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Predigt:

7. Sonntag der Osterzeit A (12.05.2002)

L1: Apg 1,12-14; L2: 1 Petr 4,13-16; Ev: Joh 17,1-11a


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der heutige „Muttertag“ ist zwar als solcher kein eigenes kirchliches Fest: Wir feiern ja gemäß der Liturgie der Kirche den 7. Sonntag der Osterzeit, also den letzten Sonntag vor Pfingsten. Überdies ist heute der „Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“, zu dem der Papst jedes Jahr eine eigene Botschaft veröffentlicht, heuer übrigens über die Kirche und das Internet.

Und dennoch: Mit dem „Muttertag“ ist ein derart wichtiges Anliegen für uns alle erfaßt, für die Familien, für die einzelnen, für Kirche und Gesellschaft, daß wir einfach nicht daran vorbeigehen können und wollen. Selbstverständlich schätzt die Kirche die Berufung der Mütter und dankt ihnen allen für ihren oft mühevollen und aufopfernden Dienst!

Vergessen wir nicht: Es war der Sohn Gottes selber, der in diese Welt eintreten wollte als wahrer Mensch, „geboren von einer Frau“ (Gal 4,4). So zeigte er, wie wichtig es für einen jeden Menschen ist, eine Mutter zu haben – nicht nur im biologischen Sinn, sondern noch mehr im umfassend menschlichen Sinn der Zuwendung und mütterlichen Fürsorge für das Kind!

Gott schuf den Menschen als Mann und als Frau. Beide sind gleichwertig vor Gott, da sie nach dem Abbild Gottes erschaffen sind. Ihre gleiche Würde schließt aber eine verschieden Weise ihrer Verwirklichung nicht aus. Die Berufungen des Mann- und Frau-Seins sind nicht einfach austauschbar. Wenn eine Frau ein Kind bekommt, so ist das normalerweise nicht einfach ein Geschehen, das abläuft. Es ist vielmehr ein Vorgang, der ihre ganze Person betrifft, mit Leib und Seele.

Jesus hat das einmal sehr anschaulich geschildert: „Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, daß ein Mensch zur Welt gekommen ist.“ (Joh 16,21)

Diese Beobachtung aus dem Leben nimmt Jesus zum Anlaß für einen Vergleich: Auch die Jünger trauern in dieser Weltzeit über so manches Ungemach und so manche Not und Beschwernis; diese Trauer wird ihnen genommen werden, wenn Gott alles vollendet. Dann wird es nur mehr Freude geben!

Es ist menschliches Leben am Ursprung, dem die Frau in besonderer Weise dienen darf. Doch auch für das menschliche Wachstum und die menschliche Reife ist der Beitrag beider Eltern – Väter wie Mütter – an sich unverzichtbar. Natürlich gibt es irreguläre Situationen, in denen ein Elternteil alle Aufgaben zu erfüllen hat. Wer würde aber nicht mehr als gerade jene Betroffenen spüren, daß es nicht ideal ist, allein verantwortlich zu sein für die Kinder und das Wohlergehen der Familie? Oft sind es tatsächlich die Mütter, die die Hauptlast zu tragen haben!

Der heutige Tag läßt uns nach Vorbildern ausschauen für unsere Mütter. Immer wieder hat es große Frauen gegeben, die sich bewährt haben – oft still und unbedankt. Diejenige, die alle mütterliche Freude, aber auch viel Leid mitgemacht hat, war sicher die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria.

Wie sehr hat sie sich selber zurückgestellt, um dem Plan Gottes zu dienen! Wie war sie in Liebe und Fürsorge dem Jesuskind sowie dem heiligen Josef, ihrem Ehemann, zugetan! Die Kraft dazu hat sie erhalten sowohl aus der menschlichen Liebe, die sie mit ihrem Kind sowie mit ihrem jungfräulichen Gemahl verbunden hat, wie auch und vor allem aus der Liebe des Dreifaltigen Gottes. Gott hat Maria ganz tief hineingenommen in die Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, und eben aus dieser gnadenhaften Teilnahme am göttlichen Leben hat sie auch ihre Mutterrolle und –aufgabe ganz gelebt und erfüllt. Sie sah ihren Dienst nicht als „Job“ oder als lästige Verrichtung, sondern als besondere und ehrenhafte Berufung.

Liebe Frauen und Mütter! Es kommt nicht darauf an, wie viele Kinder eine Frau ins Leben setzen durfte und begleiten konnte bei ihrem Heranwachsen. Gewiß: Kinder sind stets eine Gabe Gottes. Noch wichtiger ist es für jede Frau, ein mütterliches Herz zu haben. Es ist ein Herz, das liebt und offen ist für die Nöte der Familie und aller Menschen. Es ist ein Herz, das zur Hingabe bereit ist und einen starken Glauben besitzt inmitten aller Not und Dunkelheit. Es ist ein Herz, das sich die Hoffnung nie nehmen läßt und stets an das Gute und Bessere im Menschen glaubt. Es ist ein Herz, das lieben kann und andere zur Liebe zu führen imstande ist. Solche Frauen – solche Mütter – brauchen wir auch in Zukunft! Davon leben wir, und dafür danken wir heute Gott dem Herrn und ihnen allen. Der Dank soll allerdings nicht so aussehen, daß wir unsere Frauen und Mütter nur an diesem einen Tag „hochleben“ lassen und sonst nicht viel übrig haben für sie ... Vielmehr ist jeder Tag auch „Muttertag“!

Wir empfehlen uns der gemeinsamen himmlischen Mutter Maria! Sie zeige uns die gebenedeite Frucht ihres Leibes, ihren Sohn Jesus, und führe uns zur ewigen und seligen Gemeinschaft mit ihm. Amen