www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation

Geschichte der Moraltheologie (ohne Mittelalter)

Karl Hörmann: LChM 1976, Sp. 608-611.615-622

A. Moraltheologie im Werden

1. An die Erschließung des sittl. Gehaltes der Offenbarung sind Menschen verschiedener Zeiten unter verschiedenen Voraussetzungen und aus verschiedenen Anlässen herangegangen. So hat die Moraltheologie (= MT) als die Wissenschaft, die die Offenbarungssittlichkeit erforscht und lehrt, ihre wechselvolle Geschichte, die freil. bei weitem noch nicht in allen Einzelheiten erforscht ist. Im allg. ist sie an Erkenntnis gewachsen, manchmal allerdings in langem, schwierigem Ringen.

2. Die Beschäftigung mit dieser Geschichte kann zu wertvollen Einsichten führen.

a) Wer sich in den Werdegang einzelner sittl. Probleme vertieft, kann diese unter zusätzl. (in der Gegenwart vielleicht vernachlässigten) Aspekten kennenlernen. Wer auf vergangene Fehllösungen aufmerksam wird, ist davor gewarnt, selbst ähnl. Fehler zu machen. Manche Formulierungen der kirchl. Lehre lassen sich nur dann voll verstehen, wenn man ihren geschichtl. Anlaß kennt (etwa zur Zinsfrage; zur Religionsfreiheit).

Zu manchen Fragen gibt es sorgfältige historische Untersuchungen. Durch sie werden nicht selten verbreitete irrige Behauptungen widerlegt. Solche Untersuchungen helfen auch zur Unterscheidung, was in der Lehre eines Theologen christl., was nichtchristl. Gedankengut ist (etwa in der Lehre Augustins manichäische Reste, in der Lehre des hl. Thomas von Aq. aristotelische Lehre).

b) Für eine Gesamt-Geschichte d. M. ist eine Reihe von Untersuchungen vorhanden, andere fehlen noch. Dennoch lassen sich die Grundzüge dieser Geschichte schon einigermaßen feststellen. Die Moraltheologen gelangen zu einem besseren Verständnis ihrer Aufgabe, wenn sie darauf achten, wie Theologen vergangener Zeiten daran herangegangen sind. Durch Kenntnis früherer Fehlentwicklungen können sie davor bewahrt werden, selbst eine falsche Richtung einzuschlagen.

B. Altertum

I. Am Beginn der Geschichte d. M. steht natürl. die Verkündigung des Evangeliums durch Jesus und die Apostel (Neutestamentl. Gesetz, Hl. Schrift). Das Evangelium enthält sittl. Anrufe an einzelne („Eines fehlt dir. Geh, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben – und komm und folge mir nach“, Mk 10,21) und an alle („Größer als diese ist kein anderes Gebot“, Mk 12,31).

II. In der folgenden patristischen Zeit und bis weit hinein in die mittelalterl. Scholastik tritt die MT noch nicht als eigene theol. Disziplin hervor; es gibt vielmehr nur eine allumfassende Theologie.

1. In der ersten nachapostol. Zeit wurde die christl. Sittlichkeit nicht aus einem wissenschaftl. Interesse dargestellt, sondern zum praktischen Zweck der Verkündigung. Zu diesem Zweck studierten christl. Lehrer die Hl. Schrift, sammelten ihre sittl. Forderungen und stellten sie übersichtl. zusammen. Charakteristisch dafür ist das Lehrstück von den beiden Wegen (Weg des Lebens oder des Lichtes und Weg des Todes oder der Finsternis) in der Lehre der zwölf Apostel (Didache) und im Barnabasbrief. Auch bei den übrigen sog. Apostol. Vätern herrscht die positive Methode vor.

Sie allein konnte schon in der ersten Zeit nicht voll befriedigen. Schon die Apostol. Väter wollten in die Offenbarung tiefer eindringen. Im besonderen machte die Auseinandersetzung mit dem Heidentum die Besinnung auf das Wesentliche des Christentums notwendig. Die Apologeten des 2. und 3. Jh.s stellten, ohne die Lichtseiten der antiken Welt verkennen zu wollen, z.T. in Monographien über Einzelfragen, das christl. Tugendleben der heidnischen Verkommenheit gegenüber; das Hauptaugenmerk lenkten sie stets auf die innere Haltung.

