Predigt:
Das Geschenk göttlicher Vergebung
7. Sonntag im Jahreskreis B (22.02.2009)
L1: Jes 43,18-19.21-22.24b-25; L2: 2 Kor 1,18-22; Ev: Mk 2,1-12
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Worte haben Gewicht. Dies kann in so hohem Ausmaß zutreffen, dass sich das ganze Leben zum Guten hin ändert, wenn im rechten Augenblick von der richtigen Person das richtige Wort gesagt wird. Umgekehrt können falsche und vor allem böse Worte auch viel zerstören; wir alles wissen um diese Zusammenhänge, sei es im Guten und Freudvollen oder auch in tragischen Verstrickungen von Schuld und Leid.
Das Wort Jesu an den Gelähmten: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ ist so ein kraftvolles Wort. Zuerst sieht es so aus – jedenfalls haben manche der Umstehenden den Eindruck –, als ob Jesus gar nicht befähigt und berechtigt wäre, ein solches Wort auszusprechen. Für die Ohren frommer Juden stellte sich sofort die Frage: „Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?“
Dies ist grundsätzlich richtig. Sie konnten sich jedoch nicht vorstellen, dass vor ihnen nicht ein bloßer Mensch stand, sondern der wahre Sohn Gottes, den der himmlische Vater im Heiligen Geist in die Welt gesandt hatte. Eben deshalb kam ihm die göttliche Vollmacht, Sünden zu vergeben, sehr wohl zu und er konnte sie auch ausüben.
Es bedurfte jedoch noch eines Zeichens für die Menschen, damit sie in der Lage waren, die Größe und Sendung Jesu anzuerkennen. Dieses Zeichen war im konkreten Fall die Aufforderung Jesu an den Gelähmten, er möge aufstehen, seine Tragbahre nehmen und nach Hause gehen! Dies tat er zur großen Verwunderung aller, wodurch auch seine körperliche Heilung offenbar wurde.
Wenn wir uns fragen, welches die größere Tat war, die Jesus vollbracht hatte, nämlich die Sündenvergebung oder die körperliche Heilung, so dürfen wir uns nicht vom Augenschein täuschen lassen. Nach außen hin ist natürlich eine körperliche Heilung viel eindrucksvoller, sodass wir versucht sind, hier das Eigentliche des Wirkens Jesu zu sehen.
Doch eine wirkliche Sündenvergebung, die dem schuldig gewordenen Menschen von Gott her das Heil zuspricht und einen neuen Anfang ermöglicht, greift viel tiefer. In ihr ereignet sich gleichsam eine Neuschöpfung des inneren Menschen; das göttliche Leben wird dem Sünder neu geschenkt. Aus dem Tod der Sünde wird er geistlich auferweckt. Und dies ist etwas Größeres als noch so viele Heilungen von körperlich Kranken!
Bei Jesus sehen wir aber immer die Einheit des göttlichen Wirkens: Gott schenkt dem ganzen Menschen das Heil; Jesus Christus ist der Heiland für Leib und Seele.
In der Vollmacht Christi darf auch der Priester im Sakrament der Buße den Menschen die Vergebung der Sünden schenken. Mit wirksamen sakramentalen Worten spricht Gott durch den Dienst des Priesters die Gläubigen von ihren Sünden los, die sie aus reumütigem Herzen aufrichtig bekannt haben. „So spreche ich dich los von deinen Sünden – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, darf der Priester zu jedem sagen, der das Geschenk der Vergebung von Gott erbittet.
Jesus Christus wusste, dass wir Menschen auf äußere Zeichen angewiesen sind. Wir brauchen den Zuspruch von anderen, die hörbare Lossprechung Gottes durch den Dienst des Priesters. Nur dies kann uns wirklich befreien von der Anhänglichkeit an alte Fesseln, die uns einengen und uns niederdrücken. Wer die Liebe zu Gott und zum Nächsten üben will, muss frei sein. Um der Liebe gleichsam Flügel zu verleihen, schenkt uns Gott im Bußsakrament immer neu seine Vergebung.
Die bald beginnende „Österliche Bußzeit“ oder Fastenzeit ist eine Einladung an uns alle, die geistlichen Kraftquellen zu nutzen, die uns Gottes Liebe anbietet. Mögen auch wir dann aufstehen wie der Gelähmte und frei und in Freude unseren Weg gehen im Dienst an den Menschen und im Lobpreis des wahren Gottes!
Amen.
