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Predigt:

Gott wird Mensch im Schoße einer Frau

4. Adventsonntag B (21.12.2008)

L1: 2 Sam 7,1-5.8b-12.14a.16; L2: Röm 16,25-27; Ev: Lk 1,26-38


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Jungfrau Maria hat ihr Kind Jesus, den wahren Sohn Gottes, vom Heiligen Geist empfangen. Das ist der Inhalt des heutigen Evangeliums, mit dem wir schon ganz nahe an das Geheimnis von Weihnachten herangeführt werden. Das eigentliche Fest der Menschwerdung Gottes ist ja jener Tag, an dem die Kirche den Anfang des menschlichen Lebens des Jesuskindes feiert. Und ein Kind beginnt bereits bei seiner Empfängnis zu leben; daher wird am 25. März das Hochfest der Verkündigung des Herrn begangen, also genau 9 Monate vor dem Weihnachtstag, an dem wir die Geburt des Erlösers aus Maria der Jungfrau feiern.

Im Kind, das Maria durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen hat, ist in Erfüllung gegangen, was Gott durch die Propheten vorausgesagt hatte. Das Volk Israel wartete auf den Erlöser; er sollte die Menschen aus der Finsternis der Sünde und des Todes herausführen und in das Licht der Gegenwart Gottes versetzen.

Besonders eindrucksvoll ist jene Verheißung, die durch den Propheten Natan an König David ergangen ist. Wir haben davon in der ersten Lesung gehört. David wollte für Gott ein Heiligtum erbauen, einen Tempel. Doch noch war die Zeit dafür nicht gekommen. Statt dessen verkündet Gott dem König David durch seinen Propheten: Gott wird dir ein Haus bauen. „Haus“ ist hier im übertragenen Sinn gemeint: Wenn wir von einem „Königshaus“ sprechen, dann meinen wir die Dynastie, das Geschlecht des Königs. So verheißt Gott dem David, dass er seinen leiblichen Sohn als „Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen“ wird. Gemeint ist hier zunächst Salomo, der unmittelbare Nachfolger Davids als König. Aber die Verheißung umfasst mehr: Sie geht bis zu Jesus Christus, dem Sohne Davids. Von ihm sagt der Prophet im Namen Gottes: „Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein.“ Es ist eine großartige Verheißung für David. Kein König hat je etwas Ähnliches gehört: „Dein Haus und dein Königtum sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben; dein Thron soll auf ewig Bestand haben.“

Das Königtum Gottes hat Bestand für immer; der Thron des Messias kann nicht gestürzt werden. Der Erlöser kam freilich in diese Welt nicht wie ein König, sondern als kleines Kind, das in Armut im Stall von Bethlehem geboren wurde. Nicht zu herrschen, sondern zu dienen ist er gekommen; nicht zu richten und zu verurteilen, sondern um zu retten und zu erlösen und uns ins Himmelreich zu führen, wo er wirklich seine ganze Macht und Herrlichkeit zeigen wird.

Maria hörte vom Engel über ihr Kind, das sie empfangen sollte, die Worte: „Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ Sie wusste also, wer als Kind zu ihr kommen wollte, und war im Glauben dazu bereit.

Im Ja-Wort Marias zur Botschaft des Engels erfüllte sich die Erwartung der ganzen Menschheit für das Kommen des Erlösers. Maria hat stellvertretend für uns alle „Ja“ gesagt zum Liebesbund Gottes mit der Menschheit. Sie war ganz empfänglich für Gottes Liebe; sie hat sich ganz dem Geheimnis des Heils hingegeben und dem ewigen Gott ihren Schoß dargeboten, damit er darin als Kind Wohnung nehmen konnte, um so wirklich einer von uns zu werden: Ein Mensch unter Menschen, in allem uns gleich außer der Sünde.

Kommt und betet an dieses Geheimnis: Gott wird Mensch im Leib einer Frau! Wir waren ihm nicht zu gering, und er hat sich in Liebe zu uns herabgeneigt, damit wir durch ihn zu Kindern Gottes werden – zu Brüdern und Schwestern des Erlösers und auch untereinander zu einer Gemeinschaft der Liebe und des Erbarmens.

Amen.