Clemens von Alexandria zeigt schon Ansätze zu einer Gesamtdarstellung des christl. sittl. Lebens. Auch Origenes liefert dazu Beiträge. Manche dieser Lehrer der christl. Sittlichkeit zeigen eine unverkennbare Neigung zur Strenge (Tertullian, Cyprian).

2. Eine Blütezeit erreichte die Entfaltung der christl. Lehre im 4. Jh. Die morgen- und die abendländischen Kirchenväter durchdrangen mit Hilfe ihrer profanen Bildung das Offenbarungsgut und brachten in viele sittl. Fragen Klarheit (spekulativ-systematische Methode).

Neben der Behandlung vieler Einzelfragen setzten sie auch wiederholt zu systematischen Zusammenfassungen an (Ambrosius, De officiis; Augustinus, Enchiridion ad Laurentium sive de fide, spe et caritate; De moribus ecclesiae catholicae et de moribus Manichaeorum; Gregor d. Gr., Expositio in beatum Iob seu Moralium libri XXXV).

Der hervorragendste Theologe der Väterzeit ist unbestritten Augustinus. Auf sittl. Themen (Lüge, Enthaltsamkeit, Eheleben, Witwenschaft, Geduld unda.) kommt er in vielen Einzelabhandlungen, aber häufig auch in seinen Briefen, Predigten und Schriftkommentaren (bes. in den Abhandlungen über das Johannes-Evangelium) zu reden. Als Hauptgrund des Christen zeigt er die Liebe.

Zur Entwicklung der MT haben auch andere Väter (z.B. Hieronymus, Basilius d. Gr., Gregor von Nyssa, Gregor von Nazianz, Johannes Chrysostomus, Cyrill von Jerusalem) Bedeutendes beigetragen.

Zusammenfassend kann man über die Väterzeit sagen, daß in ihr die Sittlichkeitslehre innerhalb der Gesamtglaubenslehre gepflegt wurde und daß das sittl. Verhalten des Christen aus seinem Sein in Christus abgeleitet wurde.

3. Am Ausgang der Väterzeit und im frühen Mittelalter begnügte man sich weitgehend damit, das von den Vätern Erarbeitete in Sentenzenwerken zu sammeln, zu bewahren und zu erklären (Isidor von Sevilla, später Petrus Lombardus).

C. Mittelalter (= Link zum Lexikon von 1969)

D. Neuzeit

I. Der Umschwung, den die Theologie in der Neuzeit durch das Konzil von Trient nahm, wirkte sich auch in der MT aus: Sie wurde zur selbständigen theol. Disziplin.

1. Auch jetzt behandelten zwar noch viele Theologen die Sittlichkeitslehre in Verbindung mit der Dogmatik. Das ganze Mittelalter hindurch hatten dem theol. Unterricht die Sentenzen des Petrus Lombardus zugrunde gelegen, die die moraltheol. Fragen nicht systematisch zusammengefaßt, sondern verstreut enthielten. Vom Beginn des 16. Jh.s an wurden sie mehr und mehr durch die „Summa theologiae“ des hl. Thomas von Aq. ersetzt, die man erst jetzt in ihrer Bedeutung würdigte. So entstand eine Reihe von Kommentaren zur „Sum. th.“, die ebenso wie diese den moraltheol. Stoff in systemat. Ordnung enthalten (Thomas de Vio, Kardinal Caietanus; die Dominikanertheologen von Salamanca Francisco de Vitoria, Melchior Cano, Dominicus Soto, Bartholomaeus de Medina, Dominicus Bañez; die als Salamanticenses bezeichneten Theologen aus dem Orden der Unbeschuhten Karmeliten von Salamanca, die zus. den „Cursus Theologicus summam d. Thomae complectens“ herausgaben; die Jesuiten Gabriel Vasquez und Francisco de Suàrez).

Seit dem Ende des 16. Jh.s stellte man die Moral auch getrennt von der Dogmatik dar. Vor allem sind Theologen aus der Gesellschaft Jesu Urheber umfassender selbständiger Moralwerke, die die Grundlagen für eine Gewissensführung gemäß den Dekreten des Konzils von Trient schaffen sollen (Thomas Sanchez, Kardinal Juan de Lugo, Paul Laymann, Hermann Busenbaum).

Einzelbereiche der MT wurden in monographischer Form z.T. in stark rechtl. Denkweise behandelt (Luis de Molina, Th. Sanchez, Leonard Lessius, Kardinal de Lugo).

