Dr.
theol. habil. Josef Spindelböck
Das Vorbild der
heiligen Elisabeth
Predigt am 33. Sonntag im
Jahreskreis B
19. November 2006
L 1: Dan
12,1-3; L 2: Hebr 10,11-14.18; Ev: Mk 13,24-32
Alle liturgischen Texte finden Sie online
im Schott-Messbuch
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Mit dem heutigen Tag – dem liturgisch
wegen des Sonntags nicht gefeierten Gedenktag der heiligen Elisabeth von
Thüringen – beginnt das „Elisabeth-Jahr“:
Wir feiern 2007 den 800. Jahrestag der
Geburt der heiligen Elisabeth, die von 1207-1231 gelebt hat. Uns allen ist
diese große Frau als Beispiel liebender Sorge für die Armen bekannt; viele
verehren sie und bemühen sich, sie in ihrem Leben nachzuahmen.
Elisabeth wurde im Jahre 1207 als Tochter des ungarischen Königs
Andreas II. und seiner Gemahlin Gertrud von Andechs geboren. Wie es damals üblich war, kam das kleine Mädchen Elisabeth
aus heiratspolitischen Überlegungen schon im Alter von vier Jahren an den Hof des Landgrafen von Thüringen, der
sich auf der Wartburg bei Eisenach befand. Dort wurde sie von der frommen
Landgräfin Sophie erzogen und heiratete
dann mit 14 Jahren Ludwig IV. Trotz
des äußeren Arrangements der Heirat liebte
sich das junge Paar sehr, und sie hatten drei Kinder.
Elisabeth war eine edle junge
Frau, die das luxuriöse Leben am Hof nicht zufrieden stellen konnte. So half sie bereits während der Zeit ihrer
glücklichen Ehe, und zwar mit Einverständnis ihres Gatten, den Armen und gesellschaftlich Ausgegrenzten. Diese ihre
Wohltätigkeit und persönliche Anspruchslosigkeit wurde zwar von vielen in ihrer
höfischen Umgebung nicht verstanden („So lebt doch keine Gräfin!“), die vielen
kleinen Leute vom Volk sahen sie jedoch als ihre ihnen freundschaftlich
gesinnte „Mutter“ und hielten zu ihr. Auch ihr Mann Ludwig verteidigte seine
Frau gegen Vorwürfe und Feindseligkeiten. Stets
war es die Liebe Christi, die sie bewegte, den Armen und Verachteten nahe
zu sein und das Brot mit ihnen zu teilen.
Dann aber ereilt Elisabeth
ein schwerer Schicksalsschlag: Ihr Mann
Ludwig kommt bei einem Kreuzzug ums Leben. Die junge Witwe mit ihren Kindern – sie war erst
20 Jahre alt – wird nun von missgünstigen Menschen ihrer Güter beraubt und mit den Kindern des Hofes verwiesen. Elisabeth,
die zuvor schon für die Armen gesorgt hatte, ist nun plötzlich selber arm geworden. Verwandte nehmen
sich ihrer an, und es gelingt dann, dass die Witwe eine Abfindung erhält, um für sich und ihre Kinder zu sorgen. Elisabeth
ist jedoch bereit, all das, was sie entbehren kann, weiterzuschenken: Sie gründet
in Marburg ein Hospital, benannt nach dem heiligen Franz von Assisi, den
sie sehr verehrt. Die Kinder werden bei Verwandten untergebracht, und sie
selber beschließt, ihr ganzes Leben
nun dem Dienst Christi und der Armen zu weihen. Die wenigen Jahre,
die ihr noch bleiben, setzt sie sich bis zur Erschöpfung ihrer Kräfte dafür
ein, den Armen, Kranken und Aussätzigen zu helfen und ihnen zu dienen. Sie möchte
andere Menschen froh machen, da sie selbst in allen ihren Prüfungen und Leiden von der Freude an der Liebe Gottes erfüllt
ist. Am 17. November 1231 stirbt Elisabeth im Alter von nur 24 Jahren, nach einem von Liebe und
Hingabe erfüllten Leben. Bereits vier Jahre später wurde sie vom Papst heilig
gesprochen.
Das Leben der heiligen
Elisabeth zeigt uns, wie sich eine
wahrhaft christliche Berufung verwirklichen kann: zuerst in der Familie, dann im Witwenstand und in gottgeweihter
Lebensweise, stets offen für die Not der
Armen. Die innere Kraft der heiligen Elisabeth war ihre tiefe Verbundenheit
mit Christus, dem Herrn. Gott hat uns Menschen das Leben geschenkt und alle
damit verbundenen Gaben. Wir tragen
Verantwortung füreinander und sollen einander beistehen. Das hat Elisabeth
auf beispielhafte Weise verwirklicht. Es ging ihr nicht nur um innerweltliche
soziale Aktion, sondern sie
hatte stets das ewige Ziel des Menschen
vor Augen, die selige Gemeinschaft mit Gott im Himmel. Ihre Hoffnung war ausgestreckt auf den Himmel;
sie erwartete voll Freude die Wiederkunft
des Herrn, der einst kommen wird als Richter der Lebenden und der Toten. Das
Maß seines Gerichtes wird die Liebe sein, die wir im Herzen tragen
und die wir geübt haben.
Elisabeth hat uns ein
Beispiel gegeben. Möge ihre Fürbitte
auch uns Menschen der heutigen Zeit den Weg weisen zu tiefer Gottverbundenheit
und zu einem selbstlosen Einsatz für die leibliche und geistige Not unserer
Nächsten! Amen.
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