Predigt:
Seid allezeit bereit!
1. Adventsonntag B (27.11.2005)
L1: Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7; L2: 1 Kor 1,3-9; Ev: Mk 13,24-37
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es gibt eine besondere Zeit im Kirchenjahr, die wir den Advent nennen. Adventliches Brauchtum – wie der Adventkranz mit den Kerzen, das Singen von geistlichen Liedern voll der Erwartung, die sog. „Herbergssuche“ oder das „Anklöpfeln“, der dezente Schmuck in den Häusern und Kirchen: All das soll uns einstimmen und unser Herz bereit machen in diesen kostbaren Tagen und Wochen der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest. Große und heilige Dinge brauchen ihre Vorbereitung. Es ist nötig, aufzublicken und das Herz zu Gott zu erheben, der uns als Retter und Erlöser verheißen ist!
Besonders aber sind es die Liturgie der Kirche in der heiligen Messe und im Stundengebet, aber auch die Übungen der Volksfrömmigkeit wie das Beten des Rosenkranzes und verschiedene Andachten, die uns den Sinn des Advents erschließen. Gönnen wir uns selber die Zeit, und lassen wir uns nicht treiben vom „vorweihnachtlichen“ Trubel und der Hektik dieser Tage! Machen wir unser Herz bereit für das Kommen des Erlösers. Denn darum geht es im Advent, und um nichts anderes. Wenn Christus der Herr einen Platz findet in unserem Herzen, dann ist diese Zeit nicht umsonst. Wenn er aufgeht als Sonne der Gerechtigkeit in der Dunkelheit unserer irdischen Existenz, wenn er uns entflammt mit dem Feuer der göttlichen Liebe und wenn er das Licht der Hoffnung in uns entzündet, dann wissen wir: Der Advent ist eine heilige Zeit, die wir alle brauchen, die uns allen gut tut, wenn wir als Menschen und Christen leben wollen.
Unser menschliches Leben stößt immer wieder an Grenzen. Wir erfahren die Brüchigkeit und Vergänglichkeit unseres Daseins auf Erden. Es gibt Leiden, Krankheit und Tod. Es gibt die Macht des Bösen, die uns bedroht. Wir sind erlösungsbedürftig. Gott, der den Menschen als Mann und Frau aus Liebe erschaffen hat, hat ihn nicht seinem eigenen Schicksal überlassen. Bereits nach dem Sündenfall im Paradies wurde der Erlöser angekündigt. Die Propheten des Alten Bundes wiesen die Menschen darauf hin, im Glauben den Retter zu erwarten. Eben die Ankunft des Erlösers, der vor 2000 Jahren im Stall von Bethlehem geboren wurde, feiern wir zu Weihnachten. In ähnlicher und doch anderer Weise, wie unser Herr Jesus Christus vor 2000 Jahren als kleines Kind in die Welt gekommen ist, wird er wiederkommen am Ende der Zeiten in Herrlichkeit, um zu richten die Lebenden und die Toten. Der Herr wird kommen in der Stunde unseres persönlichen Abschieds von dieser Welt, in unserer Sterbestunde. Selig, wen der Herr dann wachend findet! Er wird ihn einladen zum himmlischen Hochzeitsmahl. Im Advent machen wir unser Herz bereit, um in gläubiger Sehnsucht und ständiger Wachsamkeit das Kommen des Herrn zu erwarten. Es ist wie im Gleichnis des Evangeliums: Wir wissen nicht, wann der Herr des Hauses kommt. Seine Diener sollen allezeit bereit sein.
Blicken wir in diesen adventlichen Wochen auch auf selige Jungfrau Maria! Durch ihr Gebet und ihre Sehnsucht stellt sie die Erwartung des ganzen Volkes Israel dar, das auf das Kommen des Messias hoffte. Und als der Engel bei ihr eintrat und ihr verkündete, sie solle die Mutter des Erlösers werden, da gab sie bereitwillig ihr „Ja“: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ So konnte das Wort in ihr Fleisch annehmen, weil sie geglaubt und in Liebe Ja gesagt hat zum göttlichen Plan. Wenn wir Maria in unser Leben einbeziehen und sie zur geistlichen Mutter erwählen, dann wird sie uns in dieser Zeit des Advents und darüber hinaus mit ihrem Sohn Jesus noch besser bekannt machen. Sie wird uns zu ihm führen, der unser Heil ist, der aufleuchtet als das strahlende Licht aus der Höhe und der uns einst in sein himmlisches Reich aufnehmen möge! Amen.
