Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt bei der Fatimafeier
in Mank
am 13. Juli 1997
Meßformular Marienmessen, Nr. 35: Maria,
Hort des Glaubens
L: Jdt 13,14.17-20; Ev: Lk 11,27-28
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Heute am 13. Juli des Fatima-Jubiläumsjahres 1997 feiern wir die Marienmesse mit dem Titel "Maria, Hort des Glaubens". Es ist der Glaube, der uns hier zusammengeführt hat und in dem wir die Mutter unseres Herrn Jesus Christus um ihre Fürsprache anrufen. Ohne Glaube kein Christentum, ohne Glaube keine Kirche, ohne Glaube kein ewiges Leben!
Und Maria, die jungfräuliche Gottesmutter, leuchtet uns voran und strahlt uns auf als Vorbild des Glaubens, als Mutter der Glaubenden.
Wie ist es Maria in ihrem Leben ergangen? Die heilige Jungfrau Maria suchte in allem den Willen Gottes zu erkennen und ihm zu entsprechen. Dabei hat Gott sie mit einer solchen Liebe umfangen und begleitet, daß sie in ihrem Leben nie eine Sünde begangen hat. Ja noch mehr: Maria war frei nicht nur von jeder persönlichen Sünde, sondern auch von jenem Fehlen an heiligmachender Gnade, das wir als "Erbsünde" bezeichnen. Wir nennen sie daher mit Recht die "Unbefleckte Empfängnis".
Aber ist dieser hochbegnadeten Jungfrau, dieser Jungfrau "voll der Gnade", wie sie der Engel Gabriel nennt, damit praktisch alles in den Schoß gefallen? War es für sie ganz leicht, in ihrem Leben Gottes Willen zu erfüllen und so das Heil zu wirken? Keineswegs. Es ist ein Geheimnis der göttlichen Gnade, daß Gott den Menschen nicht zwingt, sondern die Freiheit achtet. So war auch Maria in ihrer menschlichen Freiheit aufgerufen, das Ja des Glaubens zur göttlichen Berufung zu sprechen. Und dieses Ja zu Gott im Glauben umfaßte alle Kräfte ihrer Person. Der Glaube ist ja eine ganzheitliche Hingabe an Gott, worin sich der Mensch mit Verstand und Willen der göttlichen Offenbarung unterwirft und sich selber ganz an Gott verschenkt.
Maria hat diese Hingabe des Glaubens in ihrem Leben immer verwirklicht. Sie hat geglaubt, als ihr der Engel verkündete, daß sie die Mutter des Sohnes Gottes werden sollte. Sie hat geglaubt, als sie diesen Gottessohn unter ganz armseligen Verhältnissen im Stall von Bethlehem geboren hatte und er vor ihr in der Krippe lag, ihrer Obhut und der Obhut des heiligen Josef übergeben, ganz so wie ein anderes Menschenkind und doch anders. Aber dieses Anderssein Jesu, diese seine Gottessohnschaft, war nur erkennbar im Glauben derer, die reinen Herzens sind. Und Maria hatte diesen Glauben. Sie bewahrte ihn in ihrem ganzen Leben. Sie zweifelte nicht an den Fügungen und Führungen der Liebe Gottes. Sie zweifelte nicht bei der Flucht nach Ägypten und bei der Darstellung Jesu im Tempel zu Jerusalem. Sie zweifelte nicht, als der zwölfjährige Jesus für drei Tage gesucht werden mußte, weil er im Tempel zu Jerusalem war und dort mit den Schriftgelehrten diskutierte. Maria hielt das Ja ihres unerschütterlichen Glaubens auch dann durch, als es dunkel wurde in den Herzen vieler Menschen und Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Auch da zweifelte sie nicht: Jesus ist der Sohn Gottes, und er wird auferstehen!
Der Weg des Glaubens - er war für Maria bestimmt nicht einfach. Doch es war ihr Weg zur Herrlichkeit. Denn als Jesus auferstanden und in den Himmel aufgefahren war, sandte er den Heiligen Geist zu den Aposteln und Jüngern, die zusammen mit Maria und den anderen Frauen versammelt waren.
