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Predigt:

Ein einziger Gott in drei Personen

Dreifaltigkeitssonntag B (11.06.2006)

L1: Dtn 4,32-34.39-40; L2: Röm 8,14-17; Ev: Mt 28,16-20


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Was können wir überhaupt von Gott wissen? Wir sehen ihn nicht, da er geistig und nicht sinnlich wahrnehmbar ist. Der Mensch ist frei, Gott, das höchste und vollkommenste Wesen, anzuerkennen, obwohl er die sittliche Pflicht hat ihn zu suchen und ihn anzunehmen. Nicht alle sind dazu bereit, denn es gibt viele Hindernisse. Und doch lässt sich Gott aus den Werken der Schöpfung erkennen.

Gott ist das absolut vollkommene Wesen; er ist der Ursprung und Schöpfer aller Dinge. Er ist das Ziel der Schöpfung und ihr Vollender. Er allein ist „der Gute“ schlechthin. Gott in seiner ewigen Existenz „ruht“ in sich; Gott verdankt sich niemand anderem. Er ist reiner Geist, erhaben über seine Schöpfung (transzendent), von ihr verschieden und doch durch sein erhaltendes Wirken und seine Vorsehung in ihr zuinnerst gegenwärtig (immanent). Er wohnt im Himmel und zugleich ist er auch auf der Erde, da er allgegenwärtig ist. Gott ist gerecht und barmherzig, allwissend und allmächtig. Er ist der Heilige, der absolute Herr, der dennoch freie Wesen erschaffen hat, die dazu berufen sind, ihn zu lieben und ihm zu dienen.

Der Höhepunkt dessen, was wir von Gott wissen können, ist uns darin geschenkt, dass Gott sich selber uns mitgeteilt hat. Der eine und dreifaltige Gott – ein Gott in drei Personen – hat sich uns geoffenbart, und zwar als Gott der Liebe: Gott der Vater sandte seinen Sohn zu uns, der eine menschliche Natur annahm, um uns im Heiligen Geist zur seligen Vollendung zu führen. In Jesus Christus hat das ungeschaffene und ewige Wort Gottes Fleisch angenommen. Gott ist auf diese Weise Mensch geworden in der Zeit, ohne sein Gottsein aufzugeben oder zu verlieren. Im Heiligen Geist, der dritten göttlichen Person, heiligt und vollendet Gott das Werk seiner Liebe im Hinblick auf den Menschen und die ganze Schöpfung.

Im Evangelium hören wir vom Missionsbefehl Jesu: Die Apostel sollen hinausgehen in die ganze Welt und alle Völker zu seinen Jüngern machen. Sie sollen sie taufen „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Hier wird klar die Dreipersönlichkeit Gottes im einen göttlichen Wesen zum Ausdruck gebracht. In der Taufe wurden wir hinein genommen ins göttliche Leben. Wir sind durch den Sohn Gottes zu Kindern Gottes geworden, zu „Söhnen im Sohn“. Im Heiligen Geist dürfen wir zu Gott „Vater“ sagen und ihn vertrauensvoll anrufen. In der Liebe des dreieinigen Gottes ruht unser Leben und soll auf ewig vollendet werden.

Ja, Gott ist ein unergründliches Geheimnis! Und doch ist er nicht fern von uns, denn er wohnt seit der Taufe in unserem Herzen. Wir selber sind zu einem Tempel des lebendigen Gottes geworden. Geben wir gut darauf Acht, dass wir diesen hohen Gast nicht vertreiben. Der Unglaube und jede andere schwere Sünde rauben uns die besondere Gegenwart Gott. Gott ist zwar überall gegenwärtig, er wohnt aber nur dort, wo ihn der Mensch in Glaube, Hoffnung und Liebe aufnimmt.

Worauf kommt es im Leben an? Letztlich sind es nicht die irdischen Werte, die zählen, wie Reichtum, Macht, Ansehen, Genuss etc. Was bleibt, das sind die inneren Werte der Anerkennung und Annahme des Mitmenschen in Liebe und vor allem der lebendige Glaube und die Verbundenheit mit dem dreifaltigen Gott. Diese Beziehung gilt es wach zu halten, bis Gott der Herr anklopft an die Tür unseres Herzens, wenn er kommt am Ende unseres Lebens.

Die Jungfrau Maria war durch ihren Glauben und ihre Liebe ganz einbezogen in das Leben des dreifaltigen Gottes. Im Heiligen Geist empfing sie vom himmlischen Vater als wahre Gottesmutter Jesus Christus, den Sohn Gottes, und durfte ihm eine menschliche Mutter sein.

Möge uns die Fürbitte der heiligen Gottesmutter Maria helfen, dass wir dann aufgenommen werden in die himmlischen Wohnungen. Dort werden wir Gott schauen von Angesicht zu Angesicht: Wir werden den Vater preisen durch den Sohn im Heiligen Geist und uns in ewiger Seligkeit der von Gott geschenkten Vollkommenheit erfreuen. Amen