Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt am 27. Sonntag im Jahreskreis B
(8. Oktober 2000, „Kirchweih-Sonntag“)
L 1: Gen 2,18-24; L 2: Hebr 2,9-11; Ev: Mk 10,2-16
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wenn wir jetzt eben zwei Lesungstexte gehört haben, die mit der Ehe zu tun haben (L1 und Ev), dann haben Sie sich vielleicht gefragt, wo denn da eine Verbindung zum heutigen Kirchweihfest zu finden ist. Tatsächlich handelt es sich hier nicht um zwei ganz verschiedene Dinge, sondern Ehe und Familie als „Hauskirche“ und die Kirche im großen als die Gemeinschaft der Glaubenden gehören innerlich zusammen!
Warum geben sich Mann und Frau im Bund der Ehe ihr Ja-Wort, mit dem sie sich in Treue für immer aneinander binden, bis daß der Tod sie scheidet? Die einzig richtige Antwort kann nur heißen: aus Liebe! Dies zu betonen ist in unserer Zeit, wo man sich traut und wieder scheidet, wo man einfach so zusammenlebt, wo es sogenannte „Lebensabschnittspartner“ gibt, ganz wichtig. Es geht der Kirche, wenn sie in Erinnerung an die Worte Jesu die Ehe so hochhält, nicht um äußere Normen und Gebote, die sozusagen nachträglich hinzutreten zur Liebe von Mann und Frau, ja die dieser Liebe vielleicht gar im Wege stehen könnten.
Im Mittelpunkt der katholischen Auffassung von Ehe und Familie steht nichts anderes als die wahre und bleibende Liebe, die von Gott kommt und die er den Menschen schenkt. Diese Liebe gilt es zu hüten und zu fördern, diese Liebe soll sich entfalten und ihre Vollendung erlangen – hier auf Erden schon, soweit dies möglich ist, und einst im Reiche Gottes. Die Gebote Gottes, die Ehe und Familie schützen, sind also Gebote der Liebe!
Daher ist die Kirche nicht leibfeindlich, sondern sie bekennt: Es ist gut, daß Gott die Menschen als Mann und Frau erschaffen hat. Es ist gut, daß sie zueinander finden in Liebe und im Bund der Liebe eins werden, um so füreinander dazusein und auch Kindern das Leben zu schenken.
Von welcher Art aber ist die wahre Liebe, die uns der ewige Gott geschenkt hat und die auch wir einander erweisen sollen, jeder an der Stelle, wo er seine Berufung zu erfüllen hat? Es ist eine Liebe, die nicht nur an sich selber denkt, sondern sich hingibt für die anderen. Wenn Mann und Frau in der Ehe das Ja-Wort sprechen, dann schenken sie sich selbst einander. Aus Liebe wollen sie einander angehören, soweit dies unter Menschen möglich ist. Diese Liebe hat ein inneres Gesetz: Es ist die Ganzhingabe, nichts soll ausgeschlossen bleiben. Die Eheleute sagen Ja zueinander für immer, sie sagen Ja zueinander in Treue. Verstöße gegen die Ehe sind darum Verstöße gegen die Liebe, so wie sie wirklich sein soll und von ihren Wesen her auch ist.
„Ja gewiß“, werden wir vielleicht sagen, „Das ist das Ideal, das sehen wir ein! Aber die Wirklichkeit, die sieht leider oft ganz anders aus!“ Was ist darauf zu antworten? Natürlich haben all jene ein Stück weit recht, die betonen, daß Ehe und Familie nicht immer dem entsprechen, wie es gut wäre. Es gibt Sünden gegen die Liebe, es gibt auch tragische Situationen, Menschen in großer Not, die sich schwer tun, treue Partnerschaft für ein ganzes Leben lang zu verwirklichen.
Und dennoch: Jesus Christus möchte uns Mut machen. Er ist derjenige, der den Menschen Heil in Fülle schenken will. Er ist dazu auf die Erde gekommen, um uns die Liebe Gottes in Fülle mitzuteilen. Gott ist die Liebe! Gott ist Liebe bis zur Hingabe des Letzten. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß Jesus Christus, der Sohn Gottes, für uns am Kreuz gestorben ist. Wer glaubt und wer liebt, der hat das Leben!
Das heißt aber mit anderen Worten: Nicht wir Menschen schließen einen Bund, den wir aus eigener Kraft gar nicht halten könnten, sondern Gott hat zuvor mit uns einen Bund der Liebe geschlossen. Mit allen Menschen schließt Gott seinen Bund der Liebe. Es ist wie ein Ehebund, bei dem eines sicher ist: Gott ist treu, er verläßt sein Volk nie. Wegen seiner absoluten Bundestreue sind auch wir zur treuen Liebe gerufen!
Angewandt auf die Ehe als Sakrament der Liebe Gottes kann das heißen: Der Ehebund ist ein Bund der Liebe, deren innere Quelle nicht bei den Partnern zu finden ist, sondern bei Gott, mit dem die Ehepartner immer verbunden sein sollen. Weil Gottes Liebe niemals fehlt, darum sind auch die Ehepartner befähigt, einander treu zu sein für ihr ganzes Leben. Weil Gottes Liebe anwesend ist und ihnen alles schenkt, werden sie fähig, das Geschenk des Lebens anzunehmen und ihren Kindern in Liebe beizustehen!
Die Kirche erneuert sich und baut sich auf aus den Familien. Hier sind die Heimstätten des Glaubens und der Liebe. Gott ist uns Menschen so treu, daß wir sagen können: Jesus Christus liebt die Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen, so wie ein Bräutigam seine Braut. Er hat für uns sogar sein Leben hingegeben, damit wir mit seiner Liebe beschenkt werden. Ehe und Familie sind Kirche im kleinen. Beten wir darum, daß hier die Erneuerung der Kirche ihren Anfang nimmt und wir alle beitragen zur Ankunft des Reiches Gottes in dieser Welt! Amen.