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Predigt:

Die Freude aller Heiligen

Allerheiligen B (01.11.2009)

L1: Offb 7,2-4.9-14; L2: 1 Joh 3,1-3; Ev: Mt 5,1-12a


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wenn wir uns fragen: Was treibt die Menschen an in ihrem Leben, welches Ziel haben sie, was wollen sie eigentlich? – dann wird die Antwort verschieden sein. Der eine konzentriert sich auf seine Familie, ein anderer auf einen Beruf, der ihn erfüllt, oder jemand sagt sogar ausdrücklich, er möchte alles auf Gott beziehen und ihm dienen. Wieder andere sind weniger idealistisch und sehen das Geld, die Macht oder den sinnlichen Genuss als das Eigentliche und Wichtigste im Leben an. Manche gehen hier sogar so weit, dass sie um des eigenen Vorteils willen auch bereit sind, Böses zu tun, ja Verbrechen zu begehen.

Hinter all diesen Zielen steht aber bei allen Menschen – ob man sich dessen bewusst ist oder nicht – eine Suche nach Erfüllung, nach Glück und Vollendung. Es gibt keinen Menschen, der aus tiefster Überzeugung von sich sagen könnte: „Ich möchte nicht glücklich werden.“ Auch dort, wo jemand nicht mehr daran glaubt, dass er sein Glück tatsächlich erreichen kann, weil er vielleicht am Leben verzweifelt, sehnt er sich doch im tiefsten Herzen danach. Denn sonst wäre er ja nicht unglücklich, wenn er das nicht erreicht, was er sich erwartet und erhofft hatte.

Im Evangelium von Allerheiligen werden uns die Seligpreisungen Jesu aus der Bergpredigt vorgestellt. Schon ihre Einleitung zeigt an, dass es um das wahre und eigentliche Glück der Menschen geht: „Selig sind, die ...“ Das Wort „selig“ ist zwar in der Alltagssprache fast verschwunden; dennoch wissen wir, was es bedeutet. Es steht für das Glück in seiner reinsten und unverdorbensten Form. Nicht eine oberflächliche Freude und Ausgelassenheit ist gemeint, die wieder vergeht und die mitunter sogar eine tiefe Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit des Herzens verdecken kann, sondern eine Freude, die bleibt und die uns nicht genommen werden kann. Als Christen werden wir sagen dürfen: Es geht um die Freude, ja die Seligkeit, die uns letztlich nur Gott schenken kann. Es geht um die Freude „aller Heiligen“, d.h. jener Menschen, die bereits bei Gott im Himmel vollendet sind, weil sie auf Erden ausgeharrt haben im Glauben und in hoffender Liebe und sie im Frieden mit Gott gestorben sind.

In den Seligpreisungen zeigt uns Jesus den Weg zu dieser tiefsten Erfüllung des Herzens auf, die wir alle ersehnen; zu einem Glück, das diesen Namen wirklich verdient. Es ist ein anspruchsvoller Weg, ein „Höhenweg“, der so manche Mühe kostet und jedenfalls nicht mit Egoismus zu beschreiten ist, sondern nur in der Gesinnung liebender Hingabe. Es ist der „schmale Weg“, von dem unser Herr an anderer Stelle im Evangelium spricht, den nur wenige gehen; im Unterschied vom „breiten Weg“, der ins Verderben führt. Und doch ist es ein großartiger Weg: ein Weg, der den Einsatz lohnt! Schon im Gehen erahnen wir die Schönheit des Zieles, beflügelt uns gleichsam die Hoffnung auf Herrlichkeit.

Die Seligpreisungen Jesu sind gewiss auch ein Gegenmodell zu vielen nur auf das eigene kleine Glück bezogenen, letztlich egoistischen Lebensentwürfen unserer Zeit. Was sagt uns Jesus im einzelnen? Greifen wir eine wichtige Seligpreisung heraus! „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen.“ Gott kann man nur in Lauterkeit und Wahrhaftigkeit suchen und finden. Wer in sich gespalten ist, weil er falsch ist gegenüber sich selbst und anderen, wird nicht zur reinen Quelle des Lebens gelangen. Ein reines Herz ist jedoch arglos und kennt nichts Böses; es liebt das Gebet und die Verbundenheit mit Gott und meidet jede sittliche Unordnung, auch im sexuellen Bereich. Ein reines Herz strahlt nach außen hin Freude aus und wirkt anziehend. Gott wohnt in seinem Herzen und erfüllt es.

Noch andere Seligpreisungen gibt uns Jesus, wenn er von der Seligkeit jener spricht, die Frieden stiften und die darum Söhne Gottes genannt werden, oder wenn er jene herausstellt, die barmherzig sind und daher auch Barmherzigkeit finden werden, die nach der Gerechtigkeit verlangen oder die um der Gerechtigkeit willen und um Jesu willen verfolgt werden. Ihnen allen ist das Himmelreich verheißen. Wer sich in Liebe zu Gott und zum Nächsten hingibt, gewinnt das ewige Leben. Er hat teil an der ewigen Freude, die nur Gott schenken kann.

Heute ehren wir alle Heiligen, die bereits bei Gott sind und ihn schauen dürfen: sie sind unsere Fürsprecher und mögen für uns eintreten, dass auch wir auf dem Weg der Seligpreisungen zum wahren Glück bei Gott im Himmel gelangen. 

Amen.