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Predigt:

Der Herr ist nahe – freuet euch!

3. Adventsonntag B (14.12.2008)

L1: Jes 61,1-2a.10-11; L2: 1 Thess 5,16-24; Ev: Joh 1,6-8.19-28


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

An diesem 3. Adventsonntag („Gaudete!“ – „Freuet euch!“) werden wir zur Freude aufgefordert. Der Eröffnungsvers der Messe aus Phil 4,4–5 lautet: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.“ Und in der Lesung aus dem Thessalonicherbrief heißt es mit ähnlichen Worten gleich zu Beginn: „Freut euch zu jeder Zeit!“

Die Vorfreude auf das Weihnachtsfest darf uns bereits erfüllen. Mögen uns auch verschiedene Sorgen belasten und so manche Leiden und Kümmernisse quälen – als Christen haben wir keinen letzten Grund zur Traurigkeit, wenn Gott bei uns ist und uns tröstet!

Freude lässt sich freilich nicht befehlen und erzwingen. Wir können aber gewisse Voraussetzungen für sie schaffen. Johannes der Täufer wurde von Gott als Vorläufer des Messias gesandt, um den Weg zu bereiten für den Herrn. Die Buße und Umkehr, welche Johannes den Menschen mit manchmal strengen Worten predigte, sollte zur Gemeinschaft mit Gott führen und damit zur wahren Freude.

Der Mensch ist ein Wesen, das für das Glück erschaffen ist. Immer treibt uns eine verborgene Sehnsucht an in unserem Leben; wir suchen dieses Glück hier und dort, und wenn wir es gefunden zu haben meinen, entschwindet es uns schon wieder. Auf Erden ist alles vergänglich. Und doch dürfen wir darauf vertrauen, dass jede echte und tiefe Glückserfahrung ein Abglanz von Gottes ewiger Freude ist. So lehrt uns der Glaube noch Größeres zu erhoffen und zu ersehnen, als wir auf Erden an tiefstem Glück erfahren können.

Wahres Glück, das unser Herz erfüllt, bedeutet tiefe Freude. Dies ist etwas anderes als ein oberflächliches Lustig-Sein, hinter dem oft genug eine geistige Leere stehen kann. Echtes Glück hat auch nicht in ersterer Linie mit körperlichen Lustempfindungen zu tun, wie es der Hedonismus lehrt. Gerade deshalb versäumen so viele Menschen das wahre Glück, weil sie dem billigen Vergnügen nachjagen, in der Furcht, immer etwas zu versäumen. Sie meinen, sie müssten das Leben auskosten und davon mitnehmen, so viel es zu bieten vermag. Dabei vergessen sie, dass der Egoismus und die Genusssucht die Feinde des wahren Glückes sind.

Wahres Glück hat mit Liebe zu tun. Nur dort, wo es eine Gemeinschaft von Personen in Liebe gibt, ein echtes Schenken und ein gegenseitiges Empfangen, ist das Glück zu finden. Eine solche Liebe aber, wie sie sich gerade in einer guten Ehe und Familie verwirklicht, verweist in ihrem tiefsten Kern immer auf Gott, der die Liebe ist. In der ehelichen Hingabe wird Gottes Geheimnis gegenwärtig; eine solche Hingabe der Liebe ist auch fruchtbar und offen für Kinder. Das Glück, das hier erfahren wird, ist kein egoistisch Gesuchtes, sondern eines, das man teilen will mit anderen.

Aber auch Menschen, die nicht verheiratet sind, können erfahren: Je mehr sich ihr Herz für die Mitmenschen öffnet, desto größer wird auch die eigene Freude. Geben ist seliger als Nehmen. Wenn wir uns zu Weihnachten gegenseitig beschenken, dann machen wir kund, dass wir die Freude, die Gott uns schenkt, miteinander teilen wollen.

Unüberbietbar sind die guten Gaben Gottes. Ein reines und demütiges Herz darf sie aufnehmen und empfangen. Wir haben wahrlich Grund zur Freude, da uns Gott in der Menschwerdung seines Sohnes ewiges Glück verheißen hat. Gottes Wort trügt nicht; wer darauf baut, baut auf keinen Sand, sondern auf festem Fundament. Wir wollen wie die Jungfrau Maria glauben und vertrauen, dass Gott uns nie verlässt und stets bei uns ist – in guten und in weniger guten Tagen. Gott ist treu, er möge uns in seiner Gnade bewahren und uns einst das Glück des ewigen Lebens in Fülle schenken. Amen.