Als erste durfte Maria Jesus nachfolgen und wurde mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen, wo sie nun den Gläubigen leuchtet als Stern der Hoffnung und als sicheres Zeichen unseres künftigen Heiles.
So hat Maria in ihrem Leben allezeit die Worte Jesu verwirklicht: "Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen." (Lk 11,28)
Mehr als durch die natürlichen Bande der Verwandtschaft war sie mit ihrem Sohn Jesus Christus durch den Glauben verbunden. Ja der Glaube ging voraus, sodaß sie den Sohn Gottes zuerst durch den Glauben in ihrem Herzen empfing, bevor sie ihn in ihrem jungfräulichen Schoß vom Heiligen Geist empfangen durfte.
Auch wir gehen unseren Weg zu Gott als einen Pilgerweg des Glaubens. Noch schauen wir nicht das Wunderbare, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Aber wir vertrauen auf die Allmacht und Liebe Gottes, der uns in seinem Sohn Jesus Christus das göttliche Leben geoffenbart und mitgeteilt hat.
Führt unser Weg auch durch manche Dunkelheiten, so zweifeln wir dennoch nicht: Gott ist mit uns, und er verläßt uns nicht. So wie er Maria nie verlassen hat, sind auch wir in den Händen Gottes geborgen. Die selige Jungfrau Maria geht uns voran als Vorbild im Glauben, und sie tritt für uns ein bei ihrem göttlichen Sohn als mächtige Fürsprecherin. Sie bittet für uns, daß wir zunehmen im Glauben, daß wir stark werden in der Hoffnung und vom Feuer der Liebe zu Gott und den Menschen entzündet werden.
Gerade das Gebet des Rosenkranzes, zu dem die selige Jungfrau Maria in Fatima so sehr auffordert, bringt uns die wesentlichen Inhaltes des Glaubens vor Augen. Wenn wir das Leben Jesu und seiner Mutter betrachtend erwägen, so wird auch unser eigenes Leben von Gottes Liebe erhellt. Wir nehmen hinein in unser Gebet unsere Angehörigen und Freunde, aber zugleich die Anliegen der ganzen Kirche und der Menschheit!
Möge uns Maria von Gott den Frieden der Herzen und den Frieden der Welt erbitten, so wie sie es in Fatima den drei Hirtenkindern verheißen hat. Wir beten besonders für die Bekehrung der Sünder, damit Gott nicht noch mehr beleidigt werde und die Menschen bewahrt bleiben mögen vor dem Feuer der Hölle. In einer Vision vom 13. Juli 1917 konnten die drei Hirtenkinder Francesco, Jacinta und Lucia ja sogar die Hölle sehen. Wenn ihnen die Gottesmutter nicht vorher den Himmel versprochen hätte, wären sie vor Schrecken gestorben, so erzählten sie später.
"Die Lehre der Kirche sagt, daß es eine Hölle gibt und daß sie ewig dauert ..." (KKK 1035) "Die schlimmste Qual der Hölle besteht im ewigen Getrenntsein von Gott." (KKK 1057) Aber der barmherzige und gütige Gott möchte uns nicht mit der Hölle schrecken. Gott spricht deshalb von dieser realen Gefahr, damit die Menschen umkehren von den Sünden und sich zu Gott hinwenden, damit möglichst viele, ja alle gerettet werden! An uns liegt es zu einem großen Teil, ob wir mitwirken wollen mit der rettenden Liebe Gottes und stellvertretend für viele im Geist des Glaubens und der Buße Sühne leisten wollen für die vielen Sünden, durch die Gott beleidigt wird.
Haben wir Vertrauen! Gott nimmt unser schwaches Bemühen gnädig an, er schenkt uns sein Erbarmen. Das Unbefleckte Herz Mariens, das wir besonders verehren, wird uns hinführen zu den Quellen der Gnade, die uns aus dem geöffneten Herzen des Heilandes entgegenströmen.
Vertrauen wir uns noch mehr jeden Tag im Glauben der göttlichen Vorsehung an, die auch unser Leben lenkt und leitet und zur ewigen Vollendung bei Gott führen wird in der Gemeinschaft mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria und allen Engeln und Heiligen.
Amen.
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Gemeinschaft vom heiligen Josef