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Geheimwissen

Karl Hörmann: LChM 1969, Sp. 449 f

Nach Geheimwissen (verborgener, im besonderen künftiger Dinge) kann der Mensch auf verschiedenen Wegen forschen: durch Verwendung natürlicher, wenn auch vielleicht nicht allgemein bekannter Mittel (z.B. durch Schluß auf Künftiges aus seinen schon vorhandenen Ursachen) oder Verbindung mit übermenschl. Mächten, abgesehen davon, daß Gott ihm außerordentl. Einsichten gewähren kann (z.B. ihn zu echter Prophetie künftiger Dinge übernatürl. befähigen kann). Künftige Ereignisse können nicht aus ihren Ursachen erschlossen werden, wenn sie nicht von notwendig wirkenden Ursachen, sondern von freien Willensentschlüssen oder von physischen Ursachen, die sie nach dem allgemeinen Lauf der Dinge nicht hervorbringen, abhängen (futura contingentia; Thomas von A., S.Th. 2,2 q.95 a.1). Ob es hinsichtl. ihrer eine echte natürl. Prophetie (Vorgesicht, zweites Gesicht) oder bloß eine bessere Ursachenerkenntnis scheinbarer Futura contingentia durch besonders Befähigte gibt, ist strittig. Gegenüber der raschen Erklärung solcher Voraussicht durch dämonischen Einfluß („Hirt“ des Hermas, Mand. XI 3; Augustinus, De civon Dei XXI 6 f; PL 41,716 f; Thomas von A., S.Th. 2,2 q.95 a.2) ist man vorsichtiger geworden. Immerhin ist es mögl., daß sich der Mensch an dämonische Mächte wendet und mit ihrer Hilfe ein sittl. unzulässiges Forschen nach Geheimwissen (lat. divinatio) treiben will (vgl. Okkultismus). Solches Tun wird im AT als ein Greuel vor dem Herrn bezeichnet (Dtn 18,10–12). Nach Hieronymus wird es von der Hl. Schrift niemals gut gewertet (Com. in Mich. 3,9; PL 25,1183). Die wichtigsten Arten dieses Forschens waren schon im Altertum bekannt (vgl. Dtn 18,10–12; Isidor, Etym. VIII 9, PL 82, 312; Thomas von A., S.Th. 2,2 q.95 a.3.)

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