Josef Spindelböck

Vom Ankommen des Reiches Gottes bei uns

Predigt am 13. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 28. Juni 2009

L1: Weish 1,13-15; 2,23-24; L2: 2 Kor 8,7.9.13-15; Ev: Mk 5,21-43
Alle liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Im Evangelium dieses Sonntags begegnet uns Jesus Christus vor allem als Heiland und Wundertäter. Menschen in Not wenden sich vertrauensvoll an ihn, und er hilft ihnen. Dies zeigt sich bei der Frau, die schon Jahre an einer unheilbaren Krankheit litt und die durch die Berührung mit dem Gewand Jesu geheilt wurde; dies zeigt sich noch eindringlicher in der Totenerweckung der eben verstorbenen Tochter des Synagogenvorstehers Jairus durch Jesus.

Die Wunder Jesu sind Zeichen für die Nähe des Reiches Gottes. Mit dem Kommen des Gottessohnes in diese Welt hat sich etwas Grundlegendes verändert: Wir sind nicht mehr uns selber überlassen, sondern wissen, dass Gott bei uns ist (= Immanuel) und uns tröstet und stärkt in aller Not.

Freilich haben manche Hörer und Leser die Botschaft Jesu auch missverstanden und gemeint, er hätte allem Elend auf der Welt ein Ende bereiten sollen. Weil dies offenkundig nicht geschehen ist, so zweifeln sie an seinem Wort oder lehnen ihn ganz ab. Deshalb ist es für uns als Glaubende wichtig zu fragen, wozu Jesus Christus in diese Welt gekommen ist. Die Antwort darauf lässt sich nur im Blick auf sein ganzes Leben finden: Wir blicken nicht nur auf seine Heilungen und Wunder und auf seine Predigt- und Lehrtätigkeit, sondern auch auf sein Sterben am Kreuz und auf seine Auferstehung. Erst dann wird vollständig sichtbar, wozu Gottes Sohn zu uns Menschen in die Welt gekommen ist.

Jesus selbst hat es einmal so formuliert: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10b) Und gleich anschließend sagt er: „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“ (Joh 10,11)

Welches Leben schenkt uns Christus? Sicher zuerst und eigentlich das ewige Leben, die Gemeinschaft mit Gott, die uns auch durch den irdischen Tod nicht genommen werden kann, wenn wir im Frieden Christi sterben. Diese Gemeinschaft der Liebe findet im Himmelreich ihre Vollendung und Erfüllung!

Aber wie die Beispiele aus dem heutigen Evangelium zeigen, gewinnt das Reich Gottes auch konkret in diesem Leben schon Gestalt. Es zeigt sich für Glaubende auch schon in diesem Erdenleben ein „Zugewinn“ an „Lebensqualität“; dies wird im Evangelium ganz real erlebbar und spürbar, wenn eben eine Frau von ihrem langjährigen Blutungsleiden geheilt wird oder gar das früh verstorbene Mädchen von Jesus wieder ins Leben zurückgeholt wird.

Können sich nicht auch in unserer Zeit „Wunder der Nächstenliebe“ ereignen? Wenn Menschen füreinander einstehen, sich für andere einsetzen, großmütig Hilfe leisten, dann verwirklicht sich für Betroffene mitunter so etwas wie Auferstehung und Neubeginn. Dies wurde auch in den letzten Tagen in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten wieder erlebbar, wenn Menschen in Not gespürt haben, dass andere für sie da waren und ihnen mit dem Nötigsten geholfen haben. Wenn dies noch dazu aus christlicher Überzeugung geschieht, so öffnet sich ein Stück weit der Himmel, auch wenn es in Strömen regnet …

Natürlich dürfen wir nicht dem Irrtum verfallen, wir könnten ein „irdisches Paradies“ erschaffen oder es komme nur auf das diesseitige Glück an, denn man wisse ja ohnehin nicht, ob nach dem Tod noch etwas anderes komme. Die Botschaft Jesu richtet sich ja gerade auf das Kommen des Reiches Gottes und seine ewige Vollendung. Aber genauso falsch wäre es zu sagen, es sei egal, wie es den Menschen im Diesseits ergehe, es komme nur auf das Jenseits an. Dann würden wir unsere Verantwortung verleugnen, die wir nun einmal hier auf Erden haben und die uns Gott selbst geschenkt hat. Mit Gottes Hilfe sind wir aufgerufen, für die Würde der Menschen einzutreten und gerade so dem Himmelreich die Wege in die Herzen der Menschen zu bereiten.

Dies zeigen Missionare in allen Teilen der Welt auf, die für den christlichen Glauben einstehen und sich zugleich für die Verbesserung der konkreten Lebensbedingungen der Menschen einsetzen. Sie folgen den Worten und dem Beispiel Jesu, der gesagt hat, was immer wir einem von unseren Brüdern und Schwestern tun, das haben wir ihm getan!

Amen.

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