Josef Spindelböck
Großes hat der Herr an uns getan
Predigt am
Hochfest Christi Himmelfahrt
Lesejahr B, 21. Mai 2009
L 1: Apg 1,1-11; L 2: Eph 1,17-23 oder Eph 4,1-13; Ev: Mk 16,15-20
Die liturgischen Texte finden Sie online im Schott-Messbuch
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
40 Tage nach seiner
Auferstehung ist Jesus Christus, der Herr, vor den Augen
seiner Jünger sichtbar in den Himmel
aufgefahren. Er ist zu seinem und unserem Vater gegangen, um uns eine Wohnung
zu bereiten (vgl. Joh 14,2). Als
Tröster und Beistand für alle, die glauben, hat er den Heiligen Geist verheißen und ihn am Pfingsttag in Gestalt von
Feuerzungen auf die Apostel und Jünger herabgesandt.
Wenn wir nach der Bedeutung
dieses Festes für uns fragen, so können wir zuerst sagen: Gott wollte uns
bestimmte Wahrheiten, die wir
glauben sollen, auf sinnenfällige Weise veranschaulichen.
Unsere Heimat ist im Himmel; auf
Erden sind wir Pilger. Die Vollendung
ist uns bei Gott verheißen.
Ein wichtiger Inhalt des Festes kommt im Tagesgebet der heiligen Messe zum
Ausdruck. Dort heißt es: „Allmächtiger, ewiger Gott, erfülle uns mit Freude und
Dankbarkeit, denn in der Himmelfahrt
deines Sohnes hast du den Menschen erhöht.“
Wir überhören leicht, welch grundlegende Wahrheit in
diesen knappen Worten enthalten ist: Gott
hat den Menschen erhöht – eben dadurch, dass Jesus Christus in den Himmel
aufgefahren ist.
Um das besser zu verstehen, wollen wir bedenken, wer Jesus Christus wirklich ist: Er ist
von Ewigkeit her wahrer Gott, in der Einheit mit dem
Vater und dem Heiligen Geist. Wir glauben an den einen Gott in drei göttlichen
Personen. Der Sohn Gottes ist dem Vater wesensgleich. Doch dieser Sohn Gottes –
eben die zweite göttliche Person – ist in
der Zeit Mensch geworden: Er wurde empfangen vom heiligen Geist und geboren von der Jungfrau Maria. Als
Mensch hat er unter uns gelebt. Jesus ist wirklich als Mensch bei uns gewesen;
er hat für uns als Mensch gelitten und ist gestorben; als Mensch wurde er
auferweckt am dritten Tag. In seiner Menschheit, die er mit uns gemeinsam hat,
wurde er auch in den Himmel aufgenommen. Weil er zugleich wahrer Gott ist, sagen wir auch mit Recht: Er ist (aus eigener Kraft) von den Toten auferstanden und ist in den
Himmel aufgefahren.
Bedenken wir, was es heißt: Der Mensch war Gott so viel wert, dass Gott selbst ein Mensch werden
wollte. Gott ist auf höchste Weise menschenfreundlich, denn der Mensch wurde erschaffen nach Gottes Bild
und Gleichnis. Dieses Bild Gottes, das durch die Sünde Adams verunstaltet
war, wurde durch Christus
wiederhergestellt. Er ist der neue
Mensch, der neue Adam. In ihm wurden auch wir in unserer
Gottebenbildlichkeit erneuert. Gott hat uns wieder eingesetzt als seine Söhne
und Töchter; wir sind der göttlichen
Natur teilhaftig geworden, indem wir durch den Glauben und das Geschenk der
Taufe zu Kindern Gottes geworden sind. So
groß ist der Mensch, dass Gott selbst ein Mensch unter Menschen werden wollte.
Ihn, Jesus Christus, den wahren Gott und Menschen, beten wir an! Er ist unser
Heiland und Erlöser.
Wenn nun in der Himmelfahrt
des Herrn auch seine verklärte Menschheit eintritt ins Haus des himmlischen
Vaters, so sind wir gleichsam in Jesus
Christus schon mit hineingenommen in die himmlische Herrlichkeit. Denn auch
wir sind, wie es im Tagesgebet
weiter heißt, „zu der Herrlichkeit gerufen …, in die Christus uns
vorausgegangen ist“. Jesus hat uns schon ein Stück weit mitgenommen, und er
gibt uns die Verheißung, dass er uns dort bei Gott seinem Vater, eine ewige
Wohnung bereitet. Ja, Gott hat den Menschen wirklich auf wunderbare Weise geschaffen und noch wunderbarer wiederhergestellt durch Jesus Christus, seinen
Sohn!
Wenden wir diese Wahrheit an auf unser Leben, so wird uns
bewusst, dass wir in jedem Menschen dem Bild Gottes begegnen. Mag dieses Bild
auch durch die Sünde verunstaltet sein, mag ein Mensch auch noch so sehr von
anderen in seiner Würde missachtet werden – er bleibt doch Abbild des
lebendigen Gottes, berufen zur Kindschaft Gottes und zur Teilnahme an der
ewigen Herrlichkeit!
Ob geboren oder ungeboren, ob gesund oder krank oder
behindert, ob jung oder alt, ob frei oder in Fesseln der Knechtschaft – in jedem Menschen leuchtet uns das Antlitz
Christi auf, der selber gesagt hat: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40; vgl. Mt 25,45).
Ist das nicht ein großer Gedanke? Aber es ist nicht nur
eine Idee oder Theorie, sondern eine
Wahrheit, die ins Leben umgesetzt werden will. Dazu sind wir aufgerufen in dieser „Zwischenzeit“ des Lebens auf
Erden, bis der Herr wiederkommt in
der Stunde unseres Todes bzw. am Ende der Welt und uns zu sich ruft in seine
Herrlichkeit beim Vater im Himmel!
Gehen wir mit Mut und Vertrauen unseren Weg. Großes hat der Herr an uns getan, sein Name
ist heilig (vgl. Lk 1,49). Wir wollen ihm danken und ihn preisen – jetzt
und in Ewigkeit.
Amen.