Josef Spindelböck

Jesus Christus, der neue Adam, ist unser König

Predigt am Christkönigssonntag
Lesejahr B, 22. November 2009

L 1: Dan 7,2a.13b-14; L 2: Offb 1,5b-8; Ev: Joh 18,33b-37

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Der letzte Sonntag im Jahreskreis ist wie ein Schlussstein für das ganze Kirchenjahr: Er fasst unter dem Festtitel „Christus der König“ all das zusammen, was die Feier der Heilsgeheimnisse zum Ausdruck bringt. Wir dienen Christus, dem König des Weltalls, dem König aller Menschen; er ist unser Heiland, unser Erlöser, in ihm liegen der Anfang und die Vollendung beschlossen; er ist das Alpha und das Omega!

Der Christkönigssonntag macht uns bewusst, dass wir Menschen von Gott her in einer einzigen großen Familie verbunden sein sollen. Wir stammen alle von dem Einen ab – Adam – und sollen unter einem einzigen Haupt – nämlich Christus, dem neuen Adam – geeint sein. Die Verschiedenheit der Völker und Kulturen, die Individualität der Personen sind im Plane Gottes nichts letztlich Trennendes, sondern ein Aufruf zur Gemeinschaft in der Wahrheit und in der Liebe. Nur die Sünde bewirkt Spaltung und Trennung, denn das Wort „Sünde“ bedeutet ja „Absonderung“: zuerst von Gott, dann aber auch von der Gemeinschaft der Menschen.

Wo aber umgekehrt Gott seinen Frieden stiftet durch das Blut seines Sohnes Jesus Christus, da wird Versöhnung möglich und neue Einheit und Gemeinschaft, in der man einander achtet und gelten lässt und doch eine tiefe Verbundenheit des Herzens erfährt.

Es mag sein, dass all dies unter den gegenwärtigen Bedingungen der Menschheit ein Idealbild darstellt, dessen Vollendung uns erst im kommenden Reich Gottes verheißen ist. Und doch geht es für uns Christen darum, auch unter den Herausforderungen der Gegenwart einem solchen Ideal möglichst nahe zu kommen.

Dort wo alles zusammenwächst in Wirtschaft und gesellschaftlicher Organisation – wir kennen das Schlagwort der „Globalisierung“ –, sollen wir als Christen dazu beitragen, die Würde jedes einzelnen Menschen und seine unveräußerlichen, ihm von Gott gegebenen Rechte hervorzuheben und zu schützen. In jedem Menschen dürfen wir das Bild Gottes erkennen, ja noch mehr: den Bruder oder die Schwester des menschgewordenen Sohnes Gottes, Jesu Christi, des Königs der Könige!

Er hat uns alle in seine Gemeinschaft berufen. Durch den Glauben und die heilige Taufe sind wir selbst zu einem „königlichen Priestertum“ geworden. Er hat uns die Würde von Königen verliehen und uns wirklich frei gemacht. Wir sind nicht mehr unseren Sünden und Leidenschaften unterworfen, sondern dürfen in der überzeugten Freiheit der Liebe das Gute tun. Gottes Heiliger Geist hat unser Herz verwandelt und treibt uns von innen her dazu an, die anderen Menschen in der Gesinnung Jesu Christi zu lieben, der für uns alle am Kreuz sein Leben hingegeben hat, um es in seiner Auferstehung wieder zu empfangen und es auch uns bleibend zu schenken.

So werden wir eins in der Wahrheit und in der Liebe und zu einer einzigen Familie, geeint unter dem neuen Adam, nämlich Christus dem König. Wir wollen auch die heilige Gottesmutter Maria anrufen und uns ihrer Fürbitte empfehlen. Sie ist die geistliche Mutter aller Menschen und darf mit Recht als unsere Königin und Mutter verehrt werden.

Amen.

 

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