Predigt:
Sich bewusst für Jesus Christus entscheiden
21. Sonntag im Jahreskreis B (23.08.2009)
L1: Jos 24,1-2a.15-17.18b; L2: Eph 5,21-32; Ev: Joh 6,60-69
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Vor einigen Tagen wurde wieder einmal aktuelles statistisches Zahlenmaterial über die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche präsentiert: Demgemäß betrug im Jahr 2008 die Katholikenzahl in Österreich 5,579.493; im Jahr davor waren es 5,603.184 gewesen. Das entspricht einem Rückgang von rund 23.691 Katholiken. 5.037 wieder in die Kirche Eingetretenen standen dabei 40.224 Austritte gegenüber. Im Verhältnis zur Österreichischen Bevölkerung bedeutet das einen Anteil der Katholiken von immer noch 67 Prozent. Die durchschnittliche Zahl der regelmäßigen Gottesdienstbesucher wurde mit 13 Prozent angegeben.
Zahlen sagen so manches aus – und doch nicht alles. Was den Glauben an Gott betrifft, den die Kirche verkündet, so ist die Überzeugung des Herzens entscheidend. Was nützt es jemandem, wenn er zwar nach außen hin noch als Katholik aufscheint, in seinem Herzen aber dem christlichen Glauben und der Katholischen Kirche längst den Abschied gegeben hat? Umgekehrt gibt es viele Menschen, die „draußen“ sind, aber in ihrem Herzen wahrhaft Gott suchen. Das Urteil über einzelne Menschen steht also nur Gott zu, der die Herzen kennt.
Das Evangelium dieses Sonntags zeigt uns jedenfalls, dass auch Jesus Christus beides erfahren hat: die Annahme seiner Worte durch die Menschen, aber auch die Ablehnung. Als er einer großen Menschenmenge dargelegt hatte, dass er selber das Brot sei, das vom Himmel kommt, da wurden viele unwillig und murrten über ihn. „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ fragten sie, weil sie ihn nicht verstanden. Dabei hatte er zuvor gesagt, sein Fleisch sei eine wahre Speise und sein Blut sei ein wahrer Trank. Die Worte Jesu sollten sich in der heiligsten Eucharistie erfüllen, die er beim Letzten Abendmahl einsetzte: Unter den zeichenhaften Gestalten von Brot und Wein gibt er sich uns in seinem Opfer ganz hin und schenkt uns die Gemeinschaft mit seinem Leib und Blut.
Als sich viele Menschen aufgrund ihres mangelnden Verständnisses von Jesus trennten, da ließ er dies zu, denn er achtete ihre Freiheit. Gott zwingt nicht zum Glauben. Seine Gnade will, dass wir in Freiheit Ja sagen zu Gottes Liebe. Und Jesus fragte auch die Apostel ganz direkt, ob denn auch sie gehen wollten. Petrus als Sprecher der Apostelgruppe antwortete jedoch sehr klar: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“
Liebe Brüdern und Schwestern, möglicherweise war es zu früheren Zeiten für viele Menschen leichter, zur Kirche zu gehören und auch regelmäßig am Sonntag den Gottesdienst zu besuchen. Es gab eben damals noch weitgehend intakte Traditionen; Glaube und Kirche waren – jedenfalls hier in Österreich – fest im öffentlichen Leben verankert. Aber was sicher bei manchen zu kurz kam, war die Freiheit der Entscheidung. Heute ist es wohl so, dass die Gläubigen und die Kirchgänger zahlenmäßig weniger geworden sind. Wer aber heute noch treu Sonntag für Sonntag die Messe mitfeiert, weiß, wofür er sich entschieden hat. Vielleicht stoßen wir als Gläubige mitunter auf Unverständnis oder Widerspruch. Dies soll uns nicht beunruhigen, denn ein jeder muss selbst seinen Weg vor Gott verantworten. Auch dort, wo vielleicht die erwachsenen Kinder nicht mehr dem Beispiel der Eltern folgen und den Sonntagsgottesdienst nicht mehr besuchen, da dürfen und wollen wir nicht verzagen: Der gute Same, der gesät wurde, wird aufgehen; und einmal kommt hoffentlich die Zeit, wo man sich wieder erinnert und eine Tradition aus der Kindheit und Jugend wieder neu aufleben lässt, diesmal ganz in freier Überzeugung des Glaubens.
Unser Diözesanbischof Klaus Küng hat in seinem zweiten Hirtenwort zur Seelsorge vom 25. Jänner 2009 auch an den verpflichtenden Charakter der Erfüllung des Sonntagsgebotes erinnert. Der Bischof zitiert dabei aus dem „Katechismus der Katholischen Kirche“, wo es in Nr. 2181 heißt: „Die sonntägliche Eucharistie legt den Grund zum ganzen christlichen Leben und bestätigt es. Deshalb sind die Gläubigen verpflichtet, an den gebotenen Feiertagen an der Eucharistiefeier teilzunehmen, sofern sie nicht durch einen gewichtigen Grund (z.B. wegen Krankheit, Betreuung von Säuglingen) entschuldigt oder durch ihren Pfarrer dispensiert sind. Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde.“
Nehmen wir diese heilsame Erinnerung unseres Bischofs im guten Sinn auf, wobei uns allen klar sein soll, dass der sonntägliche Messbesuch nicht nur eine Pflicht sein darf, die wir mehr oder weniger bereitwillig auf uns nehmen, sondern ein echtes Anliegen, ein Bedürfnis des Herzens, um Gott in der Gemeinschaft der Glaubenden zu loben und zu preisen und an der sakramentalen Vergegenwärtigung von Tod und Auferstehung Christi teilzunehmen.
Der Glaube ist wie eine kostbare Perle, die es zu entdecken und zu hüten gilt. Dieser Kreuzweg hier in Mühldorf-Niederranna weist hin auf den Glauben unserer Vorfahren. Wir stehen in einer guten Tradition, wenn wir uns neu zu Gott dem Herrn bekennen und den Glauben weitergeben in unseren Familien. Denn auch in Zukunft brauchen wir Gottes Schutz und Hilfe. Möge unser Leben sich einst vollenden in der Herrlichkeit des Himmels!
Amen.
