www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

3. Sonntag der Osterzeit A (14.04.2002)

L1: Apg 2,14.22-33; L2: 1 Petr 1,17-21; Ev: Lk 24,13-35 Joh 21,1-14


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am letzten Sonntag wurde uns der Apostel Thomas vorgestellt, der von einem Zweifler zum überzeugten Bekenner des Glaubens an die Auferstehung Christi geworden ist. Sein Beispiel sagt uns: Der Glaube an Jesus Christus, den Auferstandenen, macht uns wahrhaft sehend!

Wie aber, liebe Brüder und Schwestern, verträgt es sich, daß wir täglich eine Welt um uns herum wahrnehmen, die so wenig von der Erlösung zu spüren scheint? Warum gibt es das Leiden und den Tod, das vielfache Unrecht, die Gewalt, den Krieg und den Terrorismus? Können wir angesichts dieser Vorgänge und Ereignisse noch an den Auferstandenen glauben? Wie muß es gerade in diesen Tagen den Christen im Heiligen Land ergehen, wenn sie sehen, daß sogar die Geburtskirche in Bethlehem belagert wird und es immer wieder zu Blutvergießen durch Gewalttaten von beiden Seiten kommt?

Angesichts solcher Erfahrungen drängt sich der Verdacht auf, unsere Glaube wäre bloß eine Beschwichtigung, eine fromme Einbildung, eine Legende oder ein Mythos oder gar „Opium für das Volk“ (Karl Marx). Wenn Christus aber nicht auferstanden ist, dann ist alles umsonst, formuliert Paulus (vgl. 1 Kor 15,14). Ist dieser Eindruck aber richtig? Ist dies das letzte Wort angesichts der oft harten und traurigen Wirklichkeit?

Wenn „das reale Leben“ unseren Osterglauben so radikal in Frage stellt, dann hilft uns nur der Blick zurück. Wir müssen geistig nochmals auf Jesus schauen, wie er am Kreuze hängt und zu scheitern droht, um von dort aus neu zu begreifen, was Auferstehung von den Toten bedeutet. Unser Osterglaube kann den Karfreitag und Karsamstag des Lebens nicht einfach überspringen; all das will durchgelitten und mitgetragen werden, damit wir Anteil erhalten an der Osterfreude und am Sieg des auferstandenen Herrn.

Auch die nachösterlich-pfingstliche Predigt des Apostels Petrus über die Auferstehung Jesu setzt beim Geschehen vor Ostern an. Er erinnert seine Zuhörer an jenen Jesus, den sie durch die Hand von Gesetzlosen (d.h. durch die römische Besatzung) ans Kreuz schlagen ließen. Sie sind durch ihre Zustimmung mitschuldig geworden an seinem Tod. Der Gerechte mußte leiden und scheinbar den Untergang erfahren. Zunichte gemacht war alle Hoffnung jener, die an Jesus festhielten als ihrem König und Messias. Der Tod hatte gesiegt, die Ungerechtigkeit war scheinbar stärker gewesen als das Recht. Die Gottlosigkeit meinte zu triumphieren!

Und doch war die Wirklichkeit eine andere: Was aussah wie das Ende jeder Hoffnung, war gerade ihre tiefste Neubegründung. Im Tod des Gerechten siegte das Leben! Durch seinen Tod hat Jesus Christus den Tod besiegt. Für den Sohn Gottes war es unmöglich, daß er im Grabe festgehalten wurde. So konnten die Apostel zu Zeugen dafür werden, daß Jesus auferstanden ist. Sie verkündeten mit Geist und Kraft die trostvolle Wahrheit: Christus lebt! Er ist nicht unter den Toten, sondern unter den Lebenden zu finden.

Kehren wir jetzt zurück in die Gegenwart! Unser Glaube an die Auferstehung Christi blendet die traurige Realität von Gewalt und Tod nicht einfach aus. Wir Christen leben nicht in einer kollektiven Verblendung oder gar in einer Art von Drogenrausch, die uns die Wirklichkeit nicht mehr sehen ließen. Doch etwas ist uns geschenkt: Das Licht Christi überstrahlt das Dunkel aller Bosheit und Gewalt, ja selbst die letzte Finsternis der Sünde und des Todes. In Christus ist das Leben, und wer an ihn glaubt, wird auch dann leben, wenn er stirbt!

Für uns alle ist es ein lebenslanger Lernprozeß, daß wir vor lauter Dunkelheit und Schatten das Licht nicht übersehen, das Gott uns täglich gibt. Suchen wir im Gebet die Verbindung mit dem auferstandenen Herrn. Er ist bei uns, besonders wenn wir gemeinsam beten. Daß Jesus Christus den Aposteln und Jüngern vor allem dann erschienen ist, als sie zusammen waren, sollte uns zu denken geben. Er hat mit ihnen gegessen und getrunken und ihnen so seine liebevolle Nähe gezeigt. Suchen wir doch die Gemeinschaft mit Gott gerade auch dann, wenn unsere Familien versammelt sind. Wäre es nicht eine Anregung, dort das Tischgebet wieder einzuführen, wo es nicht mehr im Brauch ist? Und sollten wir nicht jenes heiligste Mahl noch mehr schätzen, zu welchem uns Jesus bei jeder heiligen Messe als Frucht seines Opfers einlädt? In der heiligen Kommunion gibt sich uns der Auferstandene ganz hin und vereinigt sich mit uns!

Nur der Glaube öffnet uns den Weg zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Diesen Weg des Glaubens mußte auch Maria gehen, die Mutter Jesu Christi. Als er auferstanden war, durfte sie jubeln und sich von Herzen freuen. Sie möge uns begleiten, daß wir den Weg zu Jesus Christus finden, mitten in den Dunkelheiten dieses Lebens, in der Hoffnung auf das Licht der ewigen Verklärung und Verherrlichung auch unseres Leibes! Amen