Die kasuistische MT fand in Kardinal Francisco de Toledo einen hervorragenden Vertreter.

2. In der weiteren Entwicklung spielte im 17. und im 18. Jh. der Streit um den Probabilismus (vgl. Moralsysteme) eine große Rolle. Die Extreme, die einander gegenüberstanden (Laxismus und Rigorismus), mußten beide von der Kirche verurteilt werden.

a) Der Laxismus war vielfach mit einer übertriebenen Kasuistik gepaart. Die Kasuisten waren in Gefahr, sich in Spitzfindigkeiten zu verlieren und die MT zu einer bloßen Sündenlehre zu machen.

Bezeichnenderweise wurde in dieser Zeit die geistl. Theologie (die durch Leute wie Ignatius von Loyola, Theresia von Avila, Johannes vom Kreuz, Robert Bellarmino, Franz von Sales zur Blüte gebracht worden war) von der MT getrennt (in Richtung auf eine weitere Verselbständigung wirkte später Joh. Bapt. Scaramelli).

Als typische Vertreter der laxistischen Kasuistik gelten der Theatiner Antonius Diana, der spanische Jesuit Antonis Escobar y Mendoza (gegen den sich Pascal wandte), der spanische Zisterziensertheologe und Bischof Juan Caramuel (den Alfons M. di Liguori „princeps laxistarum“ nannte).

b) Auf der rigoristischen Seite standen die Jansenisten unter der Führung von Antoine Arnauld und Pierre Nicole; Blaise Pascal war mit ihnen eines Sinnes.

c) Auf kath. Seite wirkte den Mißständen eines einseitig kasuistischen Lehrbetriebes Alfons Maria di Liguori entgegen. Er suchte in besonnener Weise einen goldenen Mittelweg zw. Laxismus und Rigorismus (Hauptwerke in vielen Auflagen: „Theologia moralis“, „Homo apostolicus“, „Praxis confessarii“; daneben ein reiches Schrifttum über Fragen der geistl. Theologie).

Für lange Zeit verhalf Alfons der Einteilung der speziellen MT nach dem Dekalog zum Durchbruch.

Die Vorzüge seiner Morallehre liegen darin, daß sie eine gewaltige Synthese von natürl. sittl. Einsichten und Offenbarungsmoral darstellt, in der die Tradition (Alfons studierte über 800 Autoren) und die damaligen Kenntnisse der Profanwissenschaften sorgfältig verarbeitet wurden; daß sie ferner einerseits dem jansenistischen Rigorismus entgegentritt, anderseits die Fehler des Laxismus und der übertriebenen Kasuistik durch Ausarbeitung der Grundsätze über das Gewissen zu beheben trachtet. Die Lehre des hl. Alfons zeichnet sich durch kluges Urteil, Sicherheit und Klarheit in Einzelfragen aus.

Seinem Typ der MT folgten Morallehrer bis zur Gegenwart (Gury, Ballerini, Palmieri, Gènicot, Lehmkuhl, Noldin, Vermeersch, Merkelbach, Prümmer, Tanquerey).

Die Kirche hat erklärt, daß sich in seinen Werken nichts Tadelnswertes finde und daß man seinen Meinungen ruhigen Gewissens folgen dürfe, und würdigte seine Bedeutung dadurch, daß sie ihn zum Kirchenlehrer (1871) und zum Patron der Beichtväter und der Moralisten (1950) erhob.

3. Kennzeichnend für die fortschreitende Aufspaltung und Spezialisierung der Theologie in der Neuzeit ist es, daß in der 2. Hälfte des 18. Jh.s die Pastoraltheologie als selbständige Disziplin mit Aufgaben, die früher z.T. der MT zugefallen waren, entstand.

4. Die MT selbst geriet zur selben Zeit in eine neue Vereinseitigung. Kath. wie prot. Theologen huldigten vielfach einer glaubensscheuen Aufklärung und suchten unter dem Einfluß der Zeitphilosophie die sittl. Erkenntnisse fast ausschließl. in der prakt. Vernunft. Den Offenbarungslehren schrieb man Bedeutung zu, soweit sie die Sittlichkeit zu fördern und das Mißverhältnis zw. Tugend und Glückseligkeit in diesem Leben auszugleichen geeignet schienen.

