www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

In der Wahrheit die Liebe

15. Sonntag im Jahreskreis B (12.07.2009)

L1: Am 7,12-15; L2: Eph 1,3-14; Ev: Mk 6,7-13


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Papst Benedikt XVI. hat am Dienstag dieser Woche seine dritte Enzyklika vorgestellt. Sie trägt den Titel Caritas in veritate und widmet sich den sozialen Fragen der Gegenwart aus christlicher Perspektive. Drängend sind die weltweiten Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise, und wie leider so oft trifft es auch diesmal die Ärmsten der Armen in besonders drastischer Weise. Ungerechtigkeit und Egoismus stehen an der Wurzel dieser Fehlentwicklungen, und so braucht es nicht nur eine Behandlung der Symptome, sondern der Ursachen.

Die Kirche gibt selbstverständlich keine „technischen“ Antworten und Lösungen vor; diese zu finden ist den Menschen in ihrer jeweiligen Verantwortung aufgetragen, vor allem auch den Experten, und dies gerade im Zusammenwirken der sozialen Gruppen, Staaten und internationalen Organisationen. Was die Kirche aber sehr wohl zu verkünden hat, ist der Aufruf an die Gewissen der Menschen, sich von aller Ungerechtigkeit loszusagen und Wege der Versöhnung, des Friedens, der Gerechtigkeit und vor allem der Liebe zu suchen.

Schon in den Einleitungsworten verkündet der Papst das Programm für die Erneuerung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens: „Caritas in veritate – die Liebe in der Wahrheit, die Jesus Christus mit seinem irdischen Leben und vor allem mit seinem Tod und seiner Auferstehung bezeugt hat, ist der hauptsächliche Antrieb für die wirkliche Entwicklung eines jeden Menschen und der gesamten Menschheit.“ Und er fährt fort: „Die Liebe – »caritas« – ist eine außerordentliche Kraft, welche die Menschen drängt, sich mutig und großherzig auf dem Gebiet der Gerechtigkeit und des Friedens einzusetzen. Es ist eine Kraft, die ihren Ursprung in Gott hat, der die ewige Liebe und die absolute Wahrheit ist.“[1]

Auf die Bereitschaft der Menschen für Gottes Liebe kommt es also letztlich an: ob sie offen und bereit sind sich dafür zu öffnen und damit auch selber zu Boten der Liebe zu werden oder ob sie sich in Stolz und Selbstgenügsamkeit verschließen und so nicht einer „Kultur des Lebens“, sondern einer „Zivilisation des Todes“ die Wege bereiten.

Die Enzyklika ist gleichsam ein prophetischer Weckruf: nicht nur für die Reichen und Mächtigen dieser Welt, sondern für uns alle. Dabei geht es um nichts anderes als um das wahre Glück des Menschen, das sich nicht allein in irdischen Bezügen verwirklicht, sondern seine Vollendung in der Seligkeit des Himmels findet. So wird es bei allem menschlichen Bemühen um Fortschritt und Entwicklung nie möglich sein, gleichsam ein „Paradies auf Erden“ zu schaffen, weil der Mensch eben nicht hier sein letztes Ziel finden kann, da er zu Höherem und Größerem berufen ist, nämlich zum ewigen Leben bei Gott.[2]

Wie aber finden wir unser Glück? Der Papst gibt darauf folgende Antwort: „Jeder findet sein Glück, indem er in den Plan einwilligt, den Gott für ihn hat, um ihn vollkommen zu verwirklichen: In diesem Plan findet er nämlich seine Wahrheit, und indem er dieser Wahrheit zustimmt, wird er frei (vgl. Joh 8, 22).“[3]

Gott hat also für einen jeden von uns schon einen Plan der Liebe im voraus konzipiert; dieser Plan ist keine Einschränkung unserer Freiheit und Eigeninitiative, sondern entspricht unserem tiefsten Wesen und Sehnen. Gott, der Schöpfer, will unser Bestes, und er weiß, was uns wirklich entspricht. Wir dürfen ihm zutrauen, dass er unser Leben zum Guten hin lenkt, wenn wir uns ihm ganz anvertrauen.

Vor allem kommt es auf die Liebe zu Gott und zum Nächsten an, denn: „Aus der Liebe Gottes geht alles hervor, durch sie nimmt alles Gestalt an, und alles strebt ihr zu. Die Liebe ist das größte Geschenk, das Gott den Menschen gemacht hat, sie ist seine Verheißung und unsere Hoffnung.“[4] Keinen anderen Weg lehrt uns die Kirche in ihrer Soziallehre. Von der Liebe hängt das gute Klima und das Zusammenleben ab in den Freundschaften, Familien und kleinen Gruppen; aber die Liebe soll auch die großen Beziehungen prägen in den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen.[5]

Vielleicht werden manche die Kirche und den Papst kritisieren und sagen: Solche Aussagen sind nicht realistisch, da wir jeden Tag aufs neue erleben, wie sehr das Böse das Antlitz der Welt entstellt und den Lauf der Dinge prägt.

Man kann aber diese Kritik ins Umgekehrte wenden und sagen: Gerade deshalb braucht es das Licht der Liebe Christi, weil die Welt eben durch und durch erlösungsbedürftig ist. Ohne Gott, ohne die Liebe, die von Gott kommt, liegt die Welt im Argen. Öffnen wir uns dem Erlöser, Christus dem Herrn, so wie Maria bereit war für sein Kommen in diese Welt! Dann wird auch in unserem Leben neue Hoffnung aufstrahlen, die andere anzustecken vermag.

Recht verstanden ist es gerade der Glaube an die frohe Botschaft der Liebe Gottes, der uns antreibt zum Einsatz für mehr Menschlichkeit in dieser Welt. Papst Benedikt hält fest:

„Die Liebe Gottes ruft uns zum Aussteigen aus allem, was begrenzt und nicht endgültig ist; sie macht uns Mut, weiter zu arbeiten in der Suche nach dem Wohl für alle, auch wenn es sich nicht sofort verwirklichen lässt, auch wenn das, was uns zu verwirklichen gelingt – uns und den politischen Autoritäten und Wirtschaftsfachleuten –, stets weniger ist als das, was wir anstreben. Gott gibt uns die Kraft, zu kämpfen und aus Liebe für das gemeinsame Wohl zu leiden, weil er unser Alles, unsere größte Hoffnung ist.“[6]

Amen.


[1] CIV 1.

[2] „Ohne die Aussicht auf ein ewiges Leben fehlt dem menschlichen Fortschritt in dieser Welt der große Atem.“ (CIV 11)

[3] CIV 1.

[4]CIV 2.

[5] „Das Tun ist blind ohne das Wissen, und das Wissen ist steril ohne die Liebe. Denn »der wahre Liebende (ist) erfinderisch im Entdecken von Ursachen des Elends, im Finden der Mittel, es zu überwinden und zu beseitigen«.“ (CIV 30 mit Zitat aus „Populorum progressio“, Nr. 75)

[6]CIV 78.