Predigt:
Bereitet dem Herrn den Weg!
2. Adventsonntag B (07.12.2008)
L1: Jes 40,1-5.9-11; L2: 2 Petr 3,8-14; Mk 1,1-8
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Mit dem Advent hat das neue Kirchenjahr als „Markusjahr“ begonnen. Das Evangelium nach Markus wird uns in diesem Lesejahr B häufig verkündet. Eben haben wir den Anfang des Markusevangeliums gehört. Wir wollen darüber nachdenken und die einzelnen Sätze etwas näher betrachten!
Der Titel oder die Überschrift lautet wörtlich:
Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.
Dieses Buch ist ein „Evangelium“, eine frohe Botschaft; ihr Hauptinhalt ist Jesus Christus, der als Sohn Gottes verkündet und bekannt wird.
Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen.
Hier nimmt der Evangelist auf den Vorläufer Jesu Bezug, der vom Propheten Jesaja vorausgesagt worden war. Johannes der Täufer wird ein Bote für den Herrn sein, ein Wegbereiter.
Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!
Mit diesen Worten wird die Prophezeiung des Jesaja fortgesetzt, die Markus hier zitiert. Johannes der Täufer ist wie eine laute Stimme in der Wüste. Sein Aufruf lautet: Bereitet dem Herrn den Weg! Das Leben der Menschen kann ungeordnet und wie tot sein, wie eine Wüste. Gott soll ein Weg gebahnt werden in die Herzen der Menschen!
So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.
Der Hauptinhalt der Predigt des Johannes war die Umkehr zu Gott. Als Zeichen dafür und als Bitte an Gott zur Vergebung der Sünden taufte er die Menschen im Jordan. So heißt es weiter:
Ganz Judäa und alle Einwohner Jerusalems zogen zu ihm hinaus; sie bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen.
Es muss eine Massenbewegung im Volk gewesen sein, die vom Beispiel und von den Worten des Johannes ergriffen war. Groß und klein, arm und reich, Menschen aus allen Lebensständen bekannten sich vor Gott als Sünder und zeigen ihren Willen zur Umkehr, indem sie sich von Johannes taufen ließen. Wie aber sah das Leben des Johannes aus? Markus beschreibt es ganz ungeschminkt:
Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften, und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.
Johannes, der letzte Prophet und Vorläufer Jesu, war also nicht fein gekleidet wie die Menschen am Hof. Er war ein einfacher Mann, der durch sein anspruchsloses Leben und durch sein Fasten zeigte, dass es höhere Werte gibt als Essen und Trinken und ein genussvolles irdisches Leben. Was letztlich zählt, ist die Verbindung mit Gott und die guten Werke der Nächstenliebe.
Wenn Johannes der Vorläufer Jesu war, fragen wir uns: Was lehrte Johannes die Menschen über Jesus, den kommenden Messias?
Er verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.
Ganz demütig war Johannes. Er wollte selber in den Hintergrund treten, damit die Größe Jesu Christi, des Erlösers, umso deutlicher hervortreten konnte. Nicht einmal für den geringsten Dienst, nämlich die Schuhe aufzuschnüren, sieht er sich als würdig an. Johannes möchte Jesus Christus nicht im Weg stehen. Er ist ja gekommen, um ihm den Weg zu bereiten! Dann verkündet er vom Messias:
Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
Die Gabe des Messias ist der Heilige Geist. „Christus“ heißt ja „der Gesalbte“, und zwar ist der Erlöser mit dem Heiligen Geist gesalbt. Jeder, der an ihn glaubt, erhält Anteil am Heiligen Geist, wird ein „Gesalbter“, ein „Christ“. Diese Salbung im Heiligen Geist wird vor allem in den Sakramenten der Taufe und der Firmung geschenkt und vermittelt.
Ja, mit Jesus Christus beginnt etwas ganz Neues! Das Reich Gottes ist angekommen, es breitet sich aus in den Herzen der Menschen. Genau das ist der Sinn des Advents: dem Herrn eine Wohnung zu bereiten in unseren Herzen.
Weisen wir ihn nicht zurück, wenn er anklopft! Gott möchte bei uns Wohnung nehmen. Da ist ein Mensch in Not, der auf ein freundliches Wort wartet oder weitere Hilfe braucht: Weisen wir ihn nicht ab. In jedem Menschen begegnet uns Christus. Der Advent ist die Zeit, dem Herrn zu öffnen, wenn er zu uns kommt. Ja, bereiten wir dem Herrn den Weg! Maria, die Mutter des Erlösers, möge uns durch diese Tage begleiten – dem Weihnachtsfest entgegen.
Amen.
