Predigt:
Gott tröstet und rettet sein Volk
4. Fastensonntag B (22.03.2009)
L1: 2 Chr 36,14-16.19-23; L2: Eph 2,4-10; Ev: Joh 3,14-21
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In der alttestamentlichen Lesung aus dem 2. Buch der Chronik wird mit wenigen Sätzen zurückgeblickt auf die traurig-erschütternde Erfahrung des Volkes Gottes, das im Jahr 586 vor Christus für 70 Jahre ins Exil nach Babylonien gehen musste.
Damals ereignete sich jene Katastrophe, von der es heißt, dass die fremden Eroberer – die Chaldäer – sogar den Tempel und viele Gebäude in Brand setzten, die Mauern Jerusalems niederrissen und alles Wertvolle zerstörten oder mitnahmen. Wer nicht durch das Schwert getötet wurde, entging nicht dem Los der Verschleppung. Vor allem „die Oberschicht der Bevölkerung wurde mit König Zidkija, der erst den Tod seiner beiden Söhne mit ansehen musste und dann geblendet wurde, nach Babylon deportiert.“[1]
Unter Nebukadnezar und seinen Söhnen mussten die Israeliten fern ihrer Heimat wie Sklaven dienen, bis schließlich nach 70 langen Jahren die lang ersehnte Wende kam.
Ausgerechnet der Perserkönig Kyrus war es nämlich, selber ein Heide, der zum Werkzeug Gottes für die Rückführung seines Volkes nach Kanaan-Palästina werden sollte. Er gab im Jahr 538 v. Chr. den Befehl, dass jeder, der zum jüdischen Volk gehörte, zurückkehren sollte in seine Heimat und dass der Tempel Gottes wieder aufgebaut werde. Wie groß war da die Freude der Heimgeführten, wie groß der Dank an Gott und die Erleichterung!
Das auserwählte Volk Gottes hat diese geschichtlichen Ereignisse als Prüfungen Gottes verstanden und auch so manche Glaubenskrise mitgemacht. Als nämlich so viele Volksangehörige im fremden Land weilen mussten, da mussten sich die frommen Israeliten wohl die Frage stellen lassen, ob denn Gott sein Volk wohl verlassen habe und ob sich die Verheißungen Gottes nicht erfüllen würden. Gerade in dieser schwierigen Zeit kam es aber zu einer echten Bekehrung vieler. „Not lehrt beten“, heißt es. Die Hoffnung auf Gott, den Retter der Armen, wurde letztlich nicht geringer, sondern größer, bis sich das Los zum Guten hin wandte.
Auch wir kennen in unserem Leben Zeiten der Bedrängnis und der Not. Nicht wenige fragen sich, wieso Gott denn dies oder jenes im eigenen Leben oder bei anderen zulassen könne. Die bange Frage „Wo ist Gott?“ bleibt auch Glaubenden nicht erspart. Auch Jesus, der Erlöser, hat die Not der Gottverlassenheit am Kreuz erfahren. Er hat sich ganz mit uns Menschen solidarisiert und für die Sünder sein Leben hingegeben. So offenbart sich Gottes Liebe zu uns Menschen. „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird“, heißt es im heutigen Evangelium nach Johannes.
In diesen Heilsbereich der Liebe Gottes sind wir eingetreten durch den Glauben und durch die Taufe; Gott hat auch uns befreit aus der Macht der Finsternis und des Todes, er hat uns zu neuem Leben in Christus berufen.
Das Schicksal des alttestamentlichen Gottesvolkes ist auch für uns, die wir zur Kirche Christi gehören dürfen, ein Trost, dass Gott sein Volk letztlich nie verlässt, mag es auch mitunter stürmische Zeiten geben, wie die letzten Wochen wieder gezeigt haben. Unsere Aufgabe ist es, mit Gottes Hilfe treu zu bleiben, das Gute zu tun und in der Hoffnung auf Gottes erbarmende Liebe nicht loszulassen.
Bitten wir die heilige Gottesmutter Maria und den heiligen Josef um ihre Fürsprache!
Amen.
[1]Herders Neues Bibellexikon, Stichwort „Babylonisches Exil“, Freiburg 2008.
