Ansprache des Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz Johann Weber zur Begegnung Papst Johannes Pauls II. mit den österreichischen Bischöfen am 21. Juni 1998 in Wien
Heiliger Vater,
tief bewegt und dankbar für das Glaubenszeugnis, das Sie der Kirche und allen Menschen unseres Landes geschenkt haben, dürfen wir Ihnen am Ende Ihres dritten Pastoralbesuches in Österreich als Gemeinschaft der Bischöfe begegnen.
Wir blicken dabei nicht allein auf die drei Tage der geistlichen Herausforderung und Ermutigung, die wir gerade erlebt haben, sondern auf das Geschenk Ihres ganzen, zur Nachfolge Christi einladenden Petrusamtes.
Wir sind dankbar für Ihren von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Ruf an junge Menschen, ihrer Berufung nachzuspüren und sie mit Freude anzunehmen – zum Priester, in den Ordensstand, zur Ehe und in die vielfältigen Dienste am Nächsten. In einer Zeit der Beliebigkeit und Unverbindlichkeit eröffnen Sie uns die Vision einer Kultur der liebenden Hingabe und Treue.
Wir sind dankbar für die große Perspektive eines neuen, im Geist des Evangeliums gestalteten Europa. Sie widerspricht und widersteht dem Leid, den Schrecken, Spaltungen und dem Materialismus gerade unseres Jahrhunderts, weist uns den Weg in eine ganz neue Nachbarschaft und wird uns hoffentlich davor bewahren, ökonomische oder mentale Barrieren anstelle der alten aufzubauen.
Wir sind bewegt von Ihrem unermüdlichen Gebet und Einsatz für den Frieden auf der ganzen Erde und dankbar für die vielen ökumenischen, interreligiösen und politischen Dialoge, die von Ihnen inspiriert, gefördert und in den Krisengebieten dieser Erde mit dem Risiko des Lebens geführt wurden. Ihre lebendige Verkörperung der Kultur des Friedens Christi wird weit in das kommende Jahrtausend hineinleuchten!
Wir sind bewegt und herausgefordert durch die vom Stellvertreter Christi immer wieder eingemahnte Option für die Armen und das ungeschützte menschliche Leben. Sie wird gerade in unserer Wohlstandsgesellschaft, die zu leicht das Schicksal von Arbeitslosen, Flüchtlingen, Behinderten und einsamen Menschen verdrängt und der Verantwortung für den Beginn und das Ende menschlichen Lebens ausweicht, ein unabweisbares Kriterium des Einsatzes der katholischen Kirche bleiben. Ihr anschließender Besuch im Hospiz der Caritas Socialis, Heiliger Vater, wird ein lebendiges Zeichen für die von Ihnen erhoffte Kultur des Lebens sein.
Sie haben heute im Gottesdienst am Heldenplatz Schwester Restituta Kafka, Jakob Kern und Pater Anton Schwartz selig gesprochen und damit uns und der ganzen Kirche drei einfache, von Gott erfüllte Menschen bezeichnet, deren Gestalten uns auf unserem Weg zu Gott voranleuchten werden. Das gilt besonders auch für uns Bischöfe: die Liebe und Treue zu Christus, der Mut zum Glaubenszeugnis, der Dienst zur Fülle und Heiligung des Lebens aller.
Ihnen, Heiliger Vater, ist in besonderer Weise dafür Dank zu sagen, daß Sie durch Ihren Besuch die Gemeinschaft der österreichischen Bischöfe in diesem tiefsten Sinne Christi bestärkt haben, gerade nach einer Phase massiver innerkirchlicher Auseinandersetzungen und Probleme. Aus der Begegnung und Gemeinschaft mit Ihnen erwächst für den laufenden "Dialog für Österreich" spirituelle Weite und menschliche Tiefe.
So sage im Namen der österreichischen Bischöfe und aller katholischer Gläubigen Dank mit zwei volkstümlichen Redeweisen. Wenn einer besonders oder unverhofft zu Hilfe kommt, sagen wir: "Er ist ein Segen!" Ja, Sie sind ein Segen für uns, und Ihr dritter Pastoralbesuch war ein Segen, in dem tiefen religiösen Sinn, der in der christlichen Tradition unseres Landes verankert. ist. Aus dieser Tradition kommt auch das herzliche "Vergelt´s Gott", das ich Ihnen aussprechen darf.
HTML-Dokument aktualisiert am 31.07.1998 von Dr. Josef Spindelböck auf der Grundlage der vom Papstbüro bereitgestellten Texte.
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