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Predigt:

5. Fastensonntag A (17.03.2002)

L1: Ez 37,12b-14; L2: Röm 8,8-11; Ev: Joh 11,1-45


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Machtvolle Wunder hat unser Herr Jesus Christus gewirkt, als er auf Erden lebte und das Evangelium verkündete. So hat Gott gezeigt, daß Jesus Christus wirklich der Messias ist. Er ist der Sohn Gottes, an den die Menschen glauben sollen, um so das Heil zu erlangen.

Einen besonderen Rang in der Reihe der Wunder Jesu nimmt die Auferweckung des Lazarus ein. Daß Tote auferweckt werden, klingt derart unglaublich, daß man es schon fast selbst miterlebt haben muß, um zu begreifen, welcher Einbruch des Übernatürlichen in unser Leben hier geschieht. Es widerspricht einfach aller menschlichen Erfahrung, daß jemand, dessen Leichnam bereits ins Grab gelegt ist und am Anfang des Verwesungsprozesses steht, wieder zum Leben erweckt wird. Und dennoch konnten es jene nicht leugnen, die es miterleben durften!

Wieso wirkte Jesus dieses Wunder? Einerseits sicher deshalb, weil er mit den Schwestern des Lazarus – mit Maria und Martha befreundet war. Auf diese Weise zeigte er ihnen seine Liebe, indem er ihnen kraft göttlicher Macht den Bruder wieder ins Leben zurückgab.

Aber es steckt mehr hinter diesem Wunder Jesu: Der Erlöser wollte den Menschen ein Zeichen dafür geben, daß er wirklich die Macht hat über den Tod. Die Auferweckung des Lazarus sollte ein Vorausbild sein für seine eigene Auferstehung von den Toten.

Noch aber war es nicht so weit: Leiden und Tod standen bevor, und kaum jemand verstand diesen göttlichen Plan. Es waren nur wenige Getreue, wie Maria, die Mutter Jesus, und der heilige Johannes, der Jünger, den Jesus liebte. Diese ahnten etwas vom Geheimnis der Liebe Gottes, die sich gerade im größten Leid auf unvorstellbar tiefe und unüberbietbare Weise bewähren sollte.

Hat die Erzählung des Johannes-Evangeliums auch eine Bedeutung für unser Leben? Ganz sicher! Zum ersten will uns Jesus hinweisen auf den Wert des Glaubens, mit dem wir auf ihn vertrauen und an seinem Wort festhalten sollen. Der Glaube kann Berge versetzen, er macht Tote wieder lebendig. Wer glaubt, daß Jesus der Sohn Gottes ist, der ist aus dem Tod der Seele zum Leben mit Gott hinübergegangen. Er ist geistlich „auferstanden“. Wir tragen dieses ewige Leben Gottes in uns, wenn wir in der Freundschaft Gottes leben und uns bemühen, die Gebote Gottes zu halten und die Liebe zu üben. Umgekehrt wird die bewußt und freiwillig begangene schwere Sünde eben darum auch „Todsünde“ genannt, da sie den geistlichen Tod verursacht. Der Sünder hat das Leben mit Gott verloren, und kann dies nur wiedererhalten, wenn Gott ihm Reue und Umkehr schenkt und der Mensch diese Gnade annimmt. Das Sakrament der Buße vollzieht diese Versöhnung mit Gott und unter uns Menschen. Es bestärkt uns auf dem Weg zum Guten, und es erweckt uns zum Leben, wenn wir geistlich tot sind.

Die Auferweckung des Lazarus ist schließlich nicht nur Vorbild der Auferstehung Jesu, sondern auch unserer eigenen Auferstehung, die wir am Ende der Welt erwarten dürfen. Dann wird Gott die Leiber derer, die Gutes getan haben, mit großer Macht verherrlichen. So hoffen wir Anteil zu erhalten an der Seligkeit Gottes, die den ganzen Menschen erfüllen wird. Dann kennt unser verklärter Leib keinen Tod mehr. Wir sind der irdischen Daseinsweise entzogen und dürfen mit Christus und allen Heiligen ewig leben zum Lob der Herrlichkeit Gottes.

Eben diese doch schon österliche Hoffnung möchte uns die Kirche heute am 5. Fastensonntag vermitteln. Der Weg zur Auferstehung führte für den Herrn durch Kreuz und Leiden. Auch unser Leben kennt Zeiten der Prüfung und Stunden der Not. Uns trägt aber das Vertrauen, daß Gott es gut mit uns meint. Seine Wege sind immer Wege des Heiles und des Lebens, auch durch Dunkelheit hindurch. Empfehlen wir uns der Fürbitte der Gottesmutter Maria und des hl. Josef, den wir am 19. März feiern. Dann werden wir das Ziel unseres Lebens sicher erreichen! Amen