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Predigt:

Das Opfer unseres Vaters Abraham

2. Fastensonntag B (08.03.2009)

L1: Gen 22,1-2.9a.10-13.15-18; L2: Röm 8,31b-34; Ev: Mk 9,2-10


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In der ersten Lesung des 2. Fastensonntags aus dem Buch Genesis hören wir die Erzählung vom Opfer Abrahams. Im Ersten Hochgebet der heiligen Messe, dem „Canon Romanus“, wird ja Bezug auf dieses Opfer genommen, und zwar im Hinblick auf die in den Leib und Blut Christi verwandelten Opfergaben von Brot und Wein: „Blicke versöhnt und gütig darauf nieder und nimm sie an wie einst die Gaben deines gerechten Dieners Abel, wie das Opfer unseres Vaters Abraham, wie die heilige Gabe deines Hohenpriesters Melchisedek.“

Das Alte Testament war eine Vorbereitung und Wegweisung auf Christus hin; im Alten Bund gab es große Gestalten, die das Kommende gleichsam im voraus abbildeten; man spricht von der alttestamentlichen Typologie. So weisen auch Abel, Abraham und Melchisedek in ihren Opfern hin auf das kommende und endgültige Opfer des Neuen Bundes, die Hingabe Jesu Christi am Kreuz für das Heil der Menschen.

Das Opfer Abrahams mag uns heutige Menschen befremden. Dies ist aus zwei Gründen so: Einerseits haben wir keinen rechten Zugang mehr zu dem, was ein Opfer wirklich ist, und andererseits lehnen wir es mit Recht ab, dass ein Vater überhaupt daran denkt, seinen Sohn als Opfergabe darzubringen, was im Genesisbericht ja recht drastisch geschildert wird. Noch schwerer tun wir uns mit der Vorstellung, Gott selber habe dies so gewollt. Dies müssen wir aber der Gerechtigkeit halber gleich korrigieren, da Gott es eben so nicht gewollt hat, denn als Abraham seine Hand ausstreckte und das Messer nahm, um seinen Sohn zu schlachten, rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: „Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide!“

Was Gott also wirklich wollte, war nicht die Hinopferung seines Sohnes, sondern der Gehorsam Abrahams, den er in seinem unbedingten Vertrauen auf Gott zeigte. Abraham wusste ja, dass er seinen Sohn Isaak noch in hohem Alter und trotz der Unfruchtbarkeit seiner Frau Sara auf wunderbare Weise von Gott erhalten hatte. Sein Glaube und sein Vertrauen in die Güte Gottes waren so groß, dass er es sich einfach nicht vorstellen konnte, dass Gott ihm sein liebstes Kind wieder nehmen würde. Eben deshalb ging er zuerst auf den vermeintlichen Wunsch Gottes ein, der ihm auftrug, eben diesen einzig geliebten Sohn Isaak im Land Morija auf einem der Berge als Brandopfer darzubringen.

Was aber ist ein Opfer? So fragen wir Heutigen. Ein Opfer hat mit Anbetung und Hingabe zu tun. Wir geben Gott von seinen eigenen Gaben etwas zurück, obwohl wir natürlich wissen, dass er auf nichts davon angewiesen ist. Er ist ja der Vollkommene, dem nichts fehlt; er hat alles ins Dasein gerufen, und wir vermögen ihm letztlich nichts abzugelten.

Und doch ist das materielle Opfer aus Speise oder Trank oder auch aus den Pflanzen und Tieren des Feldes für die Völker der alten Zeit ein Zeichen gewesen, mit dem sie zum Ausdruck gebracht haben, dass Gott der Herr ist und er Anbetung, Lob und Dank verdient. Es gab auch Bitt- und Sühnopfer, mit denen man Gottes Hilfe bzw. die Verzeihung der Sünden zu erreichen suchte. Mit Recht sagt jedoch der Hebräerbrief (10,1), dass das alte Gesetz „durch die immer gleichen, alljährlich dargebrachten Opfer“ die Menschen „niemals für immer zur Vollendung führen“ konnte.

Die wahre Anbetung Gottes geschieht nur im Gehorsam des Glaubens, wofür der Glaube Abrahams Urbild und Vorbild ist. Doch auch Abraham war nur das Vorausbild des Kommenden; denn der Sohn Gottes hat durch sein Opfer am Kreuz wahr gemacht, was alle anderen Opfer bei den Heidenvölkern und selbst im Alten Bund nicht vermocht hatten: die Menschen wahrhaft mit Gott zu versöhnen.

Eben deshalb schließen wir Christen uns an Jesus Christus an und kennen im Grunde nur mehr das eine Opfer: Den Tod und die Auferstehung Jesu verkünden wir, bis er kommt in Herrlichkeit. Die Opferhingabe des Herrn am Kreuz wird geheimnisvoll, aber wirklich gegenwärtig gesetzt bei jeder Heiligen Messe, wenn der Priester in der Person Christi die Worte sprechen darf: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ – „Das ist mein Blut, das für euch und für alle (wörtl.: für viele) vergossen wird.“

Und auch wir, liebe Brüder und Schwestern, dürfen eintreten in dieses Opfer des Herrn. Wir wollen Gott unser ganzes Leben schenken und anvertrauen, das wir ja von ihm empfangen haben. Wenn wir ihn als unseren Herrn anerkennen und ihm unser Herz weihen, dann wird auch unser Leben verwandelt und wahrhaft zu einer Gabe der Liebe für Gott und die Mitmenschen.

Das Opfer Christi am Kreuz zeigt uns: Im Tod liegt Leben. Liebe triumphiert über den Tod und über alles Böse. Nicht Gott ist grausam, dass er den Tod seines Sohnes am Kreuz zugelassen hat, sondern die Sünde von uns Menschen war es, die ihm das furchtbare Leid des Kreuzestodes bereitet hat. Er aber hat alles in Geduld und Liebe ertragen, um uns das Heil und die Versöhnung zu schenken.

In der Fastenzeit beten wir des öfteren den Kreuzweg. Wir tun dies in der Verbundenheit mit der Gottesmutter Maria, die ihrem Sohn Jesus allezeit nahe war. Indem wir seine Liebe betrachten, die bis zum Tode ging, mögen auch wir von Liebe ergriffen werden und so unser Leben für die Brüder und Schwestern einsetzen. Wenn wir Gott alles schenken, dann wird auch er uns das Glück des ewigen und seligen Lebens in seiner Herrlichkeit nicht vorenthalten. Amen.