse oder nur einer Kaste. Und sie spricht im Namen der
Wahrheit. Diese Wahrheit ist realistisch“. Sie lehrt, „jede menschliche[31]
Wirklichkeit, jede Ungerechtigkeit, jede Spannung, jeden Kampf“ wahrzunehmen.
6. Eine wirksame
Verteidigung der Gerechtigkeit muß sich auf die Wahrheit über den Menschen
stützen, der nach dem Bild Gottes geschaffen und zur Gnade der Gotteskindschaft
berufen ist. Die Anerkennung der wahren Beziehung des Menschen zu Gott stellt
das Fundament jener Gerechtigkeit dar, die die Beziehungen unter den Menschen
regelt. Deshalb ist der Kampf für die Menschenrechte, den die Kirche ständig in
Erinnerung ruft, der wahre Kampf für die Gerechtigkeit.
7. Die Wahrheit über
den Menschen erfordert, daß dieser Kampf mit Mitteln geführt wird, die der
menschlichen Würde gemäß sind. Deshalb muß der systematische und planmäßige
Gebrauch der blinden Gewalt, von welcher Seite sie auch komme, verurteilt
werden.[32]
Man wird das Opfer einer tödlichen Illusion, wenn man auf gewalttätige Mittel
vertraut, in der Hoffnung, mehr Gerechtigkeit zu erwirken. Gewalt erzeugt
Gewalt und entwürdigt den Menschen. Sie schändet die Würde des Menschen in der
Person der Opfer, und sie erniedrigt diese gleiche Würde bei denen, die Gewalt
anwenden.
8. Die Dringlichkeit
der radikalen Reformen jener Strukturen, die Elend hervorbringen und die selber
Formen der Gewalt darstellen, darf nicht dazu verleiten, daß man übersieht, daß
die Quelle der Ungerechtigkeit im Herzen des Menschen liegt. Soziale
Veränderungen, die wirklich im Dienst des Menschen sind, wird man nur dadurch
erreichen, daß man an die ethischen Fähigkeiten der Person und an die
beständige innere Umkehr appelliert.[33]
Denn je mehr die Menschen frei, aus eigener Initiative und solidarisch an
diesen notwendigen Veränderungen mitwirken werden, desto mehr werden sie in
ihrer Menschlichkeit wachsen. Die Verkehrung von Moralität und Strukturen
stammt aus einer materialistischen Anthropologie, die mit der Wahrheit über den
Menschen unvereinbar ist.
9. Es ist daher
gleichfalls eine tödliche Illusion zu glauben, neue Strukturen brächten von
sich aus einen „neuen Menschen“ hervor, im Sinne der Wahrheit über den
Menschen. Der Christ kann nicht verkennen, daß der uns verliehene Heilige Geist
die Quelle jeder wahren Neuheit ist und daß Gott der Herr der Geschichte ist.
10. Ebenso ist der
Umsturz von Ungerechtigkeit erzeugenden Strukturen durch die revolutionäre
Gewalt nicht ipso facto der Beginn
der Errichtung einer gerechten Herrschaft. Eines der wichtigsten Fakten unserer
Zeit muß alle, die ehrlich die Befreiung ihrer Brüder wollen, zum Nachdenken
anregen. Millionen unserer Zeitgenossen sehnen sich legitimerweise danach, die
grundlegenden Freiheiten wiederzuerlangen, deren sie durch totalitäre und
atheistische Regierungsformen beraubt wurden, die auf revolutionärem und gewalttätigem
Weg die Macht an sich gerissen haben, und dies im Namen der Befreiung des
Volkes. Man kann diese Schande unserer Zeit nicht übersehen: Ganze Nationen
werden unter menschenunwürdigen Bedingungen in Knechtschaft gehalten, während
gleichzeitig behauptet wird, man bringe ihnen die Freiheit. Diejenigen, die,
vielleicht unbewußt, sich zum Verbündeten solcher Unterdrückung machen,
verraten die Armen, denen sie zu dienen behaupten.
11. Der Klassenkampf
als Weg zu einer klassenlosen Gesellschaft ist ein Mythos, der die Reformen
verhindert sowie das Elend und die Ungerechtigkeiten verschlimmert. Diejenigen,
die sich von diesem Mythos faszinieren lassen, sollten die bitteren
geschichtlichen Erfahrungen bedenken, zu denen dieser geführt hat. Sie sollen
verstehen, daß es sich nicht darum handelt, eine wirksame Form des Kampfes
zugunsten der Annen auf Kosten eines Ideals aufzugeben, das wirkungslos sein
wird. Es handelt sich im Gegenteil darum, sich von einem Blendwerk zu befreien,
um sich auf das Evangelium und seine befreiende Kraft zu berufen.
12. Eine der
Voraussetzungen für die notwendige theologische Erneuerung ist es, die kirchliche Soziallehre wieder zu
betonen. Diese Lehre ist keineswegs abgeschlossen. Im Gegenteil, sie ist offen
für alle neuen Fragen, die im Laufe der Zeit auftauchen. In dieser Hinsicht ist
der Beitrag der Theologen und Denker der Dritten Welt zur Reflexion der Kirche
heute unerläßlich.
13. Ebenso ist die
Erfahrung derer die direkt in der Evangelisierung und der Förderung der Armen
und Unterdrückten arbeiten, für die Lehr- und Pastoralreflexion der Kirche
notwendig. In diesem Sinne kann man sagen, daß gewisse Aspekte der Wahrheit von
der Praxis her bewußt werden, wenn man darunter die pastorale und soziale
Praxis versteht, die sich am Evangelium ausrichtet.
14. Die kirchliche
Soziallehre bietet die großen ethischen Richtlinien. Damit sie aber direkt das
Handeln leiten kann, braucht es kompetente Persönlichkeiten aus Wissenschaft
und Technik. Die Hirten sollen auf die Ausbildung solcher kompetenter
Persönlichkeiten achten, die tief aus dem Evangelium leben. Es gehört zur
ureigenen Sendung der Laien, die Gesellschaft zu formen; hier sind sie
höchstpersönlich betroffen.
15. Die Thesen der
„Befreiungstheologien“ werden in einer vereinfachten Form weit verbreitet in
Bildungstagungen und in Basisgruppen, denen es an katechetischer und pastoraler
Vorbereitung mangelt. So werden diese Thesen von hochherzigen Männern und
Frauen übernommen, ohne daß ihnen ein kritisches Urteil möglich wäre.
16. Deshalb müssen
die Hirten über die Qualität und den Inhalt der Katechese und der Ausbildung
wachen, welche immer die Heilsbotschaft
in ihrer Ganzheit und, in deren Rahmen, die Forderungen der wahren
menschlichen Befreiung darstellen sollen.
17. In dieser ganzheitlichen
Darlegung des christlichen Mysteriums wird es angebracht sein, gerade jene
wesentlichen Aspekte zu betonen, die die „Befreiungstheologien“ in besonderer
Weise verkennen oder ausschließen: die Transzendenz und die Ungeschuldetheit
der Befreiung in Jesus Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist; die
Souveränität seiner Gnade, die wahre Natur der Heilsmittel, besonders der
Kirche und der Sakramente. Man wird an die wahre Bedeutung der Ethik erinnern,
in der die Unterscheidung von Gut und Böse nicht relativiert werden darf, an
den authentischen Sinn der Sünde, die Notwendigkeit der Bekehrung und die
Universalität des Gebotes der Nächstenliebe. Man wird vor einer Politisierung
der menschlichen Existenz warnen, die die Eigenart des Reiches Gottes und die
Transzendenz der Person verkennt und die auf eine Sakralisierung des
Politischen und eine Vereinnahmung der Volksreligiosität für revolutionäre
Vorhaben hinausläuft.
18. Den Verteidigern
der „Orthodoxie“ wirft man manchmal Passivität, Nachsichtigkeit und schuldhafte
Mitwisserschaft gegenüber unerträglichen Situationen der Ungerechtigkeit und
gegenüber politischen Regimen, die diese erhalten, vor. Wie es auch um die
Berechtigung dieses Vorwurfs stehen mag, sicher ist von allen, besonders aber von
den Hirten und den Verantwortlichen, die geistliche Bekehrung, die intensive
Gottes- und Nächstenliebe, der Eifer für Gerechtigkeit und Frieden, der
evangelische Sinn für die Armen und die Armut gefordert. Die Sorge um die
Reinheit der Lehre geht nicht ohne die Bemühung, durch ein integrales
theologales Leben die Antwort eines wirksamen Zeugnisses des Dienstes am
Nächsten, besonders aber am Armen und Unterdrückten, zu geben. Durch das
Zeugnis ihrer dynamischen und konstruktiven Fähigkeit zu lieben werden die
Christen so die Grundlagen jener „Zivilisation der Liebe“ legen, von der nach
Paul VI., auch die Konferenz von Puebla gesprochen hat.[34]
Im übrigen gibt es zahlreiche Priester, Ordensleute und Laien, die sich in
wahrhaft evangelischem Geist der Bildung einer gerechten Gesellschaft widmen.
Abschluß
Die Worte Pauls VI.
in seinem Credo des Gottesvolkes
sprechen in großer Klarheit den Glauben der Kirche aus, von dem man sich nicht
entfernen darf, ohne Gefahr zu laufen, nicht nur geistlich Schiffbruch zu erleiden,
sondern auch neues Elend und neue Knechtschaften zu verursachen.
„Wir bekennen, daß
Gottes Reich hier auf Erden in der Kirche Christi seinen Anfang nimmt und nicht
von dieser Welt ist, deren Antlitz ja vergeht, und daß das Wachstum der Kirche
nicht mit dem Fortschritt der Zivilisation, der Wissenschaft und Technik des
Menschen gleichgesetzt werden darf, sondern daß die Kirche nur aus dem einen
Grunde besteht, um immer tiefer den unergründlichen Reichtum Christi zu
erkennen, immer zuversichtlicher auf die ewigen Güter zu hoffen, immer besser
der Liebe Gottes zu antworten und den Menschen immer freigebiger die Güter der
Gnade und Heiligkeit mitzuteilen. Ebenso ist es die Liebe, die die Kirche
bewegt, sich stets um das wahre zeitliche Wohl der Menschen zu sorgen.
Unablässig erinnert sie ihre Kinder daran, daß ihnen hier auf Erden keine
bleibende Wohnung beschieden ist. Sie drängt sie dazu, daß jeder von ihnen,
entsprechend seiner Berufung und seinen Möglichkeiten, zum Wohle seiner
Gemeinschaft beiträgt, daß er Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit unter
den Menschen fordert und seinen Brüdern, vor allem den Armen und Unglücklichen,
hilft. Die stete Sorge der Kirche, der Braut Christi, für die Not der Menschen,
für ihre Freuden und Hoffnungen, für ihre Arbeiten und Mühen ist demnach nichts
anderes als die große Sehnsucht, ihnen nahe zu sein, um sie zu erleuchten mit
dem Lichte Christi und sie alle in ihm, ihrem alleinigen Heiland, zu vereinen.
Diese Sorge kann niemals bedeuten, daß sich die Kirche den Dingen dieser Welt
gleichförmig macht, noch kann sie die brennende Sehnsucht mindern, mit der die
Kirche ihren Herrn und sein ewiges Reich erwartet.“[35]
Diese
Instruktion, die in der ordentlichen Versammlung dieser Kongregation
verabschiedet wurde, hat Papst Johannes Paul II. in der dem unterzeichneten
Kardinalpräfekten gewährten Audienz gutgeheißen und ihre Veröffentlichung
angeordnet.
Gegeben am 6. August 1984, dem Fest
der Verklärung des Herrn, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre in
Rom.
Joseph Kardinal Ratzinger, Präfekt
Alberto Bovone, Tit.-Erzbischof von Cesarea in Numidien,
Sekretär
[1] Vgl. II.
Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes,
4.
[2] Vgl. II.
Vatikanisches Konzil, Dei verbum, 10.
[3] Vgl. Gal 5, 1 ff.
[4] Vgl. Ex 24
[5] Vgl. Jer 31, 31-34; Ez 36, 26 ff.
[6] Vgl. Zef 3, 12 ff.
[7] Vgl. Dtn 10, 18-19.
[8] Vgl. Lk 10, 25-37.
[9] Vgl. 2 Kor 8, 9.
[10] Vgl. Mt 25, 31-46; Apg 9, 4-5; Kol 1, 24.
[11] Vgl. Jak 5, 1 ff.
[12] Vgl. 1 Kor 11, 17-34.
[13] Vgl. Jak 2, 14-26.
[14] Vgl. AAS 71 (1979) 1144-1160.
[15] Vgl. AAS 71 (1979) 196.
[16] Vgl. Evangelii nuntiandi, 25-33:
AAS 68 (1976) 23-28.
[17] Vgl. Evangelii nuntiandi, 32: AAS 68 (1976) 27.
[18] Vgl. AAS 71 (1979) 188-196.
[19] Vgl. II.
Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes,
39; Papst Pius XI., Quadragesimo anno:
AAS 23 (1931) 207.
[20] Vgl. Nr.
1134-1165 und Nr. 1166-1205.
[21] Vgl. Dokument von Puebla IV Il.
[22] Papst Paul VI., Octogesima
adveniens, 34: AAS 63 (1971)
424-425.
[23] Vgl. II.
Vatikanisches Konzil, Lumen gentium,
9-17.
[24] Vgl. II.
Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes,
39.
[25] Vgl. Apg 2, 36.
[26] Vgl. 1 Kor 10, 1-2.
[27] Vgl. Eph 2, 11-22.
[28] Vgl. Dokument von Puebla I, III, 3. 3.
[29] Vgl. Lk 10, 16.
[30] Vgl. Papst
Johannes Paul II., Eröffnungsrede auf der
Konferenz von Puebla: AAS 71
(1979) 188-196; Dokument von Puebla
II, I.
[31] Vgl. Papst
Johannes Paul II., Rede an die Favela „Vidigal“
in Rio de Janeiro, 2. Juli 1980: AAS
72 (1980) 852-858.
[32] Vgl. Dokument von Puebla II, II, 5. 4.
[33] Vgl. Dokument von Puebla IV, III, 3. 3.
[34] Vgl. Dokument von Puebla IV, II, 2. 3.
[35] Papst Paul
VI., Credo des Gottesvolkes, 30. Juni
1968: AAS 60 (1968) 443-444.