Die Loslösung der MT von der Dogmatik in der nachtridentinischen Zeit hatte den Vorteil der größeren Gründlichkeit für die MT gebracht. Anderseits war diese in Gefahr, zu selbständig zu werden und mit den übernatürl. Grundlagen ihren eigentl. theol. Charakter zu verlieren.

II. Auf diese übernatürl. Grundlagen besannen sich in Deutschland um 1800 Theologen wie Sattler, Oberrauch, Schenkl und Stapf. Sie lenkten die MT aus dem bloß Philosophischen wieder heraus und führten sie zur Quelle der Offenbarung zurück. Johann Michael Sailer war gegenüber der dürren Aufklärungsphilosophie auf eine Herzenstheologie bedacht und wollte in seinem „Hdb. der christl. Moral“ eine Anleitung zu einem vollen christl. Leben bieten. In dieselbe Richtung weist „Die christl. Moral als Lehre von der Verwirklichung des Reiches Gottes“ von Johann Bapt. Hirscher; an diesem kritisiert man, daß er an einem gewissen Unverständnis der Scholastik leidet.

III. Im 19. Jh. und später entstand eine Reihe von Moralwerken mit stark spekulativem Gepräge im Anschluß z.T. an phil. Denker der Zeit, z.T. an den wiederentdeckten Thomas von Aq. (im deutschen Sprachbereich von F.A. Göpfert, E. Müller, K. Werner, F.X. Linsenmann, A. Koch, F.M. Schindler, J. Mausbach, O. Schilling unda.).

IV. Das 20. Jh. brachte mehrere Ansätze zur Reform der MT.

1. Um 1900 richteten sich von kirchenfeindl. Seite heftige Angriffe gegen den moraltheol. Lehrbetrieb, im besonderen gegen den Einfluß von A. M. di Liguori. Die Folge davon war nicht nur eine Abwehr ungerechter Übertreibungen durch die Moraltheologen, sondern auch deren Besinnung darauf, was an ihrer Lehrtätigkeit zu verbessern wäre.

Josef Mausbach machte eine Reihe von Reformvorschlägen, die im großen und ganzen auf eine Rückkehr zu den großen Theologen der Hoch- und der Spätscholastik hinzielten. Verlangt wurden Verbesserung der Systematik, engere Verbindung von MT und Dogmatik und Übernahme wichtiger Stoffgebiete aus dieser, Rüchführung der geistl. Theologie in die wissenschaftl. Moralgestaltung und Darstellung der MT als Tugendlehre, stärkere Betonung des Übernatürlichen und seine Begründung aus der Bibel, ausgiebigere Verwendung der historischen Methode zur Scheidung von zeitlos Gültigem und Zeitbedingtem, Beseitigung der Mängel aus den für die Beichtstuhlpraxis notwendigen kasuistischen Werken.

2. Nach dem 1. Weltkrieg gingen neue Reformvorschläge mit bedeutender Wirkkraft von Fritz Tillmann aus. Dieser fordert: engere Verbindung von Dogmatik und Moral; stärkere Verankerung der christl. Sittlichkeitslehre im übernatürl. Sein des Christen; dieses ist Sein in Christus, daher Darstellung der christl. Sittlichkeit als Nachfolge Christi; Gestaltung der MT als Tugendlehre unter Einbeziehung der Räte, Rückgliederung der geistl. Theologie in die MT; nicht mechanische Nachahmung Christi, sondern persönl. Entscheidung gemäß den konkreten Umständen (Situation); Ablehnung der Kasuistik, welche Fälle von vornherein lösen will; Klarstellung des übernatürl. Charakters der MT als Offenbarungssittlichkeitslehre durch ihre Trennung von der Erörterung ihrer natürl. Voraussetzungen. In seinem „Hdb. der kath. Sittenlehre“ (ab 1933) hat Tillmann diese Vorschläge durchzuführen getrachtet. Gesondert ließ er von Theodor Steinbüchel die phil. und von Theodor Müncker die psycholog. Grundlagen der kath. Sittenlehre behandeln; nach seinem Tod wurden von Werner Schöllgen die soziolog. Grundlagen hinzugefügt. Tillmann selbst legte in einem Band „Die Idee der Nachfolge Christi“ und in zwei Halbbänden „Die Verwirklichung der Nachfolge Christi“ dar. In der Ausdrucksweise war er darauf aus, sich auch dem gebildeten Laien verständl. zu machen und ihn anzusprechen. Gegen seine Trennung der phil. und der psycholog. Grundlagen von der MT lassen sich gewichtige Bedenken anmelden; er selbst kann sie in der speziellen MT nicht durchhalten. Unbestritten haben aber die Anregungen, die von ihm ausgegangen sind, die Entwicklung der MT zumindest im deutschen Sprachraum in neue Bahnen gelenkt.

