Josef Spindelböck

Was Gott verbunden hat,
das darf der Mensch nicht trennen

Predigt am 27. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 4. Oktober 2009

L 1: Gen 2,18-24; L 2: Hebr 2,9-11; Ev: Mk 10,2-16

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

In den Nachrichten hören und sehen wir täglich Berichte über schlimme Vorkommnisse und auch über Störungen im menschlichen Zusammenleben. Es gibt Betrug und Diebstahl, Mord und vieles andere Schlimme mehr. Mitunter haben wir den Eindruck, es wären nicht nur einzelne Ereignisse, sondern die Gesellschaft selber gerate aus den Fugen, wenn uns so manches vielleicht auch im persönlichen Leben begegnet, wo wir deutlich spüren, dass Dinge nicht in Ordnung sind.

Ein wichtiger Lebensbereich, der in den Lesungen des heutigen Sonntags angesprochen wird, ist die auf die Ehe zwischen Mann und Frau gegründete Familie. Schon im Buch Genesis lesen wir, dass Gott Mann und Frau füreinander geschaffen hat. Sie sollen in Liebe füreinander da sein und Kindern das Leben schenken. Ihre Einheit ist unvorstellbar größer als jede Einheit und Gemeinschaft sonst unter den Menschen: sie werden „ein Fleisch“.

Das Evangelium zeigt uns, dass Jesus Christus diese Einheit der Liebe und des Lebens zwischen Mann und Frau aufs höchste geschätzt und sogar zum Sakrament erhoben hat, obwohl er selbst nicht verheiratet war. Diese Einheit sagt er, kommt von Gott, und „was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Damit ist im Bund der Ehe innigstmögliche Stabilität und Sicherheit gegeben; jeder der beiden Partner weiß und vertraut, dass der andere für ihn da ist. Mann und Frau haben sich Treue und Beistand versprochen, in guten und in bösen Tagen, bis der Tod sie scheidet. Welche Quelle der Kraft und der Zuversicht für das Leben, gerade auch wenn so manche Lebensstürme herankommen!

Und auch für die Kinder, die das Glück haben, in einer wohlgeordneten Ehe und Familie aufzuwachsen, gilt: Sie können und dürfen sich geborgen wissen in der unzertrennlichen Liebe der Eltern, die auch ihnen gilt, denn sie sind die leibhaftige Frucht dieser Liebe. Ihr Leben haben sie durch die Eltern empfangen, die im Zeugungsakt zu Mitarbeitern des Schöpfers geworden sind. Dabei ist die Aufgabe der Eltern hier nicht nur eine biologische, denn die menschliche Person hat Ewigkeitswert. Kinder sind den Eltern anvertraut, und im Evangelium heißt es von den Kindern: „Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.

Aber jetzt kommt doch die Frage beziehungsweise der Einwand: Wie ist es mit dem menschlichen Scheitern? Wie ist die Situation jener zu beurteilen, deren Ehe in Brüche gegangen ist, die sich getrennt haben oder gar wieder eine zivile Ehe eingegangen sind?

Gerade auch der Priester als der Verkünder des Wortes Gottes kann und darf dieses nicht umschreiben oder uminterpretieren. So müssen wir die Worte Jesu ernst nehmen, der sagt, dass eine Ehescheidung nicht im Willen Gottes liegt, der Mann und Frau füreinander bestimmt hat und ihre Einheit in Liebe will. Sollte es wirklich nicht möglich sein, dass die beiden Gatten in Frieden zusammen bleiben, so gibt es die Möglichkeit einer Trennung, wie man früher gesagt hat: von Tisch und Bett. Aber dennoch bleibt bei gültig verheirateten Christen das Band des Sakraments bestehen, bis der Tod sie scheidet.

Eine Wiederheirat, solange der andere Partner noch lebt, ist bei aufrechter gültiger Ehe nicht möglich. Jesus spricht in diesem Fall sogar von „Ehebruch“ – ein Wort, das man heute nur mehr selten hört und verwendet, aber in der Sache zutreffend ist. Wir wissen ja, dass all dies in der Gesellschaft und in den Medien oft verharmlost wird, obwohl meist unvorstellbar viel Leid damit verbunden ist: für die Partner selber und für die Kinder.

Und dennoch: Es gilt, dass wir Personen nicht verurteilen dürfen, deren Ehebeziehung gescheitert ist. Wer weiß, was alles mitgespielt hat und vorgefallen ist! Wer ist in der Lage, zu scheiden zwischen Faktoren, die gleichsam schicksalhaft eine Rolle gespielt haben, und der menschlichen Freiheit, die freilich auch Schuld möglich macht, deren Maß aber Gott allein kennt und die Gott auch verzeihen will, wenn sich der umkehrbereite Mensch der Barmherzigkeit Gottes anvertraut.

Wenn es daher für Paare, die in einer irregulären, nicht kirchlich geordneten Verbindung leben, die eine sexuelle Gemeinschaft mit einschließt, auch nicht möglich ist, die Sakramente zu empfangen, solange dieser Zustand andauert, so dürfen wir erstens diese Menschen nicht verurteilen und zweitens sollen sie selbst nicht an ihrem Heil verzweifeln. Gott kennt Wege, ihnen nahe zu sein und sie stufenweise zu Umkehr und Versöhnung zu führen, soweit dies eben möglich ist.

Schließen wir daher in unser Gebet alle jene ein, die in einer glücklichen Ehe und Familie leben, vergessen wir aber auch jene vielen nicht, deren Beziehung gescheitert ist und die Verständnis und Liebe brauchen, damit alte Wunden heilen und sie den Weg des Guten wieder mit Vertrauen gehen können. Dazu rufen wir besonders die Fürbitte der Gottesmutter Maria, der Rosenkranzkönigin, an!

Amen.

 

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