Wort der Begrüßung für Papst Johannes Paul II.
durch Kardinal Christoph Schönborn
zu Beginn der Eucharistiefeier am Heldenplatz in Wien am 21. Juni 1998

 

"Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen" (Mt 16,18).

Mit diesem Wort des Herrn an Simon Petrus begrüßen wir den Nachfolges des Apostels Petrus, in der Gewißheit des Glaubens, daß Jesu Wort durch alle Jahrhunderte feststeht und wirksam bleibt.

Zum zweiten Mal dürfen wir mit Ihnen, Heiliger Vater, hier auf dem "Heldenplatz" Gottesdienst feiern: 1983 war es die "Europavesper", heute die Seligsprechung dreier Österreicher im Rahmen der Eucharistiefeier. Heute wie vor 15 Jahren geht unser Blick weit über die Grenzen unseres Landes hinaus, auch über die Grenzen, die Sünde und Schuld zwischen Menschen und Völkern gezogen haben und die der Heilung und Versöhnung bedürfen: Die Wunden der Verachtung, Verfolgung und Vernichtung des jüdischen Volkes; der Riß der Glaubensspaltung; die Gräben, die Österreich in verfeindete Lager geteilt haben; die Konflikte in unserer Kirche, die bei manchen das Vertrauen in den Papst und die Bischöfe erschüttert haben. All das ruft nach Umkehr, Vergebung, Versöhnung und Erneuerung.

An solchen positiven Zeichen fehlt es nicht: Heute feiern Gläubige aus vielen Ländern mit Ihnen, Heiliger Vater: besonders zahlreich aus Polen:

"Serdecznie witam w Wiedniu polskich pielgrzymow, ktorzy przybyli na spotkanie z swoim i naszym Ojcem Swietym!",

aus den Nachbarländern, aus den Afroasiatischen Gemeinden hier in Wien, aus den Gemeinden unserer Erzdiözese und aus den anderen Diözesen unseres Landes. Die konzelebrierenden Kardinäle und Bischöfe sind Zeichen dieser die Grenzen überschreitenden Gemeinschaft der Kirche: die Kardinäle aus Krakau und Prag, aus Nitra und Estergom, aus Köln (aber er stammt aus Schlesien!) und aus Paris (dessen Eltern aus Galizien kamen), die drei Nachbarbischöfe aus Brünn (der Heimat Sr. Restitutas), aus Trnava und aus Györ (der Nachfolger des vor kurzem selig gesprochenen Bischofs Vilmos Apor).

Doch vor allem sind Sie selber, Heiliger Vater, Zeichen der Einheit und der Versöhnung. Die Liebe Christi drängt Sie (2 Kor 5,14), die Mühe der Reise auf sich zu nehmen und uns, Ihre Brüder und Schwestern, nach dem Auftrag Jesu, im Glauben zu stärken (vgl. Lk 22,32) und uns, unserem Land, unseren Nachbarn, die Botschaft der unzerstörbaren Hoffnung zu bringen: die Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi, deren Strahlkraft Sie mit Ihrem ganzen Leben bezeugen.

Willkommen in Wien, Heiliger Vater!

Grüß Gott und Vergelt’s Gott !


HTML-Dokument aktualisiert am 31.07.1998 von Dr. Josef Spindelböck auf der Grundlage der vom Papstbüro bereitgestellten Texte.

Zurück zur Übersicht