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Predigt:

Politik aus christlicher Verantwortung

26. Sonntag im Jahreskreis B (01.10.2006)

L1: Num 11,25-29; L2: Jak 5,1-6; Ev: Mk 9,38-43.45.47-48


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Als Christen in Österreich sind wir an diesem Sonntag, zusammen mit Nichtchristen und Nichtglaubenden, aufgerufen, politische Verantwortung zu übernehmen. Das in unserer Demokratie garantierte Wahlrecht wahrzunehmen, ist in gewisser Weise sogar eine sittliche Pflicht, da wir ja auf dem Weg unseres Lebens hin zum ewigen Ziel in der Gemeinschaft mit Gott auch verantwortlich sind für die Gestaltung der irdischen Wirklichkeiten.

Die Kirche bietet keine Präferenz für eine bestimmte politische Partei an. Es sind umgekehrt die Parteien, die selber ihren Standort in der Wertefrage und auch im Hinblick auf den religiösen Glauben definieren. Von daher ergibt sich dann eine je verschiedene Nähe der politischen Programme und der sie umsetzenden Personen zum christlichen Glauben; die Bewertung muss freilich der Bürger selber vornehmen.

Welche Themen sollten uns Christen besonders am Herzen liegen? An erster Stelle möchte ich die Anliegen des Lebensschutzes sowie das Eintreten für Ehe und Familie nennen. Der Mensch ist nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen und besitzt eine unveräußerliche Würde. Insbesondere ist das Recht jedes Menschen auf Leben zu achten und zu respektieren. Dieses Recht auf Leben besteht von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Als Christen müssen wir allen Kräften widerstehen, die den Menschen in seiner Würde missachten und ihm die von seinem Schöpfer gegebenen Rechte verweigern. Während in Österreich bis jetzt alle politischen Parteien darin übereinstimmen, dass es keine Euthanasie (d.h. keine gezielte Tötung alter oder unheilbar kranker Menschen) geben soll, sieht es beim Lebensschutz am Anfang des Menschen anders aus: Keine einzige politische Kraft, die über ausreichenden Einfluss verfügt, weist derzeit dem Schutz des menschlichen Lebens oberste Priorität auch in der Weise eines wirksamen Rechtsschutzes für das ungeborene Kind zu! Das Übel, ja die tiefe Wunde des Abtreibungsmordes besteht weiterhin, und leider sind auch viele katholische Christen in diese Vorgänge mit einbezogen.

Im Hinblick auf Ehe und Familie erinnert die Kirche daran, dass es die Ehe nur zwischen Mann und Frau geben kann und diese auf Kinder hingeordnet ist. Wenn es von staatlicher und politischer Seite Bestrebungen gibt, den mit Recht einzigartigen Status von Ehe und Familie weiter auszuhöhlen, so dürfen wir als Christen hier nicht mitwirken. Es geht nicht darum, Personen zu verurteilen, die dem hohen Ideal der unauflöslichen Ehe nicht entsprechen bzw. daran oft auf leidvolle Weise scheitern. Andererseits kann die Kirche nicht abgehen von dem, was vom Schöpfer in der Natur des Menschen grundgelegt ist, der in der Ehe zur Gemeinschaft des Lebens und der Liebe berufen ist. Was nicht recht ist, was Sünde und Schuld darstellt, muss auch so benannt werden dürfen; nur in der Wahrheit eröffnet sich der Weg der Umkehr und der Vergebung.

Ein Thema, das viele im Land polarisiert, ist der Umgang mit Ausländern und Flüchtlingen. Wirklich Verfolgten, die sich aufgrund ihrer religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugungen in Gefahr befinden, dürfen wir Aufnahme und Hilfe nicht verweigern. Wer aus anderen Gründen zu uns kommen möchte, kann dies nur im Rahmen der wirtschaftlichen und sozialen Möglichkeiten des Gastlandes tun. Als Christen sind wir aufgerufen, Gastfreundschaft zu üben, sollen auftretende Probleme (z.B. mit islamischen Zuwanderern oder Mitbürgern) jedoch nicht übersehen.

Auch eine gut funktionierende Wirtschaft und die soziale Verantwortung für Arme, Kranke und an den Rand der Gesellschaft Gedrängte sollen uns Christen wichtig sein. Wir dürfen unrechtmäßige Strukturen und Zustände nicht einfach hinnehmen, sondern sollen uns für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Die Umwelt als Schöpfung Gottes verdient besonderen Schutz. Nur so werden auch künftige Generationen über die nötigen Lebensmöglichkeiten verfügen.

Wer sich als Christ Gedanken macht über die politische Zukunft in unserem Land, tut dies aus der Überzeugung heraus, dass Gott es gut mit uns meint und uns einen Auftrag für die Gestaltung der Welt gegeben hat. Nichts ist umsonst, was wir an Gutem tun: Denn wer dem Mitmenschen um Christi willen „auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt“, der „wird nicht um seinen Lohn kommen“ (Mk 9,21).

In fast allen Parteien gibt es Personen, die aus christlicher Überzeugung politisch tätig sind und sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für eine Gestaltung der Gesellschaft auf dem Grund der christlichen Werteordnung einsetzen. Was aber nützt alles menschliche Bemühen, wenn der Segen Gottes fehlt? Das Gebet für die politischen Verantwortlichen ist deshalb nach wie vor das Wichtigste. Im Rosenkranzmonat Oktober wollen wir alle unsere Bitten durch die Fürsprache der Gottesmutter Maria vor Gott hin bringen, der uns auf Erden seinen Frieden schenken möge und einst das ewige Leben im Himmelreich. Amen