Predigt:
Gottes Geist leitet die Kirche
6. Sonntag der Osterzeit B (17.05.2009)
L1: Apg 10,25-26.34-35.44-48; L2: 1 Joh 4,7-10; Ev: Joh 15,9-17
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Was ist die Kirche? Was stellen sich die Menschen allgemein unter diesem Begriff vor? Was verbinden wir als Glaubende damit? Wie ist die Kirche Christi als Glaubensgeheimnis zu sehen?
Diese und ähnliche Fragen können uns zum Nachdenken darüber anleiten. Jesus Christus, der Auferstandene, ist vielen auserwählten Zeugen erschienen: den Aposteln und Jüngern, darunter sowohl Männern als auch Frauen. Diese bildeten eine Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe, die „Urkirche“, welche zuerst in Jerusalem bestand und sich rasch ausbreitete auf die angrenzenden Gebiete und weit darüber hinaus, nicht zuletzt durch die Missionstätigkeit der Apostel Petrus und Paulus.
„Kirche“ ist nicht nur ein totes Gebäude aus Stein, sondern „Kirche“ sind wir alle, die wir zu Christus gehören. Die Zugehörigkeit zur Kirche ist aber nicht wie die Mitgliedschaft in einem Verein zu verstehen, bei dem man nach Belieben dabei sein kann oder auch nicht, sondern es ist für getaufte Christen eine Wesensnotwendigkeit, auch Glied dieser Kirche Christi zu sein. Durch die Taufe wurden wir aufgenommen in den geheimnisvollen Leib Christi, der die Kirche ist: ein Haupt – Christus – und viele Glieder, eben die Gläubigen. Wir gehören zum Volk Gottes, das in dieser Weltzeit auf Pilgerschaft ist und dem Ziel ewiger Vollendung im „himmlischen Jerusalem“ entgegeneilt. Dort wird Gott alles in allem sein (vgl. 1 Kor 15,28).
So können wir also dem Geheimnis der Kirche wirklich nur dann gerecht werden, wenn wir auf sie – die Braut Christi – mit den Augen des Glaubens blicken, d.h. von Gott her. Jesus sagt einmal: „Nicht ihr habt mich erwählt, ich habe euch erwählt“ (Joh 15,16). Es ist die Erwählung zuvorkommender Liebe; Gott hat uns zuerst geliebt, damit wir ebenso Liebende sind (vgl. 1 Joh 4,19). Wir können gar nicht wirklich begreifen, was es heißt, seit Ewigkeit von Gott geliebt zu sein, aus Liebe ins Dasein gerufen worden zu sein und in der Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe – eben in der Kirche Gottes – dem Ziel ewiger Vollendung in Christus entgegen zu gehen. Lob und Preis sei Gott!
Natürlich gibt es in der Kirche auch Sünde und Irrtum. Wie sollte es anders sein, da sie aus Menschen besteht? Da wir alle verbunden sind in einem einzigen Leib, so wirkt sich das sowohl im Guten als auch im Bösen aus. Wer sündigt, verletzt damit den ganzen Leib Christi, die Kirche. Wer Gutes tut und sich in Liebe einsetzt für das Heil seiner Mitmenschen, trägt bei zur Auferbauung des Leibes Christi. Auch das im Geist der Sühne und Buße stellvertretend für andere ertragene Leid kann Großes bewirken, ohne dass es von vielen wahrgenommen wird. Nichts ist umsonst, was aus Liebe geschieht; Gottes Heiliger Geist erfüllt uns und treibt uns an zu Werken der Heiligkeit!
Bei allem Menschlichen in der Kirche dürfen wir also das Göttliche nicht vergessen. Christus bleibt unsichtbar gegenwärtig in seiner Kirche, bis er sichtbar wiederkommt am Ende der Zeiten, um zu richten die Lebenden und die Toten. Der Heilige Geist bewahrt die Kirche in der Einheit des Glaubens und der Liebe. Er führt sie in alle Wahrheit ein und bewahrt sie vor Irrtum. Wir wollen in besonderer Weise für den Papst und die Bischöfe beten, dass sie dem hohen Anspruch genügen können, der ihnen von ihrem Amt her zukommt.
Die Kirche Christi, der wir angehören dürfen, ist nicht Menschenwerk, sondern Gotteswerk. Ihr wichtigstes Kennzeichen ist die brüderliche Liebe. Wir sind Freunde Christi, wenn wir seinem Gebot folgen: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“
Amen.
