Josef Spindelböck
Die 10 Gebote Gottes - ein Weg
zur Freiheit
Predigt am 3. Fastensonntag
15. März 2009, Lesejahr B
L
1: Ex 20,1-17; L 2: 1 Kor 1,22-25; Ev: Joh 2,13-25
Alle liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In der Lesung aus dem Buch Exodus hören wir am 3.
Fastensonntag den Wortlaut jener „10
Gebote“, die das Volk Israel am Berg Sinai von Gott durch Mose empfangen
hat. In diesen wenigen Sätzen drückt sich Wesentliches von dem aus, was für
alle Menschen zu einem guten, Gott
wohlgefälligen Leben nötig ist.
Beachten wir die Einleitung,
denn sie ist gleichsam das Vorzeichen für alles folgende. Gott stellt sich selber vor
als der Retter und Befreier, indem er sagt: „Ich bin Jahwe, dein Gott, der
dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“
Das Volk Israel hat erfahren, wie es aus der Knechtschaft Ägyptens auf wunderbare und machtvolle Weise
befreit worden ist. Der Pharao ließ sie nur mit Widerwillen ziehen, und auch
das nur, weil er durch verschiedene Machtzeichen Gottes dazu genötigt worden
war. Die Israeliten konnten durch das
Meer ziehen, das sich teilte, und wurden in der Wüste durch Gott geführt, vor ihren Feinden beschützt und
auf wunderbare Weise mit Wasser und Nahrung versorgt.
Jetzt am Sinai gibt
ihnen Gott gleichsam das Bundesgesetz.
Es ist ein Gesetz der Freiheit,
nicht der Knechtschaft. Denn Gott zu dienen ist höchste Ehre für den Menschen;
darin drückt sich seine Würde aus. So sind auch die 10 Gebote nicht restriktive
Maßnahmen, um die Menschen zu gängeln, sondern wie Wegmarken, damit das Volk Israel als ganzes, aber auch die
einzelnen Menschen nicht die Orientierung verlieren und in die Irre gehen. Gott zeigt in den Geboten, dass ihm
etwas am Menschen liegt. Er schützt den
Menschen und will sein wahres Wohl
und Heil.
Die ersten Gebote
beziehen sich auf die Anbetung und Verehrung
des wahren Gottes. Kein anderer kommt ihm gleich. Darum darf sich niemand
ein Götzenbild machen oder etwas anderes an Stelle Gottes verehren. Allein Gott gebührt die Ehre!
Der Name Gottes
ist heilig, ihn darf man nicht missbrauchen
durch leichtfertiges Aussprechen, durch Fluch oder Meineid. Ein Tag der Woche –
bei den Israeliten war es der Sabbat,
bei uns ist es der Sonntag – soll in
besonderer Weise Gott geweiht und
heilig sein. Er dient dem Menschen auch zur Ruhe und Erholung sowie zur
familiären Gemeinschaft; es ist ein Tag der Freude.
Die Familienordnung
verdient besonderen Schutz. Darum ruft Gott im 4. Gebot die Kinder dazu auf, ihren Eltern zu gehorchen. Umgekehrt besteht
auch eine Verantwortung der Eltern für
ihre Kinder. Auch die größeren sozialen Bezüge in Staat und Gesellschaft
können hier angeführt werden.
Das fünfte Gebot zeigt uns, dass Leib und Leben des
Menschen heilig sind und nicht verletzt werden dürfen. Das Gebot „Du sollst nicht töten“ gilt ausnahmslos
als Gebot des Schutzes für jeden unschuldigen
Menschen, dessen Leben von der
Empfängnis bis zum natürlichen Tod
zu respektieren ist.
Das sechste Gebot
ruft auf, die eheliche Gemeinschaft
durch Liebe und Treue heilig zu
halten sowie den Kindersegen nicht
auszuschließen. Die Sexualität
ist etwas so Großes, dass sie nur in der
Hingabe ehelicher Liebe zwischen Mann und Frau ihre Berechtigung findet.
Das Eigentum des
Nächsten ist zu achten. Der Wahrheit
ist die Ehre zu geben; Lüge und Falschheit sei dem Herzen fern.
Nicht nur im Tun und Handeln kann man sündigen, sondern auch das unrechte Begehren nach dem
Ehepartner oder Eigentum des anderen ist sündhaft. Gott möchte, dass wir
vollkommen sind und ein reines Herz
haben.
Auch für uns Christen
gelten die 10 Gebote.
Jesus Christus hat sie bestätigt, vertieft und verinnerlicht, indem er uns
aufruft, sie in der Kraft der Gottes- und
Nächstenliebe zu erfüllen. Denn diese ist das größte Gebot, und die Liebe
tut niemand etwas Böses.
Lassen wir uns im Bußsakrament
wieder von Gott die Vergebung
schenken und die Kraft zum Neubeginn,
wenn wir versagt haben! Dann schreiten auch wir hoffnungsvoll auf den Wegen des
Lebens – dem himmlischen Ziel der ewigen Vollendung bei Gott entgegen.
Amen.