Dr. Josef Spindelböck

Predigt am Fest der Heiligen Familie
26. Dezember 2004

L 1: Sir 3,2-6.12-14; L 2: Kol 3,12-21; Ev: 2,13-15.19-23
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Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Heuer feiert die Kirche am 2. Weihnachtsfeiertag, dem Fest des Erzmärtyrers Stephanus, aufgrund des Sonntags zugleich das „Fest der heiligen Familie“. Entsprechend der liturgischen Ordnung tritt der Blutzeuge Stephanus damit in den Hintergrund, da sich die Messtexte auf die Heilige Familie beziehen.

Unser Blick geht zur Krippe, wo wir die Heilige Familie antreffen: Zu ihr gehören Maria, die Jungfrau und Mutter, Josef, der jungfräuliche Ehemann und väterliche Beschützer, sowie das Kind Jesus, der in einer menschlichen Familie aufwachsen wollte. Im Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes hat Gott Ja gesagt auch zur menschlichen Familie.

Im Anfang schuf Gott der Herr den Menschen als Mann und Frau. Er hat sie füreinander bestimmt, sodass sie im Bund ehelicher Liebe einander beistehen und gemeinsam Sorge tragen für das Leben der Kinder, die Gott ihnen schenkt. In unverbrüchlicher Treue und Hingabe sollen sie füreinander da sein, bis dass der Tod sie scheidet.

Wie war das Leben der Heiligen Familie? War dies nur eine Idylle, wie uns dies auf den ersten Blick scheinen mag? Wir können wohl sagen: Nein. Auch diese Familie wurde vielfach geprüft. Schon die äußeren Umstände der Geburt des Jesuskindes waren alles andere als einfach. Armut und Ablehnung vonseiten anderer mussten Maria und Josef erfahren, als sie eine Herberge für das noch nicht geborene Kind suchten. Bald nach der Geburt kam die Flucht nach Ägypten, wodurch die Heilige Familie dem Kindermord des Herodes auswich. Als dann nach einiger Zeit die Heilige Familie wieder nach Nazareth zurückgekehrt war, wissen wir nicht viel über das Leben des Kindes Jesus bei seinen Eltern. Bestimmt machte Jesus seiner Mutter Maria und dem heiligen Josef, der ihn wie ein Vater beschützte, viel Freude. Spätestens die Wallfahrt mit dem 12jährigen Jesus nach Jerusalem zeigt uns jedoch, dass das Kind eigene Wege zu gehen beginnt. Für einige Tage trennt sich Jesus von seinen Eltern, da er im Haus seines himmlischen Vaters sein will, im Tempel. Gottes Wege und Pläne sind auch für Maria und Josef unbegreiflich. Sie nehmen dies aber an und kehren dann wieder mit Jesus zurück.

Bis zum Alter von ungefähr 30 Jahren hat sich der junge Jesus bei seiner Familie aufgehalten. Da die Heilige Schrift später von Josef nichts mehr berichtet, wird angenommen, dass er irgendwann im Kreis seiner Angehörigen gestorben ist. An der Hand Marias und an der Seite Jesu durfte dieser gerechte Mann sein Leben vollenden und seine Seele an Gott zurückgeben. Wahrscheinlich hat danach Jesus als junger Mann, der bereits ein Handwerk ausübte, für seine Mutter Maria gesorgt.

Und dann kamen die Jahre des öffentlichen Wirkens unseres Herrn Jesus Christus. Hier geschieht die endgültige Ablöse von seiner Familie. Seine eigentliche Familie sind von nun an alle, die das Wort Gottes hören, im Herzen annehmen und im Leben verwirklichen. Diese sind ihm Bruder, Schwester und Mutter. Die rein irdische Verwandtschaft wird hier relativiert. Wenn wir aber bedenken, wie gerade seine Mutter Maria ihren Sohn auch im öffentlichen Leben und Wirken begleitet hat und treu zu Jesus gestanden ist bis unter das Kreuz, dann wird uns klar, dass Jesus mit dieser Aussage seine eigene Mutter nicht zurückstellen wollte. Sie war ja in gewisser Weise die erste Jüngerin ihres Sohnes Jesus, da sie geglaubt hat und das Wort Gottes in ihrem Herzen bewahrt hat. Als Jesus dann am Kreuze starb und am dritten Tage von den Toten auferstand, da jubelte das Herz Mariens nach dem durchgestandenen Leid. Maria wurde nach einer nicht näher bekannten Zeit mit Leib und Seele aufgenommen in die Herrlichkeit des Himmels.

So dürfen wir darauf vertrauen, dass die Heilige Familie auch uns allen beisteht. Sie ist uns ein Vorbild, und wir dürfen unsere Anliegen Maria und Josef und dem Jesuskind anempfehlen. Wenn es in unserer heutigen Gesellschaft so viele Gefahren für die Familien gibt, so viele Benachteiligungen und auch Bedrohungen für das Leben der Kinder, so bitten wir Gott um Kraft und Stärke für gute Ehen und Familien.

Viele Menschen geben ein Zeugnis für die Liebe Gottes, wie sie gerade jenen zugesagt ist, die im Sakrament der Ehe verbunden sind. Durch das familiäre Gebet und Zusammenleben werden Werte grundgelegt, die entscheidend sind für die weitere Entwicklung und Entfaltung des Lebens der Kinder. So danken wir Gott für das Vorbild der Heiligen Familie, indem wir alle als große Familie Gottes einstimmen in den Lobpreis seiner Werke! Amen.

 

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