Außerhalb des deutschen Sprachgebietes hat ähnl. Forderungen wie Tillmann später der Belgier Jacques Leclercq erhoben.

3. Bestärkt wurde diese Entwicklung in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg und an seinem Beginn von den Bestrebungen der sog. Verkündigungstheologie (die ein theol. Lehren forderte, das nicht nur den Fachtheologen, sondern jeden Menschen anspricht), von der Bibelbewegung (die den Blick auf die Hl. Schrift als die Grundlage der Theologie lenkt) und von der liturgischen Bewegung (die darauf achten lehrt, daß das Leben des Christen in der Gnade der Quellgrund seines sittl. Verhaltens sein muß).

4. Nach dem 2. Weltkrieg sucht Gustav Ermecke die von F. Tillmann begonnene Entwicklung fortzusetzen und zu ergänzen. Selbst hält er sich an seine Vorschläge in der von ihm besorgten Neubearbeitung des Moralwerkes von J. Mausbach.

Johannes Stelzenberger greift in seinem knapp gefaßten „Lehrbuch der MT“ den bibl. Gedanken der Königsherrschaft Gottes als Grundlage der Offenbarungssittlichkeit wieder auf.

Alle positiven Elemente der bisherigen Entwicklung will Bernhard Häring in seinem Werk „Das Gesetz Christi“ zusammenfassen. Er bestimmt es für Laien und Priester und wählt eine dementsprechende Ausdrucksweise. Den Laien will er zum leichteren Verständnis der christl. Sittlichkeit führen und ihm die in ihr enthaltenen Werte zeigen. Dem Priester bietet er Hilfe zur lebensnahen Verkündigung der sittl. Wahrheit.

Im deutschen Sprachraum erscheint auch das von Marcel Reding herausgegebene groß angelegte „Hdb. der MT“ (eine Sammlung von Monographien). Im italienischen Bereich hat ähnl. Charakter der Corso di Teologia Morale (ab 1971).

V. Das 2. Vat. Konz. hat einer Neugestaltung der kirchl. Studien den Weg gewiesen (OT 13–21). Vieles von dem, was einzelne Moraltheologen zur Erneuerung ihrer Disziplin angeregt hatten, soll nun einer weltweiten Erneuerung der MT nutzbar gemacht werden. Das Konzil setzt sich für eine Neufassung der theol. Disziplinen „aus einem lebendigeren Kontakt mit dem Geheimnis Christi und der Heilsgeschichte“ ein und fährt fort: „Besondere Sorgfalt verwende man auf die Vervollkommnung der MT, die reicher genährt aus der Lehre der Schrift, in wissenschaftl. Darlegung die Erhabenheit der Berufung der Gläubigen in Christus und ihre Verpflichtung, in der Liebe Frucht zu tragen für das Leben der Welt, erhellen soll“ (OT 16)

Gemäß den Absichten des Konzils hat die MT eine Moral der Berufung in der Person Christi, eine Moral der Gemeinschaft der Kirche, eine Moral für die Welt von heute zu lehren (J. Fuchs).

Nach J. Geschichte Ziegler ist die MT seit dem 2. Vat. Konz. mit einer selbstkritischen Erforschung ihrer Grundlagen befaßt. Der zeitgeschichtl. Hintergrund dafür sei durch die anthropolog. Wende der kath.Theologie, den Kontakt mit einer neopositivistischen Anthropologie und das ökumenische Gespräch gekennzeichnet. Das Konzil biete drei Fundamente oder besser Fermente zur künftigen wissenschaftl. Darstellung der MT: a) als Seinsprinzip die erhabene Berufung der Gläubigen in Christus, b) als Erkenntnisprinzip die Hl. Schrift, c) als Wirkprinzip die Verpflichtung, in der Liebe Frucht zu tragen für das Leben der Welt.


© Gemeinschaft vom hl. Josef · 1996 – 2017