Josef Spindelböck

Der gute Hirte gibt sein Leben für die Schafe

Predigt am 4. Sonntag der Osterzeit
Lesejahr B, 3. Mai 2009

L 1: Apg 4,8-12; L 2: 1 Joh 3,1-2; Ev: Joh 10,11-18

Die liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

„Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“ Diese Worte Jesu aus dem Johannesevangelium zeigen uns die Liebe und den Einsatz des guten Hirten Jesus für die Seinen.

Wie ein guter Hirt seine Schafe behütet und sie nicht im Stich lässt, wenn sie in Gefahr geraten, ist Jesus da für die Menschen, die ihm von Gott dem Vater anvertraut sind. Ja, der gute Hirte ist sogar bereit, sein Leben für die Schafe hinzugeben, wie Jesus sagt. Eben dies hat er selbst durch seinen Tod am Kreuz wahr gemacht: Gottes Sohn hat in Liebe sein Leben für uns hingegeben, damit wir von unseren Sünden erlöst würden und das ewige Leben bei Gott empfangen.

Der heilige Florian, den Sie, liebe Feuerwehrkameraden, in diesen Tagen feiern, ist Christus dem guten Hirten nachgefolgt. Auch er war sich dessen bewusst, dass wir Menschen füreinander Verantwortung tragen und füreinander da sein sollen – in guten und in bösen Tagen. Dieses Dasein für andere kann bis zur Hingabe des eigenen Lebens gehen, wenn der Mitmensch in Gefahr gerät und wir uns einsetzen für seine Rettung. Florian hat dies erfahren müssen: Weil er für das Recht seiner Mitchristen eingetreten ist, die Verfolgung erleiden mussten, wurde er selber plötzlich zum Verdächtigen und Angeklagten. Florian aber stand zu seiner Überzeugung; er ließ seine Mitchristen nicht im Stich und war bereit, mit ihnen zu sterben, um Christus treu zu bleiben. Durch sein Beispiel hat er in der Nachfolge Christi das wahr gemacht, was Jesus als der gute Hirte uns vorgelebt hat: „Der gute Hirt gibt sein Leben hin für seine Schafe.“

Auch Sie, liebe Feuerwehrkameraden, setzen Ihr Leben für den Mitmenschen in Not ein. Sicher: Für gewöhnlich tritt der Ernstfall nicht ein, in dem Sie bereit sein müssen, sogar das Leben für den Nächsten hinzugeben. Dennoch gibt es gefährliche Situationen, in denen man mit allem rechnen muss. Das Ja für den Dienst am Mitmenschen ist keine unverbindliche Angelegenheit. Man kann es in der Situation der Gefahr nicht so halten, wie der bezahlte Knecht im Evangelium, der den Wolf kommen sieht und flieht, weil er lieber das eigene Leben retten will als das der ihm anvertrauten Schafe. So solidarisieren auch Sie sich nach dem Vorbild des heiligen Florian und in der Nachfolge Christi mit ihren Mitmenschen und schenken durch ihren Dienst dem Nächsten in Not ein Stück ihres Lebens! Bei dieser Gelegenheit sei Ihnen ausdrücklich dafür gedankt.

An diesem Sonntag lässt uns die Kirche auch besonders um gute Priester beten. Diese sollen Jesus Christus, dem guten Hirten, nachfolgen und die ihnen anvertraute Herde Gottes weiden. Der Priester ist verantwortlich für das Heil der ihm anvertrauten Menschen. Er kann und darf es nicht zulassen, wenn Menschen in Gefahr für das Leben ihrer Seele kommen, sondern ist aufgerufen, die Wahrheit des Evangeliums zu verkünden, ob gelegen oder ungelegen. Wie das Beispiel der Kirchengeschichte zeigt und auch die gegenwärtige Bedrohung in manchen Ländern der Welt, gibt es auch hier Situationen, wo der Bote des Glaubens in Gefahr gerät und er bereit sein muss, lieber das eigene Leben für Gott im Dienst der Brüder und Schwestern hinzugeben, als den Glauben an Gott zu verraten.

Beten wir zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Florian, dass er uns viele gute Priester schenkt – und natürlich auch viele eifrige und pflichtbewusste Feuerwehrleute ;-)

Gottes Kraft möge alle stärken, die sich für die Mitmenschen in Not einsetzen, ob es sich um die Not und Gefahr des Leibes handelt oder um die Sorge für das Heil der Seelen! Wir empfehlen uns und alle Menschen in Not der besonderen Fürbitte der Gottesmutter Maria, der Mutter des guten Hirten.

Jesu, der gute Hirt, hat sein Leben hingegeben und es wieder empfangen in seiner Auferstehung. Wer mit ihm in Glaube und Liebe verbunden ist, wird leben, auch wenn er stirbt, und einst in Herrlichkeit auferstehen.

Amen.

 

 

SANKT JOSEF - www.stjosef.at