Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau
Predigt für den 26.
Sonntag im Jahreskreis
(Lesejahr B, 28. September 1997)
L 1: Num 11,25-29; L 2: Jak 5,1-6; Ev: Mk 9,38-43.45.47-48
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es ist eigenartig in unserem Leben, daß uns jeden Tag oft so ganz verschiedene Dinge unterkommen und begegnen: Da kommt es vor, daß wir gesund aufstehen und uns des Lebens erfreuen, gerade auch, wenn das Wetter schön ist und in unserer Familie eine gute, wohlgeordnete und harmonische Beziehung der Eltern und auch der Kinder besteht. Aber es gibt auch ganz andere Situationen mit Leiden und Not, Schwierigkeiten körperlicher und seelischer Art, Belastungen auch durch das Böse, das uns umgibt. Die Welt ist einerseits eine große Verheißung, ein Versprechen also, das in uns die Sehnsucht nach dem immerwährenden Glück hervorruft. Andererseits erfahren wir jeden Tag, daß dieses Glück oft nur sehr kurz ist und vorläufig. Das Glück dieser Erde vergeht manchmal sehr rasch, viel eher als es uns lieb und wünschenswert ist. Wer heute gesund ist, ist morgen vielleicht krank. Wer heute noch lebt, liegt morgen vielleicht schon im Grab - ganz kraß ausgedrückt.
Liebe Gläubige, das alles sind Erfahrungen, die jeder Mensch macht, unabhängig davon, ob er an Gott, ob er an Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes, glaubt oder nicht. Die Wechselhaftigkeit des menschlichen Lebens wirft aber für den erwachsenen Menschen Fragen auf, denen er sich stellen muß: Gibt es einen Ausweg aus dieser Not des irdischen Lebens, aus aller Vergänglichkeit? Gibt es das unvergängliche, dauernde Glück, das wir alle ersehnen, oder ist diese Sehnsucht nur ein leeres Versprechen, ein Trug also? Haben wir Hoffnung auch über den Tod hinaus?
Unser christlicher Glaube sagt uns: Du darfst hoffen. Dein Leben hat Sinn, auch wenn es manchmal sehr schwer ist. Selbst wenn du das Glück hier auf Erden nie ganz finden kannst, du bist für das ewige Glück erschaffen. Gott liebt dich! Er verheißt uns das ewige Leben.
Wenn wir das recht bedenken, dann werden wir all dem Unvollkommenen, den Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten des Lebens, auch dem Leiden, dem Tod und dem Bösen in der Welt doch mit Zuversicht entgegentreten. Wir wissen: All dies ist vorläufig. Es ist nicht das Letzte. Das letzte Wort hat Gott, der die Liebe ist und das ewige Leben!
Auf diesem Hintergrund können wir die Worte des heutigen Evangeliums, die gewiß hart klingen, als das annehmen, was sie sind: Worte des ewigen Lebens, Worte der Zuversicht und der Hoffnung, wirklich frohe Botschaft.
Denn auch dann, wenn Jesus von den Gefahren spricht, die uns für das Heil unserer Seele drohen, verkündet er eine Botschaft, die uns mit bleibender Freude aus dem Glauben erfüllen soll. Was soll Jesus tun? Soll er angesichts des Bösen in der Welt völlig schweigen? Soll er die Menschen nicht davor warnen, daß es auch die Sünde gibt und die Verführung zum Bösen?
Wir alle sind ja mitbetroffen. In dieser Welt sind wir wirklich "der Verführung ausgesetzt" und müssen "gegen die Nachstellungen des Teufels kämpfen", wie es im Gebet vor der Taufe heißt. Das Böse ist leider eine Realität. Das zu leugnen, würde nichts ändern und besser machen. Doch Jesus Christus ist mächtiger als alles Böse! Er hat uns erlöst von der Sünde und ihren Folgen. Wer mit Christus verbunden ist, braucht nichts mehr zu fürchten!
Warum weist uns Jesus auf diese Gefahren des Bösen und der Sünde hin? Nicht um uns Angst zu machen, sondern um uns auf dem Weg des ewigen Lebens zu stärken. Es soll niemand aus Unwissenheit Schaden leiden, weil er zu gutgläubig ist. Wir müssen uns wirklich in acht nehmen, daß wir nicht Schaden leiden an der für uns lebensnotwendigen Beziehung der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen und so das eigentliche und wahre Leben gefährden und verlieren.
Das verlangt mitunter ein ganz entschlossenes Vorgehen. In diesem Sinn sind die Worte Jesu zu verstehen: "Wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab." Natürlich ist das nicht buchstäblich auszuführen. Aber Jesus lehnt jede Halbherzigkeit und Verweichlichung, jede Zaghaftigkeit ab. Er fordert uns zum mutigen Einsatz für das Gute und zum Kampf gegen das Böse auf. Nicht wir selber sind es freilich, die dazu fähig sind, sondern die Hilfe Gottes stärkt uns! "Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt" (Phil 4,13).
Vom Herrn empfangen wir immer wieder die nötige Gnade, damit wir auf dem Weg des Glaubens und der Liebe voranschreiten können.
Und wo wir versagt haben im Guten, wo wir der Macht des Bösen unterlegen sind, das schenkt uns Jesus die Gnade der Umkehr und Vergebung.
Solange wir leben, ist es nie zu spät zur Umkehr und Hinkehr zu Gott, der die Liebe und das Leben ist. Darum hoffen wir voll Zuversicht, gut durch dieses Leben zu gelangen und einst Anteil zu erhalten am ewigen Leben bei Gott. Amen.
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Gemeinschaft vom heiligen Josef