Predigt:
Der Sohn Gottes in Macht
4. Sonntag im Jahreskreis B (01.02.2009)
L1: Dtn 18,15-20; L2: 1 Kor 7,32-35; Ev: Mk 1,21-28
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Als unser Herr Jesus Christus in der Öffentlichkeit zu wirken begann, da trat er nicht einfach auf wie so manche vor ihm, die sich als selbst ernannte Propheten präsentierten, ohne wirklich von Gott gesandt zu sein. Im alttestamentlichen Buch Deuteronomium wird ja, wie die erste Lesung zum Ausdruck bringt, solchen Propheten ohne Auftrag eine ernste Warnung vorgelegt. Es heißt: „Doch ein Prophet, der sich anmaßt, in meinem Namen ein Wort zu verkünden, dessen Verkündigung ich ihm nicht aufgetragen habe, oder der im Namen anderer Götter spricht, ein solcher Prophet soll sterben.“
Zu viele solche falsche Propheten gab es offenbar schon im Alten Bund, und auch zur Zeit Christi gab es manche, die sich als Befreier des Volkes sahen, die Massen sammelten und blutige Revolten anstifteten, die aber dann schließlich doch scheitern sollten und sich als falsche Propheten erwiesen. Nein, Jesus Christus war keiner von diesen selbst ernannten Propheten!
Er trat vielmehr auf als der Sohn Gottes in Macht, und dies zeigte er nicht auf eine anmaßende Weise, sondern in großer Schlichtheit und Demut. Es war einfach die Kraft seines Wortes, welche die Menschen zutiefst im Herzen ergriff. Und natürlich gab es auch Wunder und Zeichen, die seine göttliche Sendung und Wirksamkeit bezeugten.
Ein Mann, der von einem unreinen Geist geplagt wurde, wird zum Werkzeug der Offenbarung dessen, wer Jesus wirklich ist. Aus dem Mund des Besessenen hört man die Worte: „Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.“ Jesus nimmt freilich diese Kundmachung „von unten“ nicht an, sondern befiehlt dem bösen Geist zu schweigen und den Mann zu verlassen. Als dies wirklich geschieht und der gequälte Mann von seinem Leiden erlöst ist, da erkennen alle die Großtaten Gottes und preisen seine Macht.
Die Dämonenaustreibungen durch Jesus sind so wie die übrigen Wunder wirkliche Zeichen des bereits angebrochenen Reiches Gottes. Nun wird der Fürst der Welt, der Teufel, hinausgeworfen von dem, der die Macht hat über alles Böse und der die Menschen befreit, um sie zu Kindern Gottes zu machen. Jesus Christus ist der Herr!
Alles, die auf den kommenden Erlöser warteten, hatten nun einen berechtigten Grund, ihre Hoffnung auf Jesus zu setzen. Freilich kannten sie ihn noch nicht wirklich, er lehrte jedoch ganz anders als die Schriftgelehrten, eben mit göttlicher Vollmacht. So offenbarte der Herr in seiner Menschheit den unsichtbaren Vater, den ewigen Gott, der ihn in die Welt gesandt hatte. Viele kamen zum Glauben an ihn und erfuhren, was es heißt, mit dem wahren Leben in Gott beschenkt zu werden.
Auch für uns, liebe Brüder und Schwestern, ist Jesus Christus der Herr. Auf ihn dürfen und wollen wir hören. Seine Worte sind Worte des ewigen Lebens und des Heiles. Auf ihn, unseren Gott und Erlöser, wollen wir unsere Hoffnung setzen.
Nicht selten tauchen auch in unserer Zeit selbst ernannte Propheten auf, die sich als Führer der Menschheit ausgeben, es aber in Wahrheit nicht sind. Jede Hoffnung auf einen bloßen Menschen muss früher oder später enttäuscht werden, wenn sie nicht mit der Hoffnung auf Gott verbunden ist.
Legen wir alles in Gottes Hände; er trägt und lenkt unser Leben und führt es zum Ziele. Die Fürbitte der Gottesmutter Maria möge uns begleiten. Sie hat im Glauben immer mehr in Jesus gesehen als den bloßen Menschen; sie hat ihn als wahren Gott anerkannt und auf ihn vertraut und gehofft. Vom Himmel aus ist sie uns nahe mit ihrer mütterlichen Liebe und will uns zu ihrem Sohn im ewigen Reich der Liebe und des Friedens geleiten.
Amen.
