Josef Spindelböck
Die Gabe der armen Witwe
Predigt am 32. Sonntag im
Jahreskreis
Lesejahr B, 8. November 2009
L 1: 1 Kön 17,10-16; L 2: Hebr 9,24-28; Ev: Mk 12,38-44
Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Sowohl in der ersten Lesung als auch im Evangelium ist an diesem Sonntag von einer armen Witwe die Rede, die jeweils trotz ihrer eigenen Not noch bereit ist, Gutes zu tun für andere.
Der Prophet Elija bittet eine Witwe in Sarepta um ein kleines Gebäck, bevor sie für sich selber und ihren Sohn aus dem letzten Rest von Mehl und Öl noch eine Speise bereitet. Denn sie hat dann nichts mehr und wird aller Voraussicht nach den Hungertod sterben müssen. Es ist nämlich eine große Dürre über das Land gekommen, sodass alle Nahrungsmittel knapp geworden sind. Die Witwe hat ein gutes Herz und denkt trotz ihrer eigenen Not noch an andere: So bereitet sie dem Gottesmann eine kleine Mahlzeit. Daraufhin aber wendet sich ihr trauriges Los: Sie wird aufs reichlichste beschenkt, indem Gott durch den Propheten ein Wunder ankündigt und wirkt: „Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet.“
Im Evangelium ist es ebenfalls eine arme Witwe, die ihr Herz öffnet für andere. Nach außen hin scheint es zwar, als würde sie nur wenig geben, wenn sie in den Opferkasten beim Tempel zwei kleine Münzen hineinwirft. Andere, die reicher sind, geben offensichtlich mehr und verachten die arme Witwe. Doch Jesus, der dies beobachtet, stellt die Sache klar: Die anderen „haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.“
Zwar hören
wir dann im Evangelium nichts davon, wie es mit der Witwe weitergegangen ist;
wir dürfen aber annehmen, dass auch ihr das
Gute, das sie getan hat, auf
reichliche Weise vergolten worden ist: wenn nicht in diesem Leben, so doch
von Gott selbst in seinem himmlischen Reich.
Beide
Beispiele aus dem Leben – die eine Witwe bei Elija und die andere Witwe beim
Opferkasten im Tempel – zeigen uns jedenfalls, dass sich arme Menschen oft leichter tun, in ihrer Not noch an andere zu
denken, als dies Reichen für
gewöhnlich gegeben ist. Wer reich ist und seine ganze Energie darauf
konzentriert, den Reichtum zu vermehren, meint immer, er kommt selber zu kurz
und er habe noch zu wenig. Die Gefahr
besteht, dass jemand ein hartes Herz
bekommt und seine Mitmenschen übersieht oder ablehnt, wenn sie in Not sind und
der Hilfe bedürfen.
Den beiden Witwen wird jedenfalls ihr gutes Tun auf reiche Weise vergolten: Gott selber lohnt es ihnen, teilweise
schon in diesem Leben, jedenfalls aber in der ewigen Gemeinschaft mit ihm im
Himmelreich. Wer aus ganzem Herzen gibt
und in Liebe Gutes tut, wird nicht leer ausgehen. Das ist die Botschaft dieser
Lesungen des heutigen Sonntags.
Es geht also
nicht in erster Linie darum, ob jemand arm oder reich ist, sondern ob er ein Herz hat für andere, ob er
also in Liebe offen ist für Gott und die Menschen. Jesus hat uns dies selber vorgelebt, indem er in seinem Menschsein
für uns zu einer Opfergabe der Liebe
geworden ist: bis zum Tod am Kreuz. So hat er, wie der Hebräerbrief (2. Lesung)
es beschreibt, durch sein Opfer am Kreuz
die Sünde der Menschen getilgt. Er wurde
„ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen“. Als Weizenkorn ist er gestorben und hat in
seinem Tod und in seiner Auferstehung reiche Frucht gebracht für das Leben der
Menschen, sodass er bei seiner Wiederkunft die erretten wird, welche ihn
erwarten.
Suchen wir die Gemeinschaft mit Gott im Gebet und in den Sakramenten. Lassen wir uns von Gott mit Liebe beschenken! Wer auf diese Weise empfängt, wird auch frei werden für die Mitmenschen in echter Großherzigkeit und Hingabe. Und auch wir werden dann bestimmt oft die Erfahrung machen, ähnlich wie die beiden Witwen: Wenn wir anderen Gutes tun und uns für sie einsetzen in Liebe, dann wird auch uns reichlich vergolten. Wir werden nicht leer ausgehen, sondern die Liebe Gottes wird uns erfüllen und uns Freude und Seligkeit schenken.
Amen.
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