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Moralphilosophie

Karl Hörmann: LChM 1969, Sp. 838 f

Zum Unterschied von der Moraltheologie, die sich mit der christl. Sittlichkeit befaßt, wie sie aus der Offenbarung erkennbar ist, will sich die Moralphilosophie für die Erfassung und Darstellung einer rein natürl. Sittlichkeit nur natürlicher Erkenntnismittel (Vernunft) bedienen. Die Moraltheologie anerkennt dieses Bemühen und gibt zu, daß die Moralphilosophie mit ihren Mitteln zu gültigen Erkenntnissen über das Sollen des Menschen (Natürl. sittl. Gesetz) gelangen kann (D 2812 2853 3004 3026 3890 3892 [1650 1670 1785 1806 2317 2320]), die freil. erst in der Offenbarungssittlichkeit ihren gehörigen Platz finden. Dabei taucht die Frage auf, ob es ein rein natürl., mit bloßer Vernunft erkennbares Menschsein, das nicht irgendwie von dem über die reine Natürlichkeit hinausgehenden Heilswirken Gottes berührt ist, jemals gibt, ob also Moralphilosophie, die mit Moraltheologie gar nichts zu tun hat, überhaupt möglich ist.

Eine Richtung des Protestanismus (K. Barth, H. Thielicke) hält von der Moralphilosophie nicht viel: Durch die Erbsünde seien Natur und Vernunft des Menschen so geschädigt, daß im natürl. Bereich keine bedeutungsvollen sittl. Erkenntnisse zu erwarten seien. Dementsprechend wählt man die Ausdrücke: Während man im kath. Bereich als Ethik (von griech. ethos = Sitte) die Moralphilosophie bezeichnet, spricht man im protest. Bereich von „theolog. Ethik“, weil man nur einer auf der Offenbarung, nicht aber einer auf dem bloß Natürlichen aufbauenden Sittlichkeitslehre Wert beimißt.


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