Josef Spindelböck

Die grenzenlosen Möglichkeiten Gottes

Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 26. Juli 2009

L 1: 2 Kön 4,42-44; L 2: Eph 4,1-6; Ev: Joh 6,1-15

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

„Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!“ Diese Worte des Apostels Andreas aus dem Evangelium dieses Sonntags drücken die Not aus, der sich Jesus und seine Jünger gegenübersehen: Viele Menschen – 5000 Männer heißt es, dazu auch Frauen und Kinder – haben sich um Jesus versammelt, um auf seine Worte zu hören. Nun sind sie müde und hungrig; wer soll ihnen zu Essen geben? Nicht einmal Brot für 200 Denare würde ausreichen, wenn jeder nur ein wenig satt werden soll, wie Philippus feststellt.

Es klingt fast wie eine Verlegenheitsbemerkung, dass Andreas dann die wenigen Brote und Fische des kleinen Jungen erwähnt, der in der Nähe steht. Fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat er – doch was ist das für so viele!

Jesus aber lässt sich durch diese allzu menschliche Überlegung nicht beirren und entmutigen; er ordnet an, die Leute sollen Platz nehmen. Dann sprach er das Dankgebet über die Brote und „teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.“ Die lapidare Feststellung und Erzählung spricht für sich; es fehlen einfach die Worte, um das Wunder angemessen zu beschreiben und darzustellen, das sich hier vor den Augen der Jünger und der übrigen Menschen ereignet. Jesus dankt Gott, seinem Vater, und er teilt aus; und alle werden satt …

Was so einfach klingt, verbirgt ein großes Geheimnis; welches Wunder der göttlichen Güte und Freigebigkeit ist hier doch geschehen!

Gibt es nicht auch in unserem Leben immer wieder Situationen, wo wir an unsere eigenen Grenzen gelangen? Da wartet eine wichtige Aufgabe auf uns, und wir sollen sie erfüllen. Zugleich wissen wir um unsere Schwachheit und Unzulänglichkeit. Da braucht ein Mitmensch eine besondere Hilfe, und niemand ist in der Nähe, der sie anbieten könnte. Da gibt es ein Unrecht, das jemandem widerfahren ist. Und niemand steht auf, der für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung sorgen könnte …!

Das Evangelium dieses Sonntags kann uns lehren, dass der „erste Blick“ auf eine Situation nicht immer schon das letzte Wort darüber enthalten muss. Wir sind vielleicht vorschnell mit unserem Urteil über einen Menschen, über eine Notlage. Wir sagen einfach: „Da kann ich nichts machen; da gibt es keine Lösung.“ Jesus zeigt uns durch das Wunder, das er wirkt, dass Gott auch dort über Möglichkeiten verfügt, wo wir keinen Ausweg und keine Antwort mehr wissen.

Was ist aber dann die richtige Art und Weise, wie wir mit Situationen der Not umgehen können, wenn wir uns selber vielleicht überfordert sehen? Wesentlich ist nicht nur ein „kühler Kopf“, d.h. der Einsatz unseres Verstandes, sondern vor allem der Blick der Liebe, erleuchtet vom Glauben an Gottes wunderbare und grenzenlose Möglichkeiten. Es ist schon viel erreicht, wenn wir einfach die Not eines Menschen oder die Herausforderung einer Situation kurz im Gebet Gott anvertrauen und ihn bitten, seinen Segen auszugießen über jene, die hier betroffen sind, sei es dass sie selbst Not leiden oder dass sie für andere etwas zum Guten hin ändern können. Vielleicht wird uns dann in einem weiteren Schritt auch bewusst, dass wir selber doch etwas tun können, und sei es nur durch das stille Da-Sein für jemand anderen, durch das tröstend-ermutigende Wort oder durch einen entschiedenen Einsatz für das Gute auch unter persönlichen Opfern.

Wie wohltuend ist es für einen Mitmenschen, der sich angesichts einer großen Aufgabe oder in einer schwierigen Lage überfordert sieht, wenn ihn jemand ermutigt und bestärkt im Guten. So dürfen wir ihm im Hinblick auf Gottes Hilfe sagen: „Ich traue dir dieses oder jenes zu!“

Ganz bestimmt werden auch wir die Erfahrung machen dürfen: Wenn Gottes Segen auf uns ruht und uns begleitet, dann werden buchstäblich aus fünf Broten und zwei Fischen so viele, dass mehr Menschen satt werden als wir uns vorstellen können. D.h. Gott kann mit unseren begrenzten Möglichkeiten, Fähigkeiten und Talenten viel mehr machen, als wir in unserem Kleinglauben und unserer ängstlichen Berechnung ahnen.

Möge es uns von Gott auf die Fürbitte der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria und des heiligen Josef geschenkt werden, dass wir in der Liebe stets Frucht bringen und das Gute mit Freude tun – auf dass sich die Gabe der Liebe unter den Menschen vermehre und in den Herzen vieler das Lob Gottes erklinge!

Amen.

 

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