Predigt:
Der Priester im Dienste Gottes:aus den Menschen und für die Menschen
30. Sonntag im Jahreskreis B (25.10.2009)
L1: Jer 31,7-9; L2: Hebr 5,1-6; Ev: Mk 10,46-52
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die zweite Lesung (aus dem Hebräerbrief) eignet sich gut als Grundlage, im Jahr des Priesters über das Priestertum nachzudenken. Wer ist überhaupt ein Priester? Und: Brauchen wir heute noch Priester?
Religionsgeschichtlich ist ein Priester wesentlich ein Vermittler zwischen Gott und den Menschen. Er wird aus den Menschen genommen und für die Menschen bestellt. Dies trifft in höchstem Maß auf unseren Herrn Jesus Christus zu: In seiner Menschwerdung ist er einer von uns geworden, ohne sein Gottsein abzulegen und aufzugeben. So gehört er ganz zu uns (als Mensch) und ganz zu seinem himmlischen Vater (als Gott). Er vermag für die Menschen einzutreten und ihre Schuld zu sühnen. Als das ganz und gar unschuldige Lamm Gottes lädt er die Schuld der Menschen auf sich, um für sie bei Gott Sühne zu leisten. So hat er in seinem Blut die Versöhnung gestiftet zwischen Gott und den Menschen und auch unter den Menschen, die verfeindet und zerstreut waren.
In der Lesung wird Jesus als Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks bezeichnet. Melchisedek war Priester von Salem und brachte Gott Brot und Wein als Gaben dar. So hat dieser Priester im voraus das symbolisch dargestellt, was dann im Opfer der Eucharistie Wahrheit werden sollte: Unter den Gestalten von Brot und Wein bringt Jesus Christus sich selbst dem himmlischen Vater dar und vergegenwärtigt damit das Opfer seiner Hingabe am Kreuz. Die heilige Messe, die der Priester in der Person Christi feiern darf, ist die Vergegenwärtigung von Tod und Auferstehung Christi.
Daher können wir sagen: Jedes wahre Priestertum ist Teilhabe am einen und einzigen Priestertum Christi. Er ist der ewige Hohepriester, der beim Vater im Himmel für uns Menschen eintritt. Wer zum Priester berufen ist, soll Mittler sein zwischen Gott und den Menschen. Er darf den Menschen das Wort Gottes verkünden und die Sakramente spenden, und er soll die Menschen zu Gott hinführen. Dies tut er nicht aus eigener Vollmacht, sondern weil er von Gott gesandt ist und teilhaben darf am Priestertum Jesu Christi.
Aber neben dem Weihepriestertum gibt es auch das gemeinsame Priestertum aller Getauften. Durch Taufe und Firmung sind wir alle mit dem Geheimnis Christi verbunden; die an Christus Glaubenden sind zu einem Volk von Königen und Priestern geworden. Ihren priesterlichen Dienst vollziehen sie durch das Gebet und die Teilnahme am eucharistischen Opfer sowie wesentlich durch die Heiligung des Alltags, indem sie ihr Leben zu einer Opfergabe der Liebe machen für Gott und die Menschen. Der geweihte Priester ist dazu berufen, dem gemeinsamen Priestertum der Gläubigen zu dienen. So wirken alle zusammen: der Priester als Hirte steht in der Person Christi dem Volk gegenüber; das priesterliche Volk Gottes ist durch Glaube und Liebe geeint und geht Christus dem Herrn entgegen.
Auch in unserer Zeit brauchen wir Priester! Jesus hat uns aufgerufen, um geistliche Berufe zu beten. Das wollen wir ernst nehmen und darin nicht nachlassen, dann werden wir bestimmt Erhörung finden! Amen
