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Predigt:

Der handgreifliche Realismus der Auferstehung

3. Sonntag der Osterzeit B (26.04.2009)

L1: Apg 3,12a.13-15.17-19; L2: 1 Joh 2,1-5a; Ev: Lk 24,35-48


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Was uns beim Anhören des heutigen Evangeliums nach Lukas besonders auffällt und vielleicht sogar überrascht, das ist die Körperlichkeit, ja sogar Handgreiflichkeit der Erscheinungen des auferstandenen Herrn vor seinen Aposteln und Jüngern.

Nicht irgendeine fromme Vision, eine Ekstase oder ein himmlisches Entzücken sucht sie heim, sondern sie begegnen dem Herrn, der lebt, als einem Menschen, der mit ihnen ganz gewöhnlichen Umgang hat: Die Apostel können ihn sehen, ja sogar anfassen; sie essen und trinken mit ihm. All dies tut Jesus, um wirklich jeden Zweifel daran zu zerstreuen, dass er es ist, der mit ihnen redet, nicht bloß ein Geist oder eine körperlose Erscheinung oder gar eine Halluzination.

Manchen Schriftauslegern – man nennt sie Exegeten – ist dieser Realismus der Ostererzählungen zu intensiv und erscheint ihnen übertrieben. So ist der eine oder andere zur Auffassung gekommen, man dürfe diese Berichte eben doch nicht so wörtlich nehmen, wie sie dastehen; sie würden nur bildlich oder symbolisch gelten und einfach zum Ausdruck bringen, dass Jesus in einer höheren Seinsweise lebe oder vielleicht gar nur, dass eben die „Sache Jesu“ weitergehe.

Wenn wir aber das ernst nehmen, was Gott mit dem Geheimnis der Inkarnation, also der Fleischwerdung des ewigen Wortes wirklich meint und zum Ausdruck gebracht hat, dann geht es auch beim Geheimnis der Auferstehung um das Bekenntnis zum konkreten Herrn Jesus Christus in seiner Gottheit und Menschheit, und das heißt eben auch in seiner verklärten Leiblichkeit. Jesus ist wahrhaft auferstanden; er ist mit seinem Leib auferstanden, der am Kreuz gelitten hat, der gestorben ist und ins Grab gelegt wurde, aber jetzt nicht mehr dort ist. Gott wollte uns das ganz klar verdeutlichen, selbst auf die Gefahr hin, dass manche dies in der Art missverstehen sollten, als ob Jesus einfach ins frühere Leben zurückgekehrt wäre oder, wie einige Irrlehrer behauptet haben, dass er gar nicht wirklich gestorben wäre, sondern nur „scheinbar“.

Und wenn wir mit der Kirche so entschieden an der Geschichtlichkeit der Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen festhalten, dann hat dies auch mit unserem eigenen Leben zu tun: Wir sind mit Christus in der Taufe auf seinen Tod begraben worden und zu einem neuen Leben mit Gott erweckt. Auch den leiblichen Tod, der uns allen bevorsteht, brauchen wir nicht mehr zu fürchten. Gott selbst hat ihm den Schrecken genommen. Mit Christus erhoffen wir nicht nur das Fortleben der unsterblichen Seele bei Gott und ihre Gottesschau, sondern ebenso die Vollendung des ganzen Menschen, d.h. auch die Auferweckung und Verherrlichung unseres sterblichen Leibes, der dann, wenn Christus wiederkommt, um zu richten die Lebenden und die Toten, mit Unsterblichkeit bekleidet wird und seinem auferstandenen Leib ähnlich sein wird.

Wenn wir also die Wirklichkeit der Begegnungen der Apostel und Jünger mit dem Auferstandenen bekennen, so drücken wir damit zugleich den Glauben, also das feste Überzeugsein und das Vertrauen auf Gott aus, dass er auch unser Leben in seiner Macht vollenden wird, wenn wir mit ihm in Liebe verbunden bleiben.

Beachten wir die Worte, die der auferstandene Herr an die Jünger gerichtet hat: Er spricht davon, dass die Apostel und Jünger – also die ganze Kirche – in seinem Namen „allen Völkern, angefangen in Jerusalem“ die Umkehr und Vergebung der Sünden verkünden sollen. Diese Botschaft haben auch wir gehört, und wir sollen sie weitertragen durch unser Leben – damit das Heil Gottes zu möglichst vielen Menschen gelangt und sie gerettet werden!

Amen.