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Predigt:

Der neue Wein des göttlichen Lebens

8. Sonntag im Jahreskreis B (26.02.2006)

L1: Hos 2,16b.17b.21-22; L2: 2 Kor 3,1b-6; Ev: Mk 2,18-22


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Neuer Wein gehört in neue Schläuche.“ Mit diesen Worten verbindet Jesus eine wichtige Aussage: Das „Reich Gottes“, das er verkündet, ist etwas grundlegend Neues. Es sprengt alle bisherigen Kategorien und gewohnten Vorstellungen. Kein Auge hat es gesehen und kein Ohr hat es gehört, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben (vgl. 1 Kor 2,9). In seiner Fülle und Vollendung wird sich das Himmelreich erst am Ende der Welt zeigen, wenn Jesus Christus wiederkommt als Richter der Lebenden und der Toten. Gott der Herr wird die Leiber der Verstorbenen auferwecken und im allgemeinen Gericht jedem seinen Platz zuweisen, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken des Menschensohnes. Die in der Gottferne gelebt haben und gestorben sind, werden verdammt werden; die Gott geliebt haben und ihm auch in der Liebe zum Nächsten gedient haben, werden das ewige Leben empfangen. Das letzte und allgemeine Gericht am Ende der Welt wird das bestätigen, was sich unmittelbar nach dem Tod eines jeden Menschen im persönlichen Gericht ereignet. Wenn wir auf Gott vertrauen und ihn lieben, wenn wir die Sünde bereuen und nach Kräften meiden, wenn wir Gutes tun und Gott und die Nächsten lieben, dann werden wir das ewige Leben empfangen. Wir dürfen in froher Hoffnung sein, dass sich die Herrlichkeit des Reiches Gottes einst auch an uns vollendet!

Wie aber sieht es mit dem irdischen Leben aus? Ändert sich auch hier schon etwas für den Glaubenden oder liegt alles Gute nur immer in der Ferne? Wir dürfen voll Freude bekennen: Ja, wir sind bereits jetzt erlöst, auch wenn die Vollendung dieser Erlösung noch aussteht. In der heiligen Taufe wurden wir von der Erbschuld befreit und mit der heiligmachenden Gnade erfüllt. Wir sind zu Kindern Gottes geworden und haben Anteil am göttlichen Leben. Wir sind fähig zu Glaube, Hoffnung und Liebe. Auf diese Weise sind wir zuinnerst mit Gott verbunden, der in unserem Herzen wohnt, und zugleich mit unseren Mitmenschen, die wir als Brüder und Schwestern in Christus ansehen dürfen. Der Lebens- und Gnadenquell des Reiches Gottes fließt bereits in Überfülle. Dies ist der „neue Wein“, der unmöglich in den alten Schläuchen des bisherigen Lebens Platz findet, sondern der ein neues, gottgefälliges Leben verlangt.

Wie aber soll dieses neue Leben der Christen aussehen? Ein frühchristlicher Autor beschrieb (im 2. Jh. n.Chr.) die Eigenart des christlichen Lebens auf folgende Weise: „Die Christen sind weder durch Heimat noch durch Sprache noch durch Sitten von den übrigen Menschen verschieden. Denn sie bewohnen weder irgendwo eigene Städte noch verwenden sie eine abweichende Sprache noch führen sie ein besonderes Leben. … Sie bewohnen ihr jeweiliges Vaterland, aber nur wie fremde Ansässige; sie erfüllen alle Aufgaben eines Bürgers und erdulden alle Lasten wie Fremde; jede Fremde ist für sie Vaterland und jede Heimat ist für sie Fremde. Sie heiraten wie alle und zeugen Kinder, jedoch töten sie die Ungeborenen nicht. Sie haben einen gemeinsamen Tisch, aber kein gemeinsames Bett. Sie sind im Fleische, aber sie leben nicht nach dem Fleisch. Auf Erden halten sie sich auf, aber im Himmel sind sie Bürger. Sie gehorchen den bestehenden Gesetzen und überbieten durch ihre eigene Lebensweise die Gesetze. Sie lieben alle und werden von allen verfolgt. Sie werden verkannt und verurteilt, sie werden getötet und dadurch gewinnen sie das Leben. Arm sind sie und machen doch viele reich; an allem leiden sie Mangel und zugleich haben sie Überfluss an allem. Missachtet werden sie und in der Verachtung gerühmt; gelästert werden sie und doch für gerecht befunden. Geschmäht werden sie und segnen; sie werden verhöhnt und erweisen Ehre. Obwohl sie Gutes tun, werden sie wie Übeltäter bestraft; mit dem Tode bestraft, freuen sie sich, als ob sie zum Leben geboren würden.“ (Aus dem Diognetbrief)

Diese idealisierende Beschreibung des christlichen Lebens zeigt uns, dass es bei allem Gemeinsamen der Christen mit den übrigen Menschen doch Unterschiede gibt, welche es erlauben, von der „Neuheit“ des christlichen Lebens zu sprechen. Unser Leben ist ja mit Christus in Gott verborgen (vgl. Kol 3,3), und im Herzen tragen wir bereits den Schatz des ewigen Lebens, der uns anvertraut ist. Darum soll und darf uns Freude erfüllen. Diese muss unser ganzes Leben durchdringen. „Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten“, sagte Jesus zu den Pharisäern im Hinblick auf seine Jünger. Alles Wichtige im Leben braucht seine Zeit: Es gibt eine Zeit sich zu freuen und eine Zeit zu weinen, eine Zeit des Feierns und eine Zeit der Trauer. Wenn sich die Welt in diesen Tagen des Faschings in lauter und ausgelassener Vergnügtheit zeigt, so ist das noch nicht die innere und bleibende Freude, von der Jesus spricht und die er uns geben will. Wir leben zwar als Christen in dieser Welt, stammen aber nicht von ihr (vgl. Joh 17,14.16). In diesem Sinn dürfen wir uns auf ehrenhafte Weise auch ein wenig am Faschingsgeschehen beteiligen und uns daran erfreuen, ohne zu vergessen, dass unser eigentliches Glück und unsere wahre Heimat woanders liegt als hier in dieser vergänglichen Welt: nämlich im Himmel, wo Gott und seine Engel und Heiligen uns erwarten.

Wir bitten die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, uns den Weg der Gottes- und Nächstenliebe zu zeigen und uns von Gott den „neuen Wein“ des göttlichen Lebens zu erbitten, damit wir einst eingehen dürfen in sein himmlisches Reich! Amen