Josef Spindelböck
Wer ein Kind um meinetwillen aufnimmt
Predigt am 25. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 20. September 2009
L 1: Weish 2,1a.12.17-20; L 2: Jak 3,16 - 4,3; Ev: Mk 9,30-37
Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
Im Evangelium des letzten
Sonntags war von der Ankündigung des
Leidens und Sterbens sowie auch der
Auferstehung Jesu die Rede, die
er seinen Aposteln gegenüber gemacht hatte. Die Perikope des heutigen Tages
setzt dies fort; Jesus will seine Jünger, soweit es möglich ist, auf das
Kommende vorbereiten, das sie ohnehin noch hart genug treffen wird.
Wie weit die Apostel noch
entfernt sind von der Gesinnung der Nachfolge Christi, zeigt sich in ihrem ganz
und gar unnützen Streit darüber, wer denn von ihnen der Größte sei. Jesus nimmt dies zum Anlass, ihnen
aufzuzeigen, dass im Reich Gottes andere Kategorien gelten. Nicht die irdisch
Großen nehmen hier den ersten Platz ein, sondern jene, die bereit sind, die Letzten zu
sein und den anderen zu dienen. Wir können hinzufügen: Jesus hat durch sein Beispiel gezeigt, wie dies zu verstehen ist, indem er
als der Herr sich gleichsam zum Sklaven aller gemacht hat.
Zur weiteren
Veranschaulichung seiner Lehre vom Dienen und vom Klein-Sein vor Gott stellt Jesus ein Kind in ihre Mitte.
Er nimmt es in seine Arme und spricht die verheißungsvollen Worte: „Wer ein solches Kind um meinetwillen
aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur
mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“
Ein Kind kann also auf besondere Weise das zum Ausdruck bringen, was
von uns als glaubende Christen verlangt ist: dass wir uns vertrauensvoll auf Gott
einlassen und nicht im Sinn des Groß-Sein-Wollens nach Macht und Herrschaft
streben, sondern uns als Brüder und Schwestern Christi, ja als Kinder Gottes sehen. Diese Haltung
schließt freilich die Anerkennung und Ausübung echter Autorität in Staat und
Kirche nicht aus, sondern ein; es gibt eine sittliche Verpflichtung des
Christen, diese in Gott gründende Autorität
im Hinblick auf das Gemeinwohl anzuerkennen.
Aber die Worte Jesu vom
Aufnehmen eines Kindes um seines Namens willen, besagen noch mehr: Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes.
Gott hat uns in besonderer Weise die Kinder anvertraut. Und noch konkreter: Gott hat den Eheleuten und den Familien
insgesamt ihre Kinder anvertraut, damit sie für sie in Liebe da sind und
sorgen, und sie so in gelebter christlicher Verantwortung auf das Leben
vorbereiten. Gemeint ist hier nicht nur die Vorbereitung auf das irdische
Leben, sondern auch die durch das Beispiel und die Erziehung gegebene Einführung ins christliche Leben: in
die Gemeinschaft mit Gott, die sich einst vollenden soll im himmlischen Reich.
Ist das nicht eine große und herrliche
Berufung, liebe Brüder und Schwestern im Herrn? Liegt nicht ein besonderer Segen auf allen Ehepaaren, die bewusst Ja
sagen zu Kindern? In jedem Kind, das empfangen und geboren wird, leuchtet
uns auf besondere Weise das Antlitz Gottes entgegen, denn Gott hat den Menschen
nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen. In
der Taufe nimmt der dreifaltige Gott Wohnung in den Herzen der Kinder, und
wir stehen ehrfurchtsvoll vor diesem Geheimnis, dass der große und unendliche
Gott im Innersten des Menschen durch die heilig machende Gnade gegenwärtig ist.
Gewiss sollte uns dies als Christen besonders auszeichnen und auch
unterscheiden: dass wir aus ganzem
Herzen Ja sagen zu Kindern und für sie da sind. Dies gilt in gleicher
Weise, ob Kinder nun das Glück haben, in einer guten Ehe und Familie empfangen und
geboren zu werden oder ob sie aufgrund gewisser Umstände diesen umfassenden
Schutz und diese spezielle Form der Geborgenheit nicht erfahren können. Eltern soll ermutigt werden, für ihre
Kinder da zu sein; die Gesellschaft
insgesamt braucht Rahmenbedingungen, nicht nur finanzieller, sondern auch
rechtlicher und sozialer Art, dass der auf die Ehe zwischen Mann und Frau
gegründeten Familie wieder jener Respekt und jene Förderung zukommen, die ihnen
gebühren. Denn schließlich liegt hier die Zukunft unserer Gesellschaft. Wer Ja zum Kind sagt, sagt Ja zum Leben
und – wie das heutige Evangelium zum Ausdruck bringt – auch Ja zu Gott, der ein Freund des Lebens
ist. Ja noch viel mehr: Gott ist die Quelle des Lebens und der Liebe, und er
ist auch unsere Vollendung. Nur in ihm finden wir das Heil und das Leben.
Möge es auf die Fürbitte der Jungfrau und Gottesmutter Maria allen Eltern gelingen, ganz für
ihre Kinder da zu sein und sie in Liebe anzunehmen als Geschenk des Himmels!
Amen.
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