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Predigt:

25. Sonntag im Jahreskreis A (22.09.2002)

L1: Jes 55,6-9; L2: Phil 1,20ad-24.27a; Ev: Mt 20,1-16a


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Gottes Wege sind nicht unsere Wege“, heißt es sinngemäß in der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja. Wörtlich lautete der Abschnitt: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.“ (Jes 55,8–9)

Mit diesen Worten drückt der Prophet eine Erfahrung aus, die wohl auch wir persönlich schön öfter gemacht haben. Man hat seine Pläne und Vorstellungen, die sich möglichst genau so verwirklichen sollen, wie wir selber es wünschen. Freilich beten wir im „Vaterunser“: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden“, aber praktisch meinen wir ja doch meistens, daß unser Wille ganz genau dem Willen Gottes entspricht. Solange alles so läuft, wie wir es uns wünschen und vorstellen, sind wir zufrieden. Geht aber etwas schief oder kreuzt es sich mit unseren Plänen, dann machen wir gleich eine Tragödie daraus, so als ob wirklich etwas im Weltplan der göttlichen Vorsehung durcheinander gekommen wäre ...

Es ist verständlich, daß wir alle uns schwer tun mit persönlichen Enttäuschungen: Da hat der eine sich viele Jahre eingesetzt für ein bestimmtes berufliches Ziel, das er dann nicht erreicht – vielleicht aufgrund von Intrigen oder anderen Umständen. Da bemühen sich Eltern um die gute Erziehung ihrer Kinder, auch im Glauben, und diese geraten dennoch auf Abwege. Scheinbar alles umsonst! Wie sehr tut das weh, welch großer Schmerz erfüllt da das Herz dieser gute Eltern!

In diesen und ähnlichen Lagen kann uns das Wort Gottes Stärkung und Trost geben. Hier wird uns gezeigt, daß auch im Unglück, in der Not und Bedrängnis, in der menschlichen Enttäuschung und Niederlage noch ein großer Sinn beschlossen liegt. Gott kennt unser Leben, und er meint es immer gut mit uns!

Wie müssen sich doch auch jene Arbeiter frustriert gefühlt haben, die – wie das Gleichnis des Evangeliums berichtet – bis zur 11. Stunde, d.h. gegen 17 Uhr, ohne jede Arbeit dastanden. Sie waren nicht vermittelbar und zweifelten wohl schon an der Sinnhaftigkeit ihres Daseins und Wartens! Und dann kam doch noch die Einladung des Herrn, in seinen Weinberg zu gehen ... Der Weinberg Gottes, d.h. die Mitarbeit an seinem Reich, ist nicht gebunden an besonders günstige äußere Umstände. Manchmal ist es gerade das Leid und die persönliche Niederlage, die uns einen Weg eröffnen, mitzuwirken beim Erlösungswerk, zum Heil aller Menschen.

Wir denken im Monat September besonders an die schmerzhafte Mutter Gottes, die unter dem Kreuze stand. Alles schien umsonst. Die letzte Hoffnung war den meisten geschwunden. Nur Maria bewahrte in ihrem Herzen jenen unerschütterlichen Glauben, mit dem sie den übrigen vorausging und die Auferstehung des Herrn erwartete. Sie zeigt uns durch ihr Beispiel, daß wir ausharren und vertrauen sollen auch in widrigen Lagen. Gott kann alle Not zum Guten wenden; überall liegt ein Stück Hoffnung und Verheißung, denn das ewige Leben bei Gott gibt uns Ansporn auch für dieses Leben. Tun wir das Unsere, in den kleinen Schritten des Alltags, egal ob wir zu den Arbeitern der ersten oder der letzten Stunde gehören: den verheißenen Lohn wird Gott jenen schenken, die treu geblieben sind! Amen