Predigt:
Sich öffnen für die Liebe Gottes
23. Sonntag im Jahreskreis B (06.09.2009)
L1: Jes 35,4-7a; L2: Jak 2,1-5; Ev: Mk 7,31-37
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das Wort Gottes in der Heiligen Schrift, das uns jeden Sonntag verkündet wird, ist eine Quelle der Freude. Auch dort wo mitunter etwas drastische Vergleiche und härtere Worte verwendet werden, geht es immer um das, was Gott aus Liebe für den Menschen getan hat und tut. Gott lädt uns ein zu einer Antwort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe!
So lautet die tröstliche Botschaft der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja: Gott „selbst wird kommen und euch erretten.“ Den Hintergrund bildete eine große Notlage des auserwählten Volkes, in die es durch seine Untreue gegenüber Gott geraten war. Doch Gott zieht sich nicht schmollend ins Eck zurück, wie dies bei uns Menschen geschieht; er ergreift die Initiative zum Heil und zur Rettung der verlorenen Menschheit. Gott wird alles Übel zum Guten hin wenden, denn er selbst wird kommen – in seinem Sohn Jesus Christus – und die Menschen erretten.
In der zweiten Lesung aus dem Hebräerbrief hören wir davon, dass Gott an allen Menschen Großes getan hat. Bei ihm gibt es kein Ansehen der Person; der Reiche gilt nicht mehr als der Arme. Und wir hören die schönen Worte in der Frage: „Hat Gott nicht die Armen in der Welt auserwählt, um sie durch den Glauben reich und zu Erben des Königreichs zu machen, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?“
Der wahre Reichtum ist uns also gegeben durch den Glauben an Jesus Christus; wir sind dadurch zu Erben des himmlischen Reiches geworden, das Gott uns schenken will.
Im Evangelium schließlich wendet sich Jesus an den Taubstummen. Er legt ihm den Finger in die Ohren und berührt seine Zunge mit Speichel. Dabei spricht er die Worte „Effata“, das heißt: „Öffne dich!“ Und sofort „öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden.“ Jesus gibt dem armen Menschen seine wichtigsten kommunikativen Fähigkeiten zurück, durch die er sich sprachlich ausdrücken und anderen mitteilen kann. Gott stiftet Gemeinschaft unter den Menschen, und zwar nicht nur äußerlich, sondern noch mehr durch die Verbundenheit der Herzen in dem einen Glauben und der einen Liebe.
Auch bei der Taufe gibt es diesen „Effata-Ritus“. Der Priester berührt dabei Ohren und Mund des Täuflings und spricht die Worte:
„Der Herr lasse dich heranwachsen, und wie er mit dem Ruf ‚Effata‘ dem Taubstummen die Ohren und den Mund geöffnet hat, öffne er auch dir Ohren und Mund, dass du sein Wort vernimmst und den Glauben bekennst zum Heil der Menschen und zum Lobe Gottes.“
Es handelt sich also um eine vom Priester ausgesprochene Bitte an Gott den Herrn, „dass er diesem Kind helfe, seine Botschaft zu hören und zu bekennen.“
Das Wichtigste und letztlich Entscheidende im Leben ist ja nicht, ob einer mit seinen Sinnesorganen gut hört, sieht und sprechen kann, sondern ob er das Wort Gottes aufnimmt im Glauben und darin Frucht bringt in Liebe. Eben dies wird für das Kind bei der Taufe erbeten.
So dürfen und wollen wir also Gott den Herrn preisen für seine unermessliche Güte, die er uns erwiesen hat und jeden Tag aufs neue schenkt! Er sorgt für uns in Liebe; wir müssen ihm nur vertrauen! Möge uns die Gottesmutter Maria mit ihrer Fürsprache vom Himmel aus begleiten!
Amen.
