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Predigt:

5. Sonntag der Osterzeit A (28.04.2002)

L1: Apg 6,1-7; L2: 1 Petr 2,4-9; Ev: Joh 14,1-12


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Friedrich Nietzsche, der gottlose Philosoph des 19. Jh., hat einmal gesagt: „Erlöster müßten mir die Christen aussehen, wenn ich an ihren Gott glauben soll.“ Hat er Recht? Stimmen seine Beobachtungen, daß wir Christen uns selber und auch anderen mitunter zu wenig von der Erlösung zeigen? Wie können wir als österliche und erlöste Menschen leben?

Um österlich leben zu können, müssen wir zuerst den Osterglauben im Herzen tragen. Dieser besteht in der festen Überzeugung, daß Jesus Christus wahrhaft von den Toten erstanden ist. Ja, noch mehr: Wir glauben, daß Jesus Christus in der Herrlichkeit seines Vaters lebt und daß er zugleich bei uns ist. Dies ist unsere Hoffnung, und so erwarten wir auch das ewige Leben!

Wenn es uns wirklich ernst ist mit diesem unerschütterlichen Osterglauben, dann sollten wir eigentlich anders durchs Leben gehen. Sorgen und Leid, Angst und Mutlosigkeit werden uns zwar hin und wieder begleiten. Doch all dies sollte uns nicht in dieser Letztgültigkeit niederdrücken, wie es anderen Menschen widerfährt, die nicht an Christus glauben können. In Christus allein finden wir den Weg, die Wahrheit und das Leben. Er führt uns auf guten Wegen im Heiligen Geist zum himmlischen Vater.

Wie kann sich der Osterglaube auswirken auf unser Verhältnis zum Mitmenschen? Jesus Christus ist ja gestorben für uns alle. In ihm, dem Auferstandenen, sind wir neugeschaffen worden zu Söhnen und Töchtern des himmlischen Vaters. So soll uns eine tiefe Erfahrung christlicher Brüderlichkeit (heute sagt man lieber: Geschwisterlichkeit) verbinden. Gewiß: Nicht jeder Mensch ist uns gleich sympathisch. Es gibt angenehme und schwierigere Mitmenschen. Doch sollte es nicht so sein, daß wir mit einem bestimmten Menschen überhaupt nicht „können“. Das Verbindende muß stets größer sein als das Trennende. Wenn uns das auf der natürlichen Ebene nicht gelingt, dann sollte es wenigstens vom Glauben her klar sein: Der Nächste ist immer unser Bruder und unsere Schwester. Wir sollen die Mitmenschen achten und ehren und ihnen in Liebe beistehen, wenn sie unsere Hilfe benötigen. Vor allem aber sollen wir für unsere Nächsten, ja sogar für unsere Feinde beten und ihnen Gutes wünschen. Dann sind wir wahrhaft Kinder des himmlischen Vaters, der seine Sonne aufgehen läßt über Guten und Bösen.

Ja – so werden wir jetzt vielleicht einwenden – das mag alles richtig sein. Doch woher nehmen wir die Kraft dazu? Sind wir da nicht allesamt überfordert? Ja und nein. Wir sind gewiß überfordert, wenn wir nur auf uns selber blicken. Wir sind nicht überfordert, wenn uns Gott seine Gnade schenkt. Er liebt uns und hilft uns, das Leben so zu bestehen, wie es seinem Gebot der Liebe entspricht.

Vielleicht, liebe Gläubige, sollten wir wieder beten lernen. Gewiß: Wir beten hier in der Kirche, hoffentlich auch zu anderen Zeiten. Es hat eine gute Tradition in dieser Pfarre, daß es den wöchentlichen gemeinsamen Rosenkranz gibt. Jetzt im Mai werden wir uns wieder voll vertrauen an die Gottesmutter Maria, die Maienkönigin, wenden. Könnte das nicht ein Anlaß für uns sein, das Gebetsleben wieder in einer sehr persönlichen Weise zu aktivieren? Beispielsweise könnten wir während des Tages für ein paar Augenblicke innehalten und uns Gott anempfehlen. Momente der Stille helfen uns, zum Wesentlichen zu finden. Sonst gehen wir unter im Getriebe unseres Alltags.

Auch in den Familien ist das Gebet ganz wesentlich. Wenn wir nicht mehr gemeinsam mit Gott reden, werden wir uns auch einander immer weniger zu sagen haben. Suchen wir also das Gespräch mit Gott – nichts anderes heißt ja beten! –, er hört uns bestimmt und wird uns erhören.

Wenn wir dies tun, dann werden wir auch den gemeinsamen Gottesdienst auf eine neue und tiefere Weise begreifen und feiern. Es wird uns zum Herzensanliegen werden, teilzunehmen am Opfer des Herrn, in dem er seinen Tod und seine Auferstehung gegenwärtig setzt. Jesus Christus in der heiligen Kommunion wird uns begleiten und dem Alltag eine neue Qualität der Liebe geben.

Seien wir also voll Hoffnung. Möge uns die Gottesmutter Maria begleiten mit ihrer Fürbitte, daß wir Jesus Christus den Auferstandenen finden und ihm in Freude unser Leben schenken. Dann werden wir als Christen wirklich Zeugen der Erlösung sein. Unser Leben wird ausstrahlen und auch andere zu Gott führen können. Amen