Liebe Mitchristen!
Heute feiern wir den Sonntag der Weltkirche, den Tag des geschwisterlichen Teilens, der die Christen auf der ganzen Welt verbindet. Dieser Tag macht allen Gliedern der Kirche deutlich, daß sie ein Leib sind. Der Sonntag der Weltkirche stellt uns vor Augen, daß die Frohe Botschaft ein Geschenk Gottes an die ganze Welt, an alle Völker und Kulturen ist. Und es soll ein Ansporn dafür sein, daß sich jeder Christ auf seinen Glauben besinnt und die Weitergabe dieses Glaubens nicht als alleinige Aufgabe der Missionare, der Ordensgemeinschaften und einzelner Christen ansieht.
Zwei Jubiläen
Am heutigen Sonntag der Weltkirche feiern wir zwei Jubiläen: Die Päpstlichen Missionswerke sind vor 75 Jahren aus Missionsvereinen entstanden, die von Laien gegründet worden waren. Seitdem fördern sie das missionarische Bewußtsein im ganzen Gottesvolk und sorgen für eine gerechte Verteilung kirchlicher Hilfsgelder.
Das zweite Jubiläum
gilt der hl. Theresia, die schon mit 24 Jahren starb, nie ihren Karmel
verlassen hat und dennoch zur Patronin der Missionen wurde. Die unscheinbare
Karmelitin von Lisieux ist vor 100 Jahren gestorben. Sie hat die Kirche
und alle Christen an den ganz einfachen Weg erinnert, der den Glauben und
die missionarische Verkündigung des Glaubens beseelt, die Liebe, die
keine Grenze kennt. Sie sagt: "Ich begriff, daß die Kirche ein Herz
hat und daß dieses Herz von Liebe brennt. Ich erkannte, daß
die Liebe allein die Glieder der Kirche in Tätigkeit setzt und daß
diese Liebe alle Zeiten und Orte umspannt, daß sie ewig ist."
Gerade diese weltweite Dimension
der Liebe möchte das Motto zum Ausdruck bringen, unter dem der Sonntag
der Weltkirche heute steht: "Teilen verbindet". Der Blick auf Jesus
Christus, der uns aufgetragen hat, einander zu lieben, so wie er uns geliebt
hat (Joh 15,12), macht uns Mut, angesichts der erdrückenden Probleme
der Welt unseren Glauben zu leben und den uns möglichen Beitrag zu
leisten und nicht zu resignieren.
Verkündigung inmitten der Not
Unsere christlichen Schwestern und Brüder in der Weltkirche sind tief eingetaucht in das Leiden der Völker, denen sie angehören. Neben Elend und Not, die durch unser Wirtschaftssystem mitverursacht werden, erreichen uns täglich Nachrichten von Leiden, die durch Machtmißbrauch und Haß entstanden sind. In Afrika werden ganze Völker durch Anarchie und Bürgerkriege in unsägliches Leid gestürzt. Beinahe täglich berichten die Medien von Massakern, Vertreibungen, Hunger und Krankheit. Unser Verstand kann die Horrorzahlen der Opfer kaum fassen. Die Kirche steht inmitten solch grauenhafter Geschehnisse. Unter den vielen Opfern beklagt sie auch Verfolgung und Tod vieler Missionare und Bischöfe.
In diesen tragischen Momenten der Geschichte gibt es auch Zeichen der Hoffnung, die kaum wahrgenommen werden. Der Geist wirkt in vielen Christen, die sich nicht von Haß und Terror beirren lassen, sondern sich unter Einsatz ihres Lebens für Nächstenliebe und Versöhnung einsetzen. Wir sehen darin ein Zeichen, daß die Frohe Botschaft viele Menschen in ihrem inneren Wesen erfaßt hat. In aller Bescheidenheit können wir sagen, daß der Same des Evangeliums Wurzeln geschlagen hat und mancherorts die Kirche das einzige Bollwerk für Gerechtigkeit und Menschenrechte ist. Es ist erfreulich, wenn der Einsatz von Bischöfen internationale Anerkennung findet, wie etwa das Engagement von Bischof Carlos Belo von Osttimor, der im vergangenen Jahr mit dem Nobelpreis für Frieden und Völkerverständigung ausgezeichnet wurde. Doch auch solche Zeichen der Liebe sind in eine lebendige Gemeinde eingebettet und entspringen aus ihr.
Früchte der missionarischen Verkündigung
An den Zeugnissen und Früchten der missionarischen Verkündigung werden Sinn und Aufgabe von Mission deutlich. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil - besonders im Rundschreiben "Die Sendung Christi, des Erlösers" ("Redemptoris Missio") von Johannes Paul II. - ist die Achtung vor dem Reichtum in den Kulturen und Religionen der Völker deutlich in das Bewußtsein gerückt. Die Völker sehen in der Kirche zunehmend eine Partnerin und Beschützerin ihrer kulturellen Identität. Papst Johannes Paul II. wird nicht müde, vom Wirken des Geistes Gottes in den Kulturen und Religionen zu sprechen. Und wir erleben es, wie sich in der Weltkirche bodenständige, aus der Kultur erwachsende Ausdrucksformen des Glaubens entwickeln, etwa in Liturgie, Katechese, Theologie und Gemeindeform. Die früher Missionierten werden zu Verkündigern der Frohen Botschaft. Wir dürfen auch mit Freude feststellen, daß in der Weltkirche die Priester- und Ordensberufungen zunehmen, sodaß eigene Missionskräfte den Völkern das Evangelium verkünden.
Teilen verbindet
Unsere missionarische, weltweite Verantwortung hört deswegen nicht auf. Wir sind stärker denn je gefordert, unseren Beitrag zu leisten, sowohl durch unseren lebendigen Glauben als auch in materieller Hinsicht und durch unser Interesse und Mitdenken, vor allem aber durch unser Gebet. Allein unsere Bereitschaft, uns zu informieren, macht schon unseren Geschwistern im Glauben Mut, ihren Weg zu gehen. Unsere Brüder und Schwestern in der Weltkirche bitten wiederholt, ihnen zuzuhören und sie zu respektieren. Die Illustrierte "alle welt" ist um diesen weltkirchlichen Dialog bemüht, und wir empfehlen sie jedem christlichen Haushalt. Sie ist über Ihre Pfarre oder direkt bei Missio, Seilerstätte 12, 1015 Wien, zu beziehen.
Liebe Schwestern und Brüder
im Glauben,
wir ermutigen Euch, den
Sonntag der Weltkirche zum Anlaß zu nehmen, in der Begegnung und
im Teilen mit unseren Schwestern und Brüdern in Übersee Euren
Glauben zu vertiefen und aus der Frohen Botschaft zu erneuern. Darüber
hinaus bitten wir Euch wieder um eine großzügige Gabe für
die Weltkirche.
Wie die Missionspatronin, die "kleine" hl. Theresia, werden wir so zu Christen, die zu den Wurzeln ihres Glaubens finden und sich für die Freuden und Sorgen anderer öffnen. So können wir erfahren, daß "Teilen verbindet", wie das Motto des Sonntags der Weltkirche uns sagt, und auch uns und unsere Gemeinden stärkt.
Die Erzbischöfe und Bischöfe Österreich
Quelle: St. Pöltner
Diözesanblatt, Nr. 10, 15. September 1997, S. 1 f.
Missio-Wien,
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