Josef Spindelböck
Nichts Gutes bleibt bei Gott vergessen
Predigt am 26. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 27. September 2009
L 1: Num 11,25-29; L 2: Jak 5,1-6; Ev: Mk 9,38-43.45.47-48
Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern
im Herrn!
Das Evangelium des heutigen Sonntags ist inhaltsschwer und umfasst
verschiedene Aspekte. Zuerst geht es um die christliche Toleranz, wenn Jesus dazu auffordert, den fremden Wundertäter nicht zu hindern,
der in Jesu Namen Wunder wirkt, den Jüngern Jesu aber nicht nachfolgt.
Im Haupt- und Schlussteil
geht es um die Vermeidung dessen,
was für andere und für einen selber eine Gelegenheit,
ja eine Verführung zum Bösen
darstellt. Die Worte Jesu klingen hier besonders radikal, um die
Entschiedenheit des Einsatzes für das Gute hervorzuheben sowie die
Notwendigkeit, dem Bösen wirklich konsequent abzusagen. Gerade den „Kleinen“, die an Jesus glauben (wir können hier
insbesondere an die Kinder denken), darf
auf keine Weise ein Ärgernis, d.h. ein Anlass zum
Bösen gegeben werden. Gott selbst
tritt für die Würde und das Recht der Kleinen ein, und wehe dem, der bewusst
Ärgernis gibt!
Zwischen den angeführten
Lehrstücken liegt aber noch ein Satz, den wir näher bedenken wollen. Jesus sagt
nämlich: „Wer euch auch nur einen Becher
Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen, ich sage euch:
er wird nicht um seinen Lohn kommen.“
Hier geht es offenbar um das unscheinbare Gute, das jemand tut und
das man leicht übersieht. Gott übersieht es bestimmt nicht; bei ihm wiegt
auch das Geringe schwer, wenn es in der rechten Absicht getan wird. Die
Motivation ist konkret, dass jemand einem Jünger Jesu einen Dienst der Liebe
leistet (hier: einen Becher Wasser zu trinken gibt), weil dieser Jünger zu
Christus gehört.
Es scheint, als ob Jesus mit
diesem Hinweis sagen will: Nicht alle Menschen folgen mir direkt nach und sind
meine Jünger; doch es gibt viele „Sympathisanten“. Wenn es darauf ankommt, dann
zeigen sie ihre Verbundenheit mit den
Jüngern dadurch, dass sie ihnen Dienste
der Liebe erweisen und Gutes tun. Gott
wird sie belohnen.
Dürfen wir hier nicht auch an
jene vielen Menschen denken, die sich zwar nicht im engen Sinn zur Kirche
Christi bekennen, die aber dennoch eine gewisse Verbundenheit mit ihr dadurch
aufrechterhalten, dass sie ihrer Sendung und ihren Mitgliedern gegenüber
freundlich eingestellt sind? Können wir nicht sogar Menschen mit einschließen,
die nicht an Christus glauben, ja die vielleicht Gott noch nicht einmal erkannt
haben, sich aber dennoch nach Kräften bemühen, jenes Gute zu tun, das sie in
ihrem Gewissen als solches erkannt haben? Gilt nicht auch für jene Menschen,
dass sie ihres Lohnes bei Gott nicht
verlustig gehen werden? Gott weiß es, und eines ist sicher: Er wird bestimmt nichts übersehen von all dem
Guten, das verborgen in den Herzen der Menschen anwesend ist und sich in Werken
der Liebe zeigt, oft so unscheinbar, dass niemand sonst es wahrnimmt als ER
allein.
In jedem Fall aber gilt: All das Gute, das wir tun, geht
letztlich auf Gott zurück, der uns
dazu die Kraft gibt. Er hat uns
ausgestattet mit den Gaben der Natur,
und er schenkt uns seine Gnade,
damit wir unser Heil wirken können
und an der Erlösung Christi Anteil
erhalten. Wer also gleichsam „außerhalb“ der sichtbaren Kirche steht, kann der
Absicht seines Herzens nach dennoch „drinnen“ sein und damit des Heiles Christi
teilhaftig werden.
Niemand kann sich selbst erlösen: Gott hat sich unser erbarmt und uns seinen Sohn
gesandt, Jesus Christus, den Herrn.
Ihn gilt es zu bekennen und zu verkünden,
damit die Menschen gerettet werden und das ewige Heil erlangen.
Amen.
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