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Predigt:

Kommt und seht!

2. Sonntag im Jahreskreis B (18.01.2009)

L1: 1 Sam 3,3b-10.19; L2: 1 Kor 6,13c-15a.17-20; Ev: Joh 1,35-42


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das Evangelium dieses Sonntags ist die Geschichte eines Suchens und Findens. Zwei ideal gesinnte, Gott suchende Menschen, von denen einer Andreas heißt, waren Jünger Johannes des Täufers. Dieser aber wollte nur Vorläufer sein für den Größeren, der da kommen sollte, und als Jesus vorüberging, bezeichnete ihn Johannes in Gegenwart der beiden Jünger schon zum zweiten Mal als das „Lamm Gottes“ (vgl. Joh 1,29.35). Dies weckte das Interesse der beiden Jünger, und sie folgten Jesus. Johannes selbst hatte sie auf ihn aufmerksam gemacht.

Noch war aber den beiden Jüngern nicht klar, was sie eigentlich finden wollten. Und als sie Jesus fragte, was sie suchten, antworteten sie: „Rabbi, wo wohnst du?“ Dies ist mehr als eine bloße Verlegenheitsantwort; es handelt sich um einen wahrhaftigen Ausdruck ihrer Suche nach dem Lebensumfeld und Lebensinhalt jenes geheimnisvollen Lehrers, auf den Johannes hingewiesen hatte.

Jesus macht nicht viele Worte, indem er sich vielleicht theoretisch um eine Erklärung bemüht hätte, ihnen zu sagen, wer er ist und wofür er steht. Er lädt sie vielmehr freundlich ein: „Kommt und seht!“ Genau das tun die beiden Jünger, und sie bleiben jenen Tag bei ihm. Wir wissen nicht, was sie genau von Jesus gehört haben und was sich an diesem Tag alles ereignet hat.

Offenbar aber war der Eindruck des Andreas so tief, dass er nachher unmittelbar seinen Bruder Simon ansprach und ihm überzeugt mitteilte: „Wir haben den Messias gefunden.“ Ein größeres Bekenntnis zur Würde und Autorität Jesu lässt sich aus dem Mund eines jüdischen Frommen nicht vorstellen. Dieser Jesus ist der Messias, d.h. der Gesalbte, was auf griechisch „Christus“ heißt. Als nun Andreas seinen Bruder Simon mit Jesus bekannt macht, da verheißt ihm Jesus einen neuen Namen: Er soll „Petrus“ heißen, der Fels.

In dieser ersten Begegnung der Jünger mit Jesus, wie uns dies Johannes überliefert, klingt bereits das an, was später gemäß dem Evangelium des Matthäus als feierliches Glaubensbekenntnis des Simon Petrus zutage tritt: Simon Petrus wird Jesus als den „Messias, den Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16) bekennen, worauf Jesus dem Simon feierlich den neuen, bereits angekündigten Namen verleiht: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).

Wenn wir Jesus kennen lernen wollen, dann genügt es nicht, kluge Bücher zu lesen. Wir müssen ihm nachfolgen, um zu sehen, wo er wohnt. Nur wer sein Leben mit ihm teilt, wird ihn erkennen. Auch uns lädt der Herr ein, ihn zu begleiten und ihm nachzufolgen: „Kommt und seht!“ Es gibt keinen Druck und keine Überredung, sondern es ist eine Einladung zu persönlichen Gemeinschaft mit Christus, dem Herrn. Wir lernen ihn kennen im gläubigen Lesen und Meditieren der Heiligen Schrift, im stillen und auch gemeinsamen Gebet, besonders auch als Anbetung des Herrn, wie er verborgen anwesend ist in der Heiligen Eucharistie unter der Gestalt des Brotes. Wir begegnen dem Herrn aber stets neu auch in jedem Bruder und jeder Schwester. In unserem Nächsten dürfen wir dem Herrn dienen und ihm nahe sein. Der Glaube und die Liebe werden unser Herz öffnen, sodass wir Christus den Herrn immer besser kennen und lieben lernen.

Wer könnte uns da nicht besser behilflich sein und uns liebevoller begleiten als Maria, seine Mutter? Sie weist uns den Weg zu Jesus, ihrem Sohn. Er ist der Erlöser aller Menschen, Christus der Herr. An ihn sollen wir glauben; zu ihm dürfen wir auch andere Menschen führen, denn er hat Worte des Lebens. In diesem Vertrauen wollen wir ausharren im Guten und unseren Lebensweg gehen: Gott ist bei uns, er hat unter uns Wohnung genommen und nimmt uns in Liebe an.

Amen.