Dr. theol.
habil. Josef Spindelböck
Verbunden in Liebe und Frömmigkeit
Predigt am Fest der Heiligen Familie
30. Dezember
2007 - Lesejahr A
L 1: Sir 3,2-6.12-14
(3-7.14-17a); L 2: Kol 3,12-21; Ev: Mt 2,13-15.19-23
Alle liturgischen Texte online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, wollte in einer menschlichen Familie zur Welt kommen und aufwachsen. So freuen
wir uns am heutigen Fest über die Heilige Familie, über Jesus, das Kind, Maria,
seine jungfräuliche Mutter, und
den heiligen Josef, den väterlichen Beschützer des Jesuskindes
und den jungfräulichen Gemahl Marias.
Wie wichtig eine gute Familie für das Heranwachsen der Kinder ist, lehrt uns die Erfahrung:
Entweder hatten oder haben wir das Glück, einer Familie anzugehören, in der die
Mitglieder aufeinander Rücksicht nehmen und in Liebe füreinander da sind. Dafür
können wir nicht genug dankbar sein.
Oder aber wir wissen um den Wert einer Familie aus der Erfahrung dessen, dass
es eben mancherorts nicht so ist, wie es sein sollte: dass es (leider!) in Ehen
und Familien auch Streit und Unverständnis gibt, Egoismus und Ablehnung von
Kindern, Drohung und Gewalt. Aber diese traurigen
Vorkommnisse sprechen nicht gegen, sondern für die Ehe und die Familie, allerdings so, wie sie nach dem Plan Gottes sein soll, um wirklich dem Wohl der Menschen zu dienen und ihre
Angehörigen auf den Weg des Heiles
zu führen.
Wenn wir an diesem Fest auf die Heilige Familie blicken, dann sind wir
uns bewusst, dass wir diese Familie in ihrer Einzigartigkeit nicht einfach auf
unsere „normalen“ Familien übertragen können. Und doch gibt es vieles, was uns
ein Vorbild ist und sein soll, woraus wir Kraft und Ermutigung schöpfen. In der
Heiligen Familie war vor allem die Liebe stets anwesend, und dann war
diese Familie ganz mit Gott verbunden: Gott
war ihr Mittelpunkt.
Maria und Josef liebten sich aus ganzem Herzen, auch wenn ihre Ehe aufgrund einer
besonderen Berufung Gottes eine jungfräuliche Verbindung war und deshalb
sexuell nie vollzogen wurde. Sie nahmen einer an, und schenkten sich einander
in Liebe. Es war eine Liebe, die zugleich ganz
in Gott verankert und geborgen war. Indem sie einander in Liebe zugetan
waren, führten sie sich gegenseitig auf den Weg des Heils, wie es ja in jeder
Ehe der Fall sein soll.
Ganz besonders liebte Maria das
Jesuskind, und auch der heilige Josef war ihm in väterlicher Weise
zugetan: Vor dem Gesetz Israels galt er ja als Vater, obwohl Jesus nicht sein
leibliches Kind war, und er übte seine Vaterrechte und –pflichten gewissenhaft
aus. Beide Gatten, Maria und Josef, sahen aber im Jesuskind nicht nur einen
Menschen, sondern hatten wohl auch eine Ahnung von jenem innersten Geheimnis der Existenz Jesu, das sich im Laufe der Zeit auch
den übrigen Menschen offenbaren sollte: Er sollte der Messias sein, ja, es war Gott
selber, der hier Mensch geworden war.
Dennoch brauchte dieses Kind
all jene Zuwendung, Pflege und Fürsorge,
wie sie ein Kind eben braucht, und hierzu waren Maria und Josef in Liebe
bereit. Liebe und Hingabe gegenüber den Kindern und Bereitschaft, Kinder
überhaupt anzunehmen: das sollte auch unsere
Familien heute auszeichnen. Darin liegt die Zukunft von Kirche und
Gesellschaft, dass es gute Ehe und Familien gibt, in denen Kinder als Reichtum und nicht als Belastung erlebt werden, in denen
sie von den Eltern und Geschwistern in
Liebe angenommen und ins Leben eingeführt werden.
Wie aber muss die Liebe des
Jesuskindes gewesen sein, die es seinen Eltern erwiesen hat? Solange es
klein war, konnte es diese Liebe nicht in besonderer Weise äußern, und doch
muss ein Leuchten in den Augen des Kindes sichtbar gewesen sein, welches für
Maria und Josef ein Hinweis war, dass es eben nicht ein Kind wie die übrigen war, sondern der Sohn Gottes, der ihnen als Mensch
anvertraut war. Wie der kleine Jesus dann heranwuchs, übte er sich in kindlichem Gehorsam und in liebevollem
Dienst. Und als er dann größer war und den irdischen Eltern zeigte, dass es für
ihn entscheidend war, zuerst und vor
allem dem himmlischen Vater zu
dienen, auch da vergaß er die Pflichten der Liebe nicht, welcher ein Sohn
gegenüber seinen Eltern hat. Ausdrücklich heißt es ja nach der Rückkehr von der
Wallfahrt des zwölfjährigen Jesus mit Maria und Josef in den Tempel, dass er
ihnen gehorsam war.
So kann uns das Beispiel der Heiligen Familie doch auch vieles sagen für
unsere Familien: Es kommt darauf an,
dass sie stets neu zu Heimstätten der
Liebe und des Gebetes werden. Gegenseitige Annahme, Dasein füreinander,
Hilfsbereitschaft, Verzeihen und Neubeginnen in Liebe sind gleichsam das „tägliche
Brot“ für eine gute Ehe und Familie. Es kann und braucht nicht alles „perfekt“
zu sein, aber gerade auch im Umgang mit den Schwachheiten und
Unzulänglichkeiten zeigt sich die Kraft echter Liebe, welche nie aufgibt,
sondern stets neue Wege kennt, ihre Treue zu erweisen und so Hoffnung zu geben.
Unerlässlich ist das Gebet in der
Familie: am besten gemeinsam, aber
natürlich auch einzeln, so wie jeder Zeit hat und es mit den übrigen Aufgaben
am besten verbinden kann. Wo die Gemeinschaft der Familienangehörigen in Gott
verankert ist, wird der Segen Gottes
besonders spürbar, den jede Ehe und Familie braucht, gerade auch in unserer
Zeit